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Handelsstreit belastet die Märkte · 03.04.2018 10:45 Uhr

Selbst schuld

US-Dollar-Noten auf einem Chart
Quelle: Powerphotos/Shutterstock
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Der zu eskalieren drohende Handelsstreit zwischen den USA und China lastet im frühen asiatischen Handel spürbar auf der Stimmung an den Märkten. Durch die jüngsten Entwicklungen wird vor allem der Fortbestand der WTO bedroht.

- Gastbeitrag von Thu Lan Nguyen (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
USD: Die chinesische Regierung hat wie angedroht auf die Strafzölle der USA auf Stahl- und Aluminiumimporte reagiert und nun ihrerseits Strafzölle auf einzelne US-Produkte eingeführt (siehe unten). Der zu eskalieren drohende Handelsstreit zwischen zwei der größten Nationen der Welt lastet im frühen asiatischen Handel spürbar auf der Stimmung an den Märkten. Nun wird vielfach darauf hingewiesen, dass die chinesischen Einfuhrzölle auf US-Importe im Wert von gerade einmal 3 Mrd. USD abzielen, womit sie keine größere wirtschaftliche Belastung darstellen. Doch die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle machen mir tatsächlich weniger Sorgen. Meine Sorgen drehen sich eher um den Fortbestand der World Trade Organization (WTO), der zweifellos durch die jüngsten Entwicklungen bedroht wird. Schließlich ist es die Aufgabe der WTO, die Handelspolitik seiner Mitgliedsstaaten zu koordinieren und bei Streitfällen zu schlichten. Bisher wird die internationale Organisation bei dem Handelsdisput allerdings eher außen vorgelassen. Begründet wurde die WTO aber eben genau um Handelsbarrieren, die der globalen Wirtschaft deutlichen Schaden zugefügt hatten, zu reduzieren. Die Belastung für die Märkte liegt also nicht in den Zöllen an sich, sondern in dem, was sie repräsentieren könnten: Ein Bruch des globalen Handelssystems.

Franken schwächelt gegenüber japanischem Yen

JPY, CHF: Ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) die letzte Taube unter den G10-Notenbanken? Zumindest die Performance des Schweizer Franken spricht dafür, dass viele Marktteilnehmer dieser Ansicht sind. Denn im Vergleich zum japanischen Yen hat der Franken zuletzt doch deutlich geschwächelt. Und dabei wurde die Bank of Japan (BoJ) doch lange als expansivste Notenbank gehandelt, worunter der Yen wiederum zu leiden hatte. Ich befürchte allerdings, dass die jüngste JPY-Stärke der BoJ nicht unbedingt willkommen ist. Schließlich dämpft die starke Währung den Preisauftrieb und verhindert damit einen Anstieg der Inflationsrate in Richtung des 2%-Ziels der Notenbank. Aktuell liegt die von der BoJ bevorzugte Kerninflationsrate gerade einmal bei 0,5%. Zugebenermaßen, mein Mitleid hält sich in Grenzen. Schließlich ist die BoJ meiner Ansicht nach selbst schuld an dieser Misere. Denn der JPY hat zuletzt auch deswegen so deutlich aufgewertet, weil die Notenbanker – allen voran BoJ-Chef Haruhiko Kuroda – eine Straffung ihrer Geldpolitik in Aussicht gestellt haben. Erst bei der letzten BoJ-Sitzung hatte Kuroda erneut eine Erhöhung des Renditeziels, noch bevor die Inflation das Ziel erreiche, nicht ausgeschlossen. Nun mag es sein, dass die Äußerungen missverständlich waren und die BoJ keinesfalls einen solchen Schritt in nächster Zeit plant (wovon wir ausgehen) Doch die Unsicherheit über Kurodas Worte tragen dazu bei, dass immer wieder Spekulationen über einen Ausstieg der BoJ aus ihrer expansiven Geldpolitik aufkommen und den JPY stärken. Im Gegensatz dazu hat die SNB in ihrer letzten geldpolitischen Sitzung keinerlei Hinweise auf eine baldige Normalisierung ihrer Geldpolitik gegeben.
Letztlich könnte der Markt mit seiner Einschätzung aber falsch liegen. So können wir uns vorstellen, dass die SNB sogar noch vor der BoJ ihre geldpolitischen Zügel anziehen wird. Immerhin erfüllen die Schweizer Notenbanker ihr Inflationsziel von 0-2% mit einer Teuerungsrate von zuletzt 0,6% prinzipiell bereits. Der Unterschied ist aber, dass die SNB explizit eine erneute starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro verhindern möchte und solange diese Gefahr besteht, sie deswegen von einer Straffung ihrer Geldpolitik absieht. Das heißt aber auch, dass sich ihre weitere Vorgehensweise in erster Linie an der EZB ausrichtet. Sobald die EZB damit beginnt, ihre Zinsen zu erhöhen, dürfte auch die SNB sich ermutigt fühlen, ihrerseits die Zinsen zu erhöhen, ohne eine stärkere Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro zu riskieren. Da sich eine erste Zinserhöhung der EZB für das kommende Jahr abzeichnet, stehen die Chancen gut, dass auch die SNB dann langsam damit beginnt, mit einem Ausstieg zu liebäugeln.
Erhalten von der Commerzbank am 03.04.2018 um 09:43 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 03.04.2018 um 10:45 Uhr.
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