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IPO-Markt nimmt Fahrt auf · 14.03.2018 13:44 Uhr

IPO: Was Anleger bei einer Zeichnung beachten sollten

Stacks of coins with the letters IPO isolated on white background
Quelle: Lim Yong Hian/Shutterstock
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Der Börsengang des Siemens-Tochter „Siemens Healthineers“ könnte zu einem der größten IPOs seit mehr als 20 Jahren werden. Wer dabei sein will, muss die Aktie im Vorfeld „zeichnen“. Doch wie funktioniert das eigentlich?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Endlich kommt wieder etwas Bewegung in den deutschen IPO-Markt, was nicht nur institutionelle Investoren und Konsortialbanken freuen dürfte. Der vielleicht spannendste und prominenteste Börsengang könnte bereits am kommenden Freitag über die Bühne gehen. Der IPO („Initial Public Offering“) der Siemens-Tochter Siemens Healthineers könnte der größte Börsengang seit der Deutschen Telekom werden – und dieser liegt mittlerweile immerhin mehr als 20 Jahre zurück. Doch wie können Anleger eigentlich eine Aktie „zeichnen“? Was gilt es zu beachten?

Die Zeichnungsphase

Da ein regulärer Handel mit den Aktien noch nicht stattfindet, die Aktie wird ja erst noch gelistet, muss ein Anleger erstmal sein grundsätzliches Kaufinteresse hinterlegen. Er „zeichnet“ die Aktie. Ähnlich wie bei einer „normalen“ Order legt der Investor einen Limitpreis sowie seine gewünschte Stückzahl fest. Somit ist sein Kaufinteresse zu den benannten Rahmenbedingungen hinterlegt. Gezeichnet werden kann eine Aktie allerdings nur während der sogenannten „Zeichnungsfrist“. Diese umfasst in der Regel nur wenige Tage oder bis zu zwei Wochen. Bei Siemens Healthineers beispielsweise begann die Zeichnungsphase am 06. März 2018 und sie endet zum 15. März 2018. Am 15. März, also direkt nach Ende der Zeichnungsfrist, beginnt die Zuteilung der Aktien. Und spätestens jetzt wird es für kaufinteressierte Anleger spannend. Denn nur weil ein Kaufinteresse hinterlegt ist, heißt das noch nicht, dass man die Aktien auch tatsächlich zum gewünschten Preis und der gewünschten Stückzahl erhält.

Die Bookbuilding-Phase

Vor einem IPO gibt es normalerweise eine sogenannte „Bookbuilding-Phase“. Das heißt, dass die mit dem IPO betrauten Konsortialbanken die potenzielle Nachfrage nach den Aktien im Markt „abklopfen“. Im Kern geht es natürlich darum einen möglichst guten Preis für die Anteilsscheine zu erzielen. Das Bookbuiding-Verfahren erfolgt dabei ganz klassisch nach Angebot und Nachfrage. Kurz: Welchen maximalen Preis kann ich für die Anteilsscheine verlangen, um das komplette Aktienpaket am Markt zu platzieren? Das emittierende Unternehmen hat selbstverständlich ein großes Interesse so viel Eigenkapital wie nur möglich einzusammeln, während Investoren naturgemäß zu einem möglichst geringen Preis einsteigen wollen. Nachdem das Bookbuilding-Verfahren abgeschlossen ist, hat sich eine Preisspanne (oder auch Bookbuilding-Spanne genannt) herauskristallisiert, zu der aus Sicht der Konsortialbanken ein für alle Beteiligten fairer Handel der Papiere möglich ist. Im konkreten Fall von Siemens Healthineers liegt diese Preisspanne zwischen 26,00 und 31,00 Euro. Diese Preisspanne stellt allerdings nicht mehr als einen Richtwert dar. Es kann passieren, dass beispielsweise aufgrund exogener Faktoren die Preisspanne am Tag des IPO sehr deutlich nach unten oder oben verlassen wird. Doch genau dieses Risiko soll durch das Bookbuilding-Verfahren minimiert werden.

Was Anleger beachten sollten

Die Zeichnung kann innerhalb der veröffentlichten Bookbuilding-Spanne platziert werden. Sollte sich bereits eine sehr rege Nachfrage im Vorfeld oder auch während des IPOs abzeichnen, so besteht für Anleger die Gefahr nicht ausgeführt zu werden und somit keine Aktien zugeteilt zu bekommen. Neben dem Preis hängt die Zuteilung nicht zuletzt von der Strategie des Unternehmens ab und folgt der Frage, wer eigentlich künftig Anteile am Unternehmen halten soll? Will das Unternehmen vor allem institutionelle Investoren als Aktionäre? Dann wird es für Privatanleger oftmals eher schwer mit ihrer Kauforder von beispielsweise 50 Aktien zum Zuge zu kommen. Manchmal kann es jedoch auch ein Vorteil sein, eher kleinere Orders zu platzieren. So gibt es nicht wenige Unternehmen die ein bestimmtes Kontingent von Aktien für Privatanleger reservieren, da Privatanleger – so die Überlegung – eher bereit sind beispielsweise kleinere Unternehmenskrise durchzustehen. Kurz: Privatanleger gelten in vielen Chefetagen als vergleichsweise treue Aktionäre. Trotzdem sollten Anleger beachten, dass es oftmals eine Mindestordergröße bereits in der Zeichnung gibt. So ist es oftmals nicht möglich nur eine einzelne Aktie zu „zeichnen“. Üblicherweise können nur Pakete ab mindestens 50 Stück gezeichnet werden. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Nicht zuletzt hängt die Zuteilung von Aktien auch ein wenig davon ab, bei welchem Broker die Zeichnung platziert wird. So ist es nicht unüblich, dass Banken (und deren Online-Töchter) die einen IPO als Konsortialbank betreuen, eine höhere Zuteilungsquote erhalten. Bleibt schlussendlich noch die Frage nach den Zeichnungsgebühren: Die Gebühren einer solchen „Zeichnungsorder“ entsprechen in der Regel den Gebühren einer üblichen Wertpapierorder. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten Anleger bei ihrem Broker konkret nachfragen.
 
 
Verfasst am 14.03.2018 um 13:30 Uhr
Veröffentlicht am 14.03.2018 um 13:44 Uhr.
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