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Auge um Auge · 05.04.2018 09:38 Uhr

USA vs. China: Eskaliert der Handelsstreit?

Xi Jinping and Donald Trump Illustration,Vector
Quelle: pantid 123/Shutterstock
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Der Handelsstreit zwischen den USA und China geht in die nächste Runde. Nachdem die USA am Dienstagabend eine vorläufige Liste mit chinesischen Importwaren vorlegte die künftig besteuert werden sollen, schlug China zurück.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Die Revanche ließ diesmal nicht lange auf sich warten. Nur wenig Stunden nachdem die USA eine vorläufige Liste mit zu besteuernden chinesischen Importwaren vorgelegt, folgte die Antwort aus Peking. Sollte die USA tatsächlich weitere 1.300 chinesische Produkte (so viele sind es auf der vorläufigen Liste) mit einem Strafzoll belegen, wird sich China umgehend revanchieren. Auch Peking würde dann bis zu 106 Produktgruppen aus den USA mit einem Strafzoll in Höhe von 25 Prozent belegen. Betroffen wären vor allem Agrarprodukte wie Sojabohnen und Schweinefleisch, aber auch zum Beispiel Flugzeugteile aus den USA.
 

China sieht sich als Opfer

China sieht sich vor allem als Opfer von „einseitigen und protektionistischen Aktionen“ durch die USA. Der Vorwurf: die USA verletze derzeit grundlegende Prinzipien und Werte der Welthandelsorganisation (WTO). All das sei keinesfalls im Interesse Chinas und diene „noch weniger den Interessen der Weltwirtschaft“, so eine Erklärung der chinesischen Botschaft in Washington. Noch einen Schritt weiter geht ein Vertreter des chinesischen Außenministeriums. Aus seiner Sicht kenne eine weitere Eskalation des Handelsstreits nur Verlierer: „China verurteilt die neuen Zölle der USA scharf. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und den USA sollten von Win-Win-Situationen und gegenseitigem Nutzen geprägt sein. Die neue Liste widerspricht sowohl den Interessen der USA als auch denen Chinas und ignoriert die Bedürfnisse der Verbraucher." Das scheint Donald Trump zum jetzigen Zeitpunkt jedoch egal zu sein. Ihm ist vor allem das Handelsbilanzdefizit mit China in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar ein Dorn im Auge. Dieses möchte er – wie es scheint um jeden Preis – abbauen.

Weitere Eskalation könnte der Weltwritschaft nachhaltig schaden

Die Auswirkungen des Handelsstreits betreffen allerdings nicht nur die USA und China. Mittelbar sind von einer weiteren Eskalation weitere Staaten betroffen und am Ende eben tatsächlich die gesamte Weltwirtschaft. Allein die Ankündigung Chinas einen Strafzoll auf Sojabohnen zu erheben, ließ die Preise für den Agrarrohstoff zuletzt empfindlich einbrechen. Es klingt ein wenig komisch, doch Sojabohnen sind für China ein äußerst effizientes Mittel gegen die Handelspolitik der USA. Die Strafzölle treffen somit vor allem die Kornkammer der USA, wo eine starke und wichtige Klientel des amtierenden US-Präsidenten sitzt. Zölle auf Schweinefleisch haben dieselbe Schlagrichtung. Fraglich ist allerdings wie lange China derartige Zölle wirklich aufrechterhalten könnte. Denn auch Peking ist eben mittlerweile stark abhängig von Importen und die Einführung von Strafzöllen hätte auch in China gravierende Auswirkungen auf den Agrarsektor. Neben US-Bauern sind vom Handelsstreit allerdings auch Bauern in Argentinien oder Brasilien betroffen. Der Preisschwund bei Sojabohnen dürfte auch an ihnen nicht spurlos vorüber gehen. Andererseits könnten diese vielleicht für China in die Presche springen und den Schwund aus den USA kompensieren. Wie genau die Auswirkungen aussehen werden, lässt sich derzeit nicht seriös einschätzen.
 
Verfasst am 05.04.2018 um 09:20 Uhr
Veröffentlicht am 05.04.2018 um 09:38 Uhr.
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