Nachrichten

Missbrauch durch Cambridge Analytica · 20.03.2018 10:10 Uhr

Datenaffäre setzt Facebook unter Druck

New Facebook like button 6 Empathetic Emoji Reactions printed on white paper.
Quelle: rvlsoft/Shutterstock
Beitrag teilen
Die britische Firma Cambridge Analytica hat persönliche Daten von über 50 Millionen Facebook-Nutzern für politische Zwecke missbraucht. Facebook gerät durch die Datenaffäre zunehmend in Erklärungsnot. Die Aktie brach bereits massiv ein.

-von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica soll private Daten von Millionen US-amerikanischen Facebook-Nutzern gesammelt und für politische Zwecke verwendet haben. Die Hintergründe wurde am Wochenende erstmals bekannt. Konkret sollen Daten von über 50 Millionen Nutzern ohne deren Einverständnis gespeichert worden sein. Mit diesen wollte das Analyseunternehmen das Ergebnis der US-Wahl 2016 beeinflussen.

Der Schlüssel: Digitale Fußabdrücke

Cambridge Analytica arbeitete im US-Wahlkampf eng mit dem Team von Donald Trump zusammen. Die Firma – übrigens gegründet von Trump-Unterstützer und Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer – sammelt digitale Fußabdrücke, die beim Surfen im Internet automatisch hinterlassen werden. Diese ermöglichen Aussagen über das Geschlecht, Vorlieben oder auch politische Einstellungen eines jeden Nutzers. Es ist also nicht verwunderlich, dass ein solches Unternehmen gerne mit sozialen Netzwerken kooperiert. Denn nirgends ist es so einfach, an persönliche Informationen über Nutzer heranzukommen. Mit gebündelten Informationen kann ein Unternehmen wie Cambridge Analytica Persönlichkeits-Profile erstellen. Diese ermöglichen es schließlich, perfekt auf den Nutzer abgestimmte Botschaften auf Internetseiten oder soziale Netzwerke zu spielen.
Problematisch ist allerdings, dass die Nutzerdaten im Falle der US-Wahl angeblich auch noch illegal erworben wurden – vom Psychologie-Professor Aleksandr Kogan. Der Forscher führte bei Facebook eine Umfrage durch, die als wissenschaftliche Persönlichkeitsforschung angemeldet worden war. Die Facebook-App mit der Umfrage ist laut Facebook rund 270.000 Mal heruntergeladen worden. Durch ihre Teilnahme erklärten sich die Nutzer damit einverstanden, dass Kogans Firma ihre Antworten und Daten bekommt. Zugleich bekam Kogan über die Schnittstellen von Facebook Zugang zu Profil-Grunddaten von den Freunden der Teilnehmer. Am Ende gab ein einzelner Nutzer auf diese Weise Zugriff auf die Daten von durchschnittlich 160 weiteren Nutzern.

Facebook beendet die Kooperation

Facebook hat die Kooperation mit der Analysefirma vorerst auf Eis gelegt. Das teilte Paul Grewal, der Anwalt von Facebook, am Freitag in einem Blogeintrag mit. Als Grund wurde eine Verletzung von Datenschutzbestimmungen genannt.
Angeblich wusste Facebook aber schon seit 2015 von den Aktivitäten von Cambridge Analytica. Das soziale Netzwerk verlangte daraufhin von allen Beteiligten, dass die gesammelten Daten unverzüglich zerstört werden. Aktuellen Recherchen der New York Times und des Observers zufolge wurden die Daten jedoch nicht gelöscht. Außerdem sich die Frage, ob Facebook seine Nutzer über die Zweckentfremdung ihrer Daten informieren hätte müssen.

Weitere Untersuchungen angekündigt

Ob Cambridge Analytica die gesammelten Daten tatsächlich auch nach dem Löschaufruf durch Facebook nutzte, soll eine weitere Untersuchung klären. Diese kündigte Facebook bereits an. Offizielle Stellungnahmen zu der Affäre gab es von Mark Zuckerberg oder Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg bislang noch nicht. Erste Konsequenzen wurden aus der Affäre aber schon gezogen: IT-Sicherheitschef Alex Stamos wird das Unternehmen verlassen.
Im US-Kongress wurden nach Bekanntwerden der Affäre bereits Diskussionen um strengere Auflagen für Facebook laut. So sprach sich Senator Mark Warner für eine stärkere Regulierung des Marktes für politische Werbung aus. Seine Kollegin Amy Klobuchar verlangte, dass Mark Zuckerberg vor dem Justizausschuss erscheint. In der Vergangenheit kamen in USA schon mehrfach Forderungen auf, Konzerne wie Facebook strenger zu regulieren. Auch das EU-Parlament will den Vorfall jetzt untersuchen.
Facebook gerät durch die Schlagzeilen zunehmend unter Druck. Auch Investoren scheinen alarmiert: Die Aktien von Facebook stürzten gestern an der Wall Street bereits zum Börsenstart ab. In der Spitze lag der Verlust des Papiers bei 8 Prozent.
Verfasst am 20.03.2018 um 09:00 Uhr
Veröffentlicht am 20.03.2018 um 10:10 Uhr
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter: https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise