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Strombranche stellt sich neu auf · 12.03.2018 09:34 Uhr

Innogy-Zerschlagung lässt Börse jubeln

Kraftwerk bei Nacht
Quelle: David T. Stephenson/Shutterstock
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Paukenschlag in der Energiebranche: Die RWE-Ökostromtochter Innogy wird zerschlagen und auf Eon und RWE aufgeteilt. Die Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr rücken dabei in den Hintergrund…

-Von Cornelia Frey, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
 
Die Pläne der Energieriesen zur Neuordnung des Strommarkts kommen völlig überraschend. Im Rahmen der Neuaufteilung soll Eon die gewinnbringenden Stromnetze und das Kundengeschäft von Innogy übernehmen. Im Gegenzug tritt Eon seine Windparks und Solaranlagen an RWE ab. Die erst zwei Jahre alte RWE-Tochter Innogy wird demnach zerschlagen.
Wie die Unternehmen mitteilten, sei dazu eine Grundsatzeinigung erzielt worden. Eon will demnach den gesamten RWE-Anteil an Innogy von knapp 77 Prozent übernehmen. RWE erhält dafür zunächst einen Anteil von knapp 17 Prozent an Eon. Diese Anteile sollen dann aus einer Sachkapitalerhöhung stammen. Als weiterer Schritt werden die diversen Geschäftsteile hin- und her getauscht und RWE zahlt als Ausgleich noch 1,5 Milliarden Euro an Eon.

Zustimmung von Gremien und Kartellamt erforderlich

Bevor bindende Verträge abgeschlossen werden, ist noch die Zustimmung der Gremien von Eon und RWE erforderlich. Auch die Kartellwächter müssen die Transaktion, die in mehreren Schritten geplant ist, noch ab nicken.
Für die ausstehenden Innogy-Anteile möchte Eon den Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreiten. Dabei sollen die Anteilseigner nach aktuellem Stand 40 Euro je Aktie in bar erhalten. Dieser Wert setzt sich aus einem Angebotspreis von 36,76 Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus den unterstellten innogy-Dividenden von 3,24 pro Aktie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen. An der Börse Stuttgart wurde die Innogy-Aktie am Freitag zuletzt zu 34,42 Euro gehandelt.

Spekulationen über Verkauf gibt es schon länger

Innogy hatte in den vergangenen Monaten schwer zu kämpfen. Nach einer Gewinnwarnung und den Kursverlusten der innogy-Aktie hat Vorstandschef Peter Terium im vergangenen Dezember seinen Posten geräumt und wird seitdem kommissarisch von Personalvorstand Uwe Tigges vertreten. Bei einer Säureattacke zog sich zudem der Finanzvorstand Bernhard Günther vor wenigen Tagen schwerste Verletzungen zu und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.
In Anbetracht der vielen Probleme der RWE-Tochter wurde zuletzt auch immer wieder über einen Verkauf von innogy spekuliert. Auch wenn das Unternehmen – das aktuell rund 44.000 Mitarbeiter beschäftigt - versuchte den Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Aktien legen allesamt deutlich zu

An der Börse kommen die Pläne zur Neuordnung des deutschen Strommarkts sehr gut an und RWE und Eon führen dementsprechend die Gewinnerliste im DAX an. RWE-Aktien konnten vorbörslich schon rund zehn Prozent zulegen, im börslichen Handel ging es zwischenzeitlich sogar 15 Prozent nach oben auf 20,55 Euro. Ein Plus von rund fünf Prozent verbucht am Morgen die Eon-Aktie.
Die Innogy-Aktien legen rund 15 Prozent zu und können damit einen Großteil der Verluste der vergangenen drei Monate wieder gutmachen. Damit notiert die Aktie mit 39,86 Euro knapp unter der Marke von 40 Euro, zu der Anleger ein freiwilliges Umtauschangebot bekommen sollen.

Innogy-Geschäftszahlen rücken in den Hintergrund

In Anbetracht der aktuellen Veränderungen in der Energiebranche treten die am Vormittag veröffentlichen Innogy-Zahlen in den Hintergrund. Das Unternehmen hat sein Nettoergebnis 2017 mit 778 Millionen Euro nahezu halbiert - unter anderem wegen Abschreibungen auf das britische Vertriebsgeschäft. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 1,60 Euro je Aktie erhalten, so die RWE-Tochter.
 
Erstellt am 12.03.2018 um 09:35 Uhr
Veröffentlicht am 12.03.2018 um 09:36 Uhr
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