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Börsengang von Spotify · 04.04.2018 08:50 Uhr

Spotify: Ein ungewöhnliches Börsendebüt

Spotify
Quelle: David M G / Shutterstock.com
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Mit Spotify ging gestern ein weiterer Tech-Riese an die Börse – und zwar über den ungewöhnlichen Weg eines Direktlistings. Trotz des denkbar schlechten Timings war der Börsenstart – wider Erwarten – ein voller Erfolg.

- verfasst von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
Der nächste große Börsengang in der Tech-Branche ist vollbracht: Seit dem 3. April sind die Aktien der schwedischen Firma Spotify unter dem Kürzel "SPOT" an der New York Stock Exchange (NYSE) handelbar. Der Börsengang sorgte bereits im Vorfeld für Aufsehen, denn der Musik-Streamingdienst hat dafür keinen klassischen IPO gewählt, sondern den ungewöhnlichen Weg eines Direktlistings.
In der Regel laufen Börsengänge mit einem Bookbuilding-Verfahren, bei dem eine Preisspanne angeboten wird. Bei einem Direktlisting entfällt dieses Preisbildungsverfahren. Auch die ansonsten im Vorfeld übliche Aktienzuteilung an neue Investoren findet nicht statt. Spotify gab also keine neuen Aktien aus, sondern brachte lediglich bestehende Anteile in den Umlauf. Im Vorfeld wusste somit auch niemand, wie viele Aktien ausgegeben werden. Beim Direktlisting entscheiden am Tag der Erstnotierung Kauf- und Verkaufsangebote über den Startpreis der Aktie.

Günstiger Weg an die Börse

MÄRKTE & MACHER 0:00min, 01. März 2018, 14:48 Uhr
Für Spotify-Gründer Daniel Ek stand fest, dass der Börsengang keine große Sache werden sollte. Das traditionelle Modell, ein Unternehmen an die Börse zu bringen, passe nicht zu dem Tech-Konzern. Kurzum: Keine Börsenglocke, keine Party.
Ein Direktlisting ist wesentlich unkomplizierter und billiger als ein klassischer Börsengang und es erleichtert Gründern und Investoren, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten. Nach Schätzungen von Experten wird der Börsengang das Startup 35 bis 40 Millionen Euro kosten. Der Nachteil des Direktlisting ist jedoch, dass Spotify kein frisches Kapital einsammeln und der Aktienkurs extremen Schwankungen ausgesetzt sein kann.
Spotify ist der weltweit erfolgreichste Musik-Streamingdienst mit 159 Millionen aktiven Nutzern, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Trotzdem hat der schwedische Tech-Konzern seit seiner Gründung vor 12 Jahren noch nie Gewinne erzielt. Auch zum Börsenstart schreibt Spotify rote Zahlen: Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz im Jahresvergleich zwar um fast 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gesteigert werden, zeitgleich stieg allerdings der Verlust von 539 Millionen auf 1,2 Milliarden. Dennoch will Spotify auch in Zukunft weiter auf Wachstum statt auf Gewinne setzen. Vieles hängt für das Unternehmen künftig davon ab, ob neben einem weiteren Wachstum der zahlenden Kundschaft neue Erlösquellen aufgetan werden können. Durch den Börsengang könnte jetzt vor allem CEO Daniel Ek Kasse machen. Denn er hält 25,7 Prozent der Anteile an seinem Unternehmen.

Trotz schwierigem Marktumfeld: Start geglückt

Angesichts des derzeit schwierigen Marktumfeldes war der Zeitpunkt für den Börsengang alles andere als optimal gewählt: Die Börsen standen in den letzten Tagen durch den drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China stark unter Druck. Unter die Räder kamen dabei insbesondere die Tech-Werte. Facebook leidet zudem unter dem Datenskandal, Amazon hat mit der verbalen Attacke von US-Präsident Donald Trump zu kämpfen.
Es dürfte spannend werden, ob sich der Börsenneuling dieser schlechten Stimmung entziehen kann. Der Börsenstart verlief trotzdem erstaunlich gut: Der Eröffnungskurs lag bei 165,90 Dollar, womit die Aktie schon 26 Prozent über dem von der NYSE gesetzten Referenzkurs von 132 Dollar startete. Im Verlauf des Handelstages stieg der Kurs sogar auf 169 Dollar. Mit einem Schlag war der Musik-Streamingdienst damit knapp 30 Milliarden Dollar wert - Analysten hatten dem Unternehmen trotz chronischer Verluste nur eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar zugetraut. Der Kurs lag zum Handelsschluss zwar nur noch bei 149,01 Dollar, trotzdem werden die Aktien noch höher gehandelt als bei privaten Transaktionen vor dem Börsengang. Damit schaffte Spotify die wertvollste jemals erreichte Direktplatzierung.
Gerade weil das Marktumfeld derzeit schwierig ist, warnten einige Marktteilnehmer davor, den ersten Handelstag überzubewerten. Auch Ek wollte keine zu hohen Erwartungen wecken. "Ich habe keine Zweifel daran, dass es Aufs und Abs geben wird", schrieb er im Unternehmensblog. "Manchmal sind wir erfolgreich, manchmal straucheln wir."
Verfasst am 03.04.2018 um 09:40 Uhr
Aktualisiert am 04.04.2018 um 08:50 Uhr
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