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Fed hebt Leitzins leicht an · 22.03.2018 09:09 Uhr

Jerome Powell setzt auf Kontinuität

Notenbank in Washington, D.C.
Quelle: Thomas Barrat / Shutterstock.com
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Die Fed hat gestern, wie erwartet, den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch eine andere: Auch unter Jerome Powell bleibt die US-Notenbank berechenbar.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Die gestrige Zinserhöhung war keine große Überraschung. Mehr als 90 Prozent der im Vorfeld gefragten Analysten rechneten damit, dass der neue Fed-Chef Jerome Powell auf seiner ersten Pressekonferenz eine Anhebung des Leitzinses bekannt geben würde. Und offenbar war man sich auch im sogenannten Offenmarktausschuss (FOMC) einig, dass es Zeit für eine weitere Zinserhöhung sei. Der Beschluss fiel einstimmig. Entsprechend moderat fiel die Reaktion an den US-Börsen aus. Im Zuge der laufenden Pressekonferenz ging es für den Dow Jones zwar kurz sprunghaft nach oben, bis zum Handelsschluss bewegte sich dieser jedoch wieder in etwa auf dem Vortagesniveau. Der Euro konnte ebenfalls nur sehr moderat gegenüber dem US-Dollar zulegen. Die gestrige Zinserhöhung, das wurde gestern noch einmal deutlich, war bereits längst in den Märkten eingepreist.

Entscheidende Erkenntnis

Die entscheidende Erkenntnis des gestrigen Tages ist jedoch eine andere: Jerome Powell, das lässt sich spätestens seit gestern Abend festhalten, wird vorerst den Weg seiner Vorgängerin weitergehen. Für viele Marktteilnehmer ein äußerst positives Signal. Denn bereits Janet Yellen stand für eine gewisse Berechenbarkeit und Besonnenheit in ihrer Geldpolitik. Es sieht derzeit nicht danach aus, als würde sich dies unter Jerome Powell ändern.

Drei Zinsschritte für 2018 geplant

Wie bereits gestern angedeutet (Fed: Das Dilemma des Jerome Powell) stand gestern jedoch eine andere Frage im Mittelpunkt. Würde die Fed die „Zinszügel“ vielleicht fester anziehen als bislang angenommen? Wird es am Ende vielleicht sogar zu vier, statt wie bislang erwartet zu drei Zinsschritten im laufenden Jahr kommen? Danach sieht es zumindest aktuell nicht aus. Die Fed peilt für das laufende Jahr weiterhin insgesamt drei Zinsschritte an und erfüllt somit die Erwartungen vieler Marktteilnehmer. Für das kommende Jahr will die Fed die Zinsen erneut dreimal im Jahresverlauf erhöhen und im Jahr 2020 sollen immerhin noch zwei weitere Zinsschritte folgen. Sofern man von Zinserhöhungen im Bereich von 25 Basispunkten ausgeht, würde das bedeuten, dass der Leitzins in den USA bis Ende 2020 auf eine Spanne von 3,25 bis 3,50 Prozent angehoben würde. Möglich wird der halbwegs ambitionierte Zinsanstieg in den kommenden Jahren durch die aktuell sehr robuste US-Konjunktur, die offenbar weiter an Fahrt gewinnt. So rechnet die US-Notenbank mittlerweile mit einem BIP-Wachstum in Höhe von 2,7 Prozent im laufenden Jahr. Das sind immerhin gut 0,2 Prozentpunkte mehr, als bislang angenommen. Für 2019 rechnet man immer noch mit einem robusten Wachstum in Höhe von 2,4 Prozent. Erstaunlicherweise geht das robuste Wirtschaftswachstum mit einer durchaus moderaten Inflation einher. So rechnet die Fed weiterhin damit, dass sich der Teuerungsdruck im Zielkorridor von 2,0 Prozent in den kommenden Jahren einpendeln könnte. Doch es ist genau diese Inflationsrate die sich noch zum Damoklesschwert für die bislang eher vorsichtigen geldpolitischen Ziele der Fed entwickeln könnte.

Powell könnten zum Handeln gezwungen sein

Wie bereits an anderer Stelle angedeutet, läuft die US-Wirtschaft bereits jetzt auf Hochtouren (Fed: Das Dilemma des Jerome Powell). Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass die US-Wirtschaft weiterhin überproportional wachsen kann, meint auch Unicredit-Chefvolkswirt Harm Banholz gegenüber dem Handelsblatt:  „Zwei massive Steuer-Pakete erlauben es der Wirtschaft, über ihr Potential hinaus zu wachsen, auch wenn die Vollbeschäftigung schon erreicht ist“. Zum Problem könnte allerdings die Handelspolitik von Donald Trump werden. Denn wenn die unter Volllast laufende US-Wirtschaft weiter wachsen soll, so ist diese ab einem bestimmten Punkt verstärkt auf Importe angewiesen. Die Einführung von Schutzzöllen führt jedoch dazu, dass genau diese Importe, aber natürlich auch das Endprodukt zwangsläufig teurer werden. Es ist eine einfache Milchmädchenrechnung, doch genau diese Konstellation birgt die unmittelbare Gefahr einer deutlich ansteigenden Inflation in sich. Einer Inflation, die bereits sehr rasch über den eigentlich anvisierten Zielkorridor hinaus schießen könnte. Jerome Powell könnte also schon bald zum Handeln gezwungen sein.
 
Verfasst am 22.03.2018 um 09:00 Uhr
Veröffentlicht am 22.03.2018 um 09:09 Uhr.
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