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Marktbericht: update von 13:40 Uhr · 23.12.2017 13:40 Uhr

Massive Verluste an der Wall Street - DAX unter 12.000

Schockierter Händler
Quelle: g-stockstudio / Shutterstock.com
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Anleger weltweit fürchten sich zunehmend vor einer Eskalation des Handelskonflikts. Die USA will ein Maßnahmenpaket von bis zu 60 Milliarden US-Dollar gegen China verhängen. China reagierte ebenfalls mit einer Strafzollankündigung.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:25min, 23. März 2018, 10:24 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 23.03.2018 -
Weltweit zeigen sich Börsianer aufgrund der heftigen Handelsstreitigkeiten besorgt. Darunter leidet auch der deutsche Aktienmarkt. So gab der DAX bisher um 1,6 Prozent auf 11.911 Punkte nach und rutschte dabei auch unter die Marke von 12.000 Zählern. Am Donnerstag war das deutsche Börsenbarometer mit einem Abschlag von 1,7 Prozent aus dem Handel gegangen.
Gestern hatten die beschriebenen Sorgen bereits die US-Börsen erfasst und auf Talfahrt geschickt. Am Morgen gerieten dann die asiatischen Börsen unter Verkaufsdruck.
Während die Europäische Union eine vorläufige Befreiung von erhöhten US-Einfuhrzöllen auf Stahl und Aluminium nur wenige Stunden vor deren Inkrafttreten erreicht hatte, verschärften sich die Spannungen mit China:
Präsident Donald Trump kündigte ein Strafmaßnahmen-Paket gegen das Reich der Mitte im Volumen von etwa 60 Milliarden US-Dollar an.
Der Dow Jones Industrial sackte im späten Handel nochmal merklich ab und fiel erstmals seit sechs Wochen wieder unter die Marke von 24.000 Zählern. Letztlich verlor der US-Leitindex mehr als 700 Punkte oder 2,93 Prozent auf 23.957,89 Zähler. Dies war gleichzeitig der höchste Tagesverlust seit sechs Wochen.
Der breit gefasste S&P 500 sackte am Donnerstag um 2,52 Prozent auf 2.643,69 Zähler ab. Der technologielastige NASDAQ 100 büßte 2,50 Prozent auf 6.682,26 Punkte ein.
Trump warf China unfaire Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Er sagte, man sei mit China in Verhandlungen, schreite aber in der Zwischenzeit voran. Das Handelsdefizit mit China werde sich durch die Maßnahmen sofort um 100 Milliarden US-Dollar reduzieren. Die Zeiten seien vorbei, in denen China auf Kosten der USA wirtschafte.
Die parteinahe chinesische Zeitung "China Daily" hatte schon vor Trumps Ankündigung den Rest der Welt dazu aufgefordert, gegen die USA zusammenzustehen. "Da die Vereinigten Staaten ihren Kurs nicht zu korrigieren scheinen, sollten andere Länder aufhören zu hoffen, dass ihnen protektionistische Schüsse (durch die USA) erspart bleiben", schrieb sie.
Als Reaktion auf die milliardenschweren Strafzölle hat China die USA vor Vergeltung gewarnt und eigene Strafen angekündigt. Geplant seien Zölle im Umfang von drei Milliarden US-Dollar, wie das Pekinger Handelsministerium heute mitteilte.
Auf US-Schweinefleisch könnte demnach ein Einfuhrzoll in Höhe von 25 Prozent erhoben werden. Für Stahlrohre, Früchte und Wein wurden Zölle in Höhe von 15 Prozent ins Spiel gebracht.
Insgesamt habe China eine Liste von 128 US-Produkten erstellt, auf die Zölle erhoben werden könnten. Das Handelsministerium rief die USA dazu auf, den Konflikt noch durch Gespräche zu lösen, um "einen Schaden für die gegenseitigen Beziehungen zu verhindern". China werde sich jedoch "nicht einfach zurücklehnen und seine "legitimen Interessen verteidigen", hieß es.
Experten werteten den zunächst verhältnismäßig geringen Umfang der von Peking geplanten Strafen als Zeichen, dass es China nicht unmittelbar auf eine Eskalation ankommen lassen will. Dennoch rücke nun ein ausgewachsener Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften näher.
China wolle die Atmosphäre für Gespräche mit den USA nicht belasten, weshalb der "Gegenangriff zurückhaltend und vernünftig ausfiel", sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou. Scheiterten aber die Verhandlungen in den nächsten Wochen, seien weitere Strafen wahrscheinlich. "Wenn die USA neue Sanktionen gegen China verhängen sollten, muss China umfassendere Vergeltungsmaßnahmen ankündigen."
Denkbar seien etwa Zölle auf weitere US-Agrarprodukte wie Sojabohnen. Davon wären vor allem Landwirte betroffen, von denen viele als Trump-Unterstützer gelten. Auch könnten die Chinesen den US-Flugzeugbauer Boeing ins Visier nehmen und künftig mehr Aufträge an den europäischen Konkurrenten Airbus vergeben.
Als Reaktion auf die wirtschaftliche Abschottung der USA unter Donald Trump hatte sich Chinas Führung zuletzt immer wieder als Vorkämpfer für den Freihandel inszeniert und betont, dass es einen "Handelskrieg" verhindern wolle. Bereits vor Wochen hatte Chinas Präsident Xi Jinping seinen wichtigsten Wirtschaftsberater Liu He zu Verhandlung nach Washington geschickt, der aber im Weißen Haus kein Gehör fand.
Derzeit gelten in China im Durchschnitt deutlich höhere Zölle als in Europa und den USA, wo die Handelsschranken bislang im Vergleich noch am niedrigsten sind. Auch machen ausländische Unternehmen immer wieder ihrem Ärger über den unfairen Wettbewerb in der Volksrepublik Luft.
Der Datenskandal bei Facebook scheint an der Börse auch noch nicht ausgestanden zu sein: Der Kurs der Internet-Kontaktplattform gab nach einer Stabilisierung am Vortag um weitere 2,7 Prozent nach. Damit summiert sich das Kursminus in dieser Woche bereits auf rund elf Prozent. Konzernchef Mark Zuckerberg hatte am Mittwoch Fehler eingestanden und Besserung gelobt.
Doch für die Politik ist der Fall damit noch lange nicht abgeschlossen: Sie fordert immer lauter eine schärfere Aufsicht und härtere Strafen für Online-Plattformen.
Pfizer-Anteilscheine verloren 1,9 Prozent. Der Pharmakonzern hat offenbar Probleme, sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten loszuwerden. Am späten Mittwochabend hatte der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser mitgeteilt, entsprechende Gespräche beendet zu haben. Vor Wochen hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Reckitt sei neben dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline einziger Bieter für die Pfizer-Sparte gewesen.

Sorge vor Handelskrieg treibt Goldpreis

Der Goldpreis ist am Freitag wegen der Sorge vor einem globalen Handelskrieg kräftig gestiegen. Am Morgen wurde eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) bei 1.343,27 US-Dollar gehandelt. Das ist etwa ein Prozent mehr als am Vortag. Damit liegt das Edelmetall auf dem höchsten Niveau seit mehr als vier Wochen.
Das alles beherrschende Thema an den Finanzmärkten sind die neuen milliardenschweren Strafzölle der USA gegen Waren aus China. Die Führung in Peking hatte umgehend mitteilen lassen, mit Handelsstrafen gegen Washington zu antworten.
Die jüngste Entwicklung verstärkte die Sorge vor einem Handelskrieg. Viele Anleger suchen nun offenbar "sichere Häfen".

US-Steuerreform brockt Nike Quartalsverlust ein

Eine hohe Abschreibung wegen der US-Steuerreform hat Nike im vergangenen Geschäftsquartal tief in die roten Zahlen gerissen. Im laufenden Geschäft schlug sich der Sportartikelriese aber besser als erwartet.
Der Adidas-Rivale meldete am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen Verlust in Höhe von 921 Millionen US-Dollar (rund 748 Mio. Euro) für die drei Monate bis Ende Februar. Im Vorjahreszeitraum hatte Nike noch 1,1 Milliarden US-Dollar verdient. Der starke Rückgang ist einer zwei Milliarden US-Dollar schweren Sonderlast aufgrund der neuen US-Steuergesetze geschuldet. Durch die Reform sinken zwar die Unternehmenssteuern kräftig, allerdings fallen zunächst mitunter hohe Einmalkosten in der Bilanz an.
Im Tagesgeschäft lief es zuletzt jedoch überraschend gut für Nike. Die Erlöse kletterten insbesondere dank einer starken Nachfrage im Ausland - vor allem in China - um knapp sieben Prozent auf 9,0 Milliarden Dollar.
Im US-Heimatmarkt, wo Konkurrent Adidas immer mehr Marktanteile gewinnt, tut sich Nike jedoch weiter schwer. Insgesamt gab es in Nordamerika ein Umsatzminus von sechs Prozent.
Anleger reagierten dennoch zunächst erfreut. So legte der Aktienkurs nachbörslich um mehr als sechs Prozent zu.

Gewinn bei Deutsche Wohnen weiter gestiegen

Eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum in Ballungszentren hat dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ein deutliches Gewinnplus beschert.
2017 verbesserte sich das operative Ergebnis um knapp 13 Prozent auf 432 Millionen Euro. Im laufenden Jahr peilt der Konkurrent von Vonovia, LEG Immobilien und TAG Immobilien ein operatives Ergebnis von rund 470 Millionen Euro an. Unter dem Strich blieben im vergangenen Jahr knapp 1,8 Milliarden Euro hängen, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Hier profitierte Deutsche Wohnen neben einem höheren Betriebsergebnis auch von der Wertsteigerung seiner Immobilien.
Die Dividende soll um acht Prozent auf 0,80 Euro je Aktie steigen.
Die Deutsche Wohnen vermietet bundesweit mehr als 160.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Zum Portfolio gehören auch Pflegeheime. Die meisten Objekte des Immobilienkonzerns liegen in Ballungszentren, wo es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt. Erstellt am 23.03.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 23.03.2018, um 13:40 Uhr. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter: https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise