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Marktbericht: update von 16:15 Uhr · 27.12.2017 16:15 Uhr

Hoffnung auf Entspannung des Handelsstreits: DAX legt zu

Steven Mnuchin
Quelle: mark reinstein / Shutterstock.com
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Nach Äußerungen des US-Finanzministers Steven Mnuchin schöpfen die Börsianer neuen Mut, dass eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China vermieden werden könne. So erholten sich schon die Kurse in den USA und Asien.

NEWS AUS DEM HANDEL 2:40min, 27. März 2018, 11:10 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 27.03.2018 -
Am deutschen Aktienmarkt haben Anleger heute wieder Mut gefasst. Die Sorgen um eine Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China ebben etwas ab. Der DAX sprang zeitweise wieder über die runde Marke von 12.000 Punkten, liegt aktuell aber bei 11.931 Zählern nur noch mit 1,2 Prozent im Plus.
Am Montag war der deutsche Leitindex noch auf 11.729 Punkte und damit den tiefsten Stand seit Februar 2017 abgerutscht.
US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte sich zuletzt aber "vorsichtig hoffnungsvoll" geäußert, dass man sich im Streit um Strafzölle einigen könnte.
Auch in Asien verzeichneten die Aktienmärkte breite Gewinne. Nachdem die Börsenbarometer in Fernost in der vergangenen Woche inmitten von Ängsten vor einem eskalierenden Handelsstreit rasant gefallen waren, rücken die Sorgen jetzt offenbar in den Hintergrund.
Japans Leitindex NIKKEI 225 legte bis Handelsschluss um 2,7 Prozent auf 21.317 Punkte zu. Der TOPIX und der NIKKEI 400 als weitere japanische Indizes verzeichneten ähnlich starke Anstiege. Dies dürfte auch mit dem zuöetzt schwächer tendierenden Yen zu tun haben, der nach Verlusten vom Montag auch am Dienstag abgab.
Andere asiatische Börsen gewannen ebenfalls, aber weniger stark als in Japan. Chinas Leitindex CSI 300 schloss 0,9 Prozent fester. Die technologieorientierte Börse in Schenzen legte um 2,1 Prozent zu. Hongkongs wichtigstes Börsenbarometer Hang Seng liegt bei einem Plus von 0,8 Prozent.

Spekulationen um Chefwechsel bei der Deutschen Bank

Die krisengeschüttelte Deutsche Bank soll einem Zeitungsbericht zufolge einen Nachfolger für ihren Vorstandsvorsitzenden John Cryan suchen. In Betracht kämen demnach wohl auch Kandidaten aus dem Ausland.
Streitigkeiten zwischen dem Briten John Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner über die Zukunft der Bank und ihre zuletzt schlechte Entwicklung drohten zu eskalieren, schrieb ein Redakteur der britischen Zeitung "The Times".
"Es ist recht klar, dass die Beziehung zwischen dem Vorstandsvorsitzendem und dem Aufsichtsratsvorsitzendem zerbrochen ist", zitiert das Blatt eine Person, die darüber informiert sein soll. Einen harten Schlagabtausch über die Zukunft der Bank soll sich John Cryan laut einer Quelle der "Times" auch mit CFO James von Moltke liefern. Der Vertrag von Cryan läuft bis 2020.
Bei der Deutschen Bank wollte sich zu dem Personalthema zunächst niemand äußern. Das Geldhaus habe sich an eine der Spitzenführungskräfte von Goldman Sachs gewandt, um Cryan nach weniger als zwei Jahren als CEO zu ersetzen, schrieb die Zeitung. Ausgelotet worden sei Richard Gnodde, Vize-Chairmam von Goldman Sachs und oberster Manager der Wall-Street-Bank außerhalb der USA. Gnodde soll das Angebot abgelehnt haben. Als weitere in Betracht gezogene Kandidaten wurden Jean Pierre Mustier, CEO von Unicredit, und Bill Winters, CEO von Standard Chartered, genannt.
Ein der Bank nahestehender Informant sagte laut dem Blatt, dass man außerhalb der eigenen Reihen nach einem Ersatz für Cyran suchen müsse, denn intern gebe es "niemanden, der so gut ist wie John". Ein ehemaliger Insider sagte jedoch, dass Marcus Schenck, Co-Head des Corporate and Investment Banking, intern als starker Kandidat angesehen würde.
Die Deutsche Bank hatte 2017 zum dritten Mal in Folge einen Jahresverlust geschrieben. Vor wenigen Tagen lieferte ihre Vermögensverwaltungstochter DWS ein enttäuschendes Börsendebüt.

Südzucker sacken auf niedrigsten Kurs seit mehr als zwei Jahren

Mehrere negative Kommentare von Analysten haben die Aktien von Südzucker am Dienstag auf den niedrigsten Kurs seit mehr als zwei Jahren gedrückt. Sie büßten 8,1 Prozent ein und weiteten damit den Verlust vom Vortag in Höhe von 4,4 Prozent noch erheblich aus. Gestern hatte das Unternehmen mit Prognosen für das Geschäftsjahr 2018/2019 die Anleger enttäuscht. Der von Südzucker in Aussicht gestellte operative Gewinn von 100 bis 200 Millionen Euro weiche ganz erheblich von der Markterwartung von mehr als 400 Millionen ab, schrieb Christian Bruns von Equinet.
Am Montag waren die jüngst in den SDAX abgestiegenen Aktien aus einer monatelangen Handelsspanne zwischen 14,50 und 15,50 Euro nach unten herausgefallen. Damit haben sich die Papiere nun auch vom Londoner Zuckerpreis abgekoppelt, der sich zuletzt um die Marke von 360 US-Dollar auf niedrigem Niveau stabilisiert hatte.

Nordex hofft auf Ende der Flaute im deutschen Windgeschäft ab 2020

Der Windturbinenbauer Nordex hat seinen Aktionären für 2020 ein Ende der jüngsten Flaute in Aussicht gestellt. Ab da erwarte er eine Erholung des wichtigen deutschen Marktes, sagte Konzernchef José Luis Blanco heute bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Die Jahre davor sieht er als "Übergangsjahre". Vor allem 2018 werde "nicht einfach". Der Manager erwartet im laufenden Jahr wegen des harten Preiskampfes daher erneut deutlich weniger Umsatz und Profitabilität. Unter dem Strich dürfte sogar ein Verlust stehen.
Bei den Anlegern keimte offenbar nur kurz neue Zuversicht. Die Aktie legte zeitweise um mehr als sieben Prozent auf 8,58 Euro zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im TecDAX. Mittlerweile notiert das Papier allerdings bei 7,85 Euro mit 1,3 Prozent im Minus.
Zwar werden immer mehr Windräder installiert, doch bringen diese weniger ein als früher. Grund ist der Wechsel von den festen Einspeisetarifen hin zu Auktionen. Europaweit finden Ausschreibungen für neue Anlagen mittlerweile überwiegend über eine Auktion statt, was die Preise nach unten drückt. Als einer der letzten großen europäischen Märkte hat auch Frankreich im Dezember auf ein Auktionsmodell umgestellt. Die Windanlagenbauer leiden daher unter einem harten Konkurrenzkampf. Dies gilt vor allem für die Windenergie an Land, da der Markt zunehmend gesättigt ist und Subventionen heruntergefahren werden. Als besonders schwierig gilt der deutsche Markt. Hier war durch das 2017 eingeführte Auktionssystem die Nachfrage nach Windanlagen nahezu zusammengebrochen. So erhielten bei den letztjährigen Auktionen sogenannte Bürgerwindparks den Zuschlag für fast das gesamte Volumen. Diese haben jedoch eine längere Realisierungsfrist als etwa professionelle Energieunternehmen, nämlich viereinhalb Jahre. Nordex, stark in Deutschland engagiert, sieht daher Aufträge durch diese Bürgerwindparks erst deutlich später.
Die Gesellschaft aus Hamburg hatte es im vergangenen Jahr mit 0,3 Millionen Euro nur knapp in die Gewinnzone geschafft - nach einem Nettoergebnis von gut 95 Millionen Euro im Vorjahr. Umsatz und operatives Ergebnis (Ebitda) nahmen deutlich ab, obwohl Nordex mehr Turbinen installierte als ein Jahr zuvor.
Dieser Trend dürfte sich zunächst fortsetzen: 2018 sollen die Erlöse von rund 3,1 Milliarden Euro auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro sinken. Für das deutsche Geschäft erwartet Nordex einen nochmaligen Umsatzrückgang von rund 600 Millionen Euro. Die operative Marge (Ebitda) des Konzerns dürfte von bereinigt 7,9 Prozent auf 4 bis 5 Prozent zurückgehen.
Nordex erzielte 2017 Aufträge von 2,2 Milliarden Euro, rund ein Drittel weniger als im Vorjahr, was vor allem an dem schwachen deutschen Markt lag. Rund 90 Prozent der Aufträge kamen aus den internationalen Märkten.
Für 2018 verspricht sich das Management durch im vergangenen Jahr eingeführte neue Modelle Rückenwind für den Auftragseingang. Um sich unabhängiger vom deutschen Markt zu machen, will der Konzern seine weltweite Präsenz ausbauen und den Umsatz in Wachstumsmärkten steigern. So schreibt Blanco etwa Brasilien und Indien ein hohes Potenzial zu. Zudem wolle er den Umsatz mit Dienstleistungen, welcher derzeit nur einen Bruchteil der Gesamterlöse ausmacht, ankurbeln.
Gleichzeitig sollen die Kosten runter. Mit dem derzeit laufenden Sparprogramm will der Konzern seine Ausgaben ab diesem Jahr um 45 Millionen Euro senken.
 
Erstellt am 27.03.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 27.03.2018, um 16:15 Uhr.
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