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Gold als sicherer Hafen gefragt · 26.03.2018 12:10 Uhr

Brentöl erstmals seit Ende Januar wieder bei über 70 US-Dollar

Analyse
Quelle: everything possible / Shutterstock.com
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Die Ölpreise legten vergangenen Freitag deutlich zu und auch Gold ist derzeit in dem von höherer Risikoaversion geprägten Marktumfeld stark gefragt. Die Sorgen über einen Handelskrieg belasten allerdings die Industriemetallpreise.

- Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
Energie: Die Ölpreise legten am Freitag nochmals deutlich zu und beschlossen die Woche mit den größten Wochengewinnen seit Juli 2017. Brent verteuerte sich im Wochenvergleich um mehr als 6% und überwand erstmals seit Ende Januar wieder 70 USD je Barrel. Auch zu Beginn der neuen Handelswoche behauptet sich Brent oberhalb dieser Marke. Die spekulativen Finanzanleger haben schon vor dem kräftigen Preisanstieg in der letzten Woche damit begonnen, ihre Netto-Long-Positionen wieder aufzubauen. Bei Brent stiegen sie in der Woche bis 20. März um 21,1 Tsd. Kontrakte, bei WTI um 31,2 Tsd. Kontrakte. Damit nähern sie sich wieder ihren jeweiligen Rekordniveaus. Im Zuge des starken Preisanstiegs nach dem Stichtag dürften die Netto-Long-Positionen nochmals ausgeweitet worden sein. Die Gefahr eines Handelskrieges zwischen den USA und China, die auf den Preisen für Industriemetalle lastet (siehe Seite 2), wird am Ölmarkt vollkommen ausgeblendet. Dies muss nicht so bleiben, schließlich sind diese beiden Länder die beiden weltgrößten Ölkonsumenten und Ölimporteure. Auch die weiter steigende US-Ölproduktion ist bei den Marktteilnehmern momentan etwas aus dem Fokus geraten. Laut Zahlen von Baker Hughes stieg die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA in der letzten Woche um weitere vier auf 804 und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Das Augenmerk ist stattdessen stärker auf tatsächliche bzw. drohende Angebotsausfälle gerichtet (siehe auch Rohstoffe kompakt: Höherer Ölpreis kaum von Dauer vom 23. März).

Gold gut gefragt

Edelmetalle: Gold ist im aktuellen, von höherer Risikoaversion geprägten Marktumfeld gut gefragt und steigt heute Morgen kurzzeitig auf 1.350 USD je Feinunze. In Euro gerechnet kostet Gold rund 1.090 EUR je Feinunze. Im Fahrwasser von Gold hat sich Silber auf 16,6 USD je Feinunze erholt. Sorgen über einen möglichen Handelskrieg zwischen den USA und China machen Gold als sicheren Hafen attraktiv. Dies dürften die spekulativen Finanzanleger wohl genauso sehen, auch wenn sie sich zuletzt bei Gold weiter zurückgezogen haben. Laut CFTC-Statistik wurden die Netto-Long-Positionen in der Woche zum 20. März auf 111,8 Tsd. Kontrakte reduziert. Bei Silber ist der Pessimismus der Spekulanten noch deutlich ausgeprägter. Hier wurden die Netto-Short-Positionen in der letzten Beobachtungsperiode auf ein Rekordhoch von 35,8 Tsd. Kontrakte mehr als verdoppelt, was den Anstieg des Gold/Silber-Verhältnisses auf 81 erklären kann. Allerdings haben sich die Gold- und Silberpreise nach der Fed-Sitzung letzte Woche deutlich erholt, was aber in der aktuellen Statistik noch nicht erfasst ist. Daher dürfte sich die Positionierung der spekulativen Finanzinvestoren mittlerweile wieder geändert haben. Bei Platin und Palladium wurden die Netto-Long-Positionen in der Woche zum 20. März moderat abgebaut. Dafür, dass sie bei Palladium mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit November 2016 liegen, hat sich der Preis mit rund 980 USD je Feinunze aber gut gehalten. Vor knapp 1½ Jahren kostete Palladium lediglich 700 USD.
Industriemetalle: Schwache Aktienmärkte, die die Sorgen der Marktteilnehmer über einen Handelskrieg und davon ausgehend mögliche negative Effekte auf die Weltwirtschaft ausdrücken, lasten auch zu Wochenbeginn auf den Industriemetallpreisen. Diese geben daher in der Breite weiter nach. Kupfer hat sich heute Morgen bereits kurzzeitig der Marke von 6.500 USD je Tonne genähert. Am Freitag wurde die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie nach unten durchbrochen, was offenbar zu technischen Anschlussverkäufen führt. In Shanghai fällt der meistgehandelte Futures-Kontrakt von Kupfer (Fälligkeit Mai) deutlich unter die Marke von 50.000 CNY je Tonne auf ein 8-Monatstief. Aluminium kostet 2.050 USD je Tonne und ist damit jetzt rund 250 USD billiger als zu Jahresbeginn. Aus charttechnischer Sicht gilt bei Aluminium dasselbe wie bei Kupfer. Auch bei den meisten anderen Metallen sehen wir aus charttechnischer Sicht Konsolidierungsbedarf. Die spekulativen Finanzinvestoren haben sich laut CFTC-Statistik in der Woche zum 20. März bei Kupfer weiter zurückgezogen und somit wohl zum Preisrückgang beigetragen. An der Comex in New York wurden die Netto-Long-Positionen bereits die vierte Woche in Folge auf jetzt 18,7 Tsd. Kontrakte reduziert, der niedrigste Stand seit Oktober 2016. Die LME dürfte morgen ebenfalls einen Rückzug der spekulativen Finanzanleger zeigen. In der Vergangenheit haben Spekulanten oftmals Preistrends verstärkt oder verlängert.
 
Erhalten von der Commerzbank am 26.03.2018 um 11:34 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 26.03.2018 um 12:10 Uhr.
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