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Wann kommt die Zinswende? · 29.03.2018 08:58 Uhr

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Schwalbe
Quelle: Alexey Lesik / Shutterstock.com
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Immer mehr deutet darauf hin, dass bald die europäische Zinswende kommt. Dennoch hat der Euro gegenüber dem Dollar an Boden verloren. Bei den Bundes- und Staatsanleihen treiben die handelspolitischen Turbulenzen Investoren in sichere Häfen.

- von Gian Hessami -
Die Zinswende kommt – die Frage ist nur wann. Immer mehr deutet darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im kommenden Jahr Ernst macht. „Die Märkte sehen eine erste Zinsanhebung etwa zur Mitte des Jahres 2019, was wohl nicht ganz unrealistisch ist“, meinte jedenfalls Bundesbank-Präsident Jens Weidmann diese Woche. Und wenn dieser Mann das sagt, dann hat es Gewicht. Schließlich wird er als Nachfolger des amtierenden EZB-Chefs Mario Draghi gehandelt. Weidmann weiter: „Eine solche Normalisierung wird überdies der Geldpolitik wieder mehr Spielraum verschaffen, um auf etwaige künftige konjunkturelle Einbrüche zu reagieren. Denn ewig fortdauern wird auch der aktuelle Aufschwung nicht.“
Eine Schwalbe macht jedoch noch keinen Sommer. Jedenfalls sorgte das Statement des Bundesbank-Präsidenten nicht gerade für eine Euro-Rally. Im Gegenteil: Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar an Boden verloren. Die europäische Gemeinschaftswährung rutschte innerhalb von zwei Tagen von 1,245 auf 1,231 Dollar ab. Der Greenback profitierte von günstigen Wachstumszahlen. Im Euroraum hingegen zeigt sich ein etwas anderes Bild. Wirtschaftliche Frühindikatoren lassen vermuten, dass der Währungsraum den Höhepunkt seines konjunkturellen Aufschwungs hinter sich haben könnte. Experten rechnen aber nicht mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums in der Eurozone.
 

Bundes-/Staatsanleihen

Die handelspolitischen Turbulenzen zwischen den USA und China sowie die Preiseinbrüche der Technologieaktien an der Wall Street treiben viele Investoren in sichere Häfen. Die Folge: Die Renditen von Anleihen bonitätsstarker Staaten gaben leicht nach. Zehnjähriger US-Staatsanleihen sanken auf rund 2,8 Prozent. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen fielen erstmals seit Jahresbeginn vorübergehend unter die 0,5-Prozent-Marke. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future, der die Entwicklung zehnjähriger deutscher Bundesanleihen widerspiegelt, stieg im Gegenzug auf 159,18 Punkte. Glaubt man den Prognosen der Finanzmarkt-Experten, sieht es mittelfristig jedoch wieder ganz anders aus. Laut der jüngsten Umfrage des Informationsdienstes Bloomberg dürften demnach zehnjährige Bundesanleihen am Jahresende bei einem Prozent rentieren. Für zehnjährige US-Staatsanleihen sollen es knapp 3,2 Prozent werden. Der prognostizierte Renditeanstieg bei den US-Papieren liegt auch daran, dass die USA angesichts ihrer Steuerreform Einnahmeausfälle kompensieren müssen und deshalb mehr Schulden machen. Und dies geht am besten über Staatsanleihen.
Verfasst am 29.03.2018 um 08:45 Uhr
Veröffentlicht am 29.03.2018 um 08:58 Uhr
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