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Marktbericht: update von 14:45 Uhr · 06.03.2018 14:45 Uhr

China reagiert auf neue Trump-Drohung: DAX im Minus

USA vs. China
Quelle: Lightspring / Shutterstock.com
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Nach der gestrigen Beruhigung hat US-Präsident Donald Trump neue Drohungen gegen China im Handelsstreit erhoben. Die Regierung in Peking reagierte sofort. Der DAX gibt kurz vor dem Wochenende nach. Die deutsche Industrieproduktion sinkt.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:18min, 06. April 2018, 10:36 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 06.04.2018 -
China hat scharf auf die überraschenden neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit weiteren Strafzöllen auf Importe in Höhe von 100 Milliarden Dollar reagiert. Das Handelsministerium in Peking teilte am Freitag mit, man werde "umfassende Gegenmaßnahmen" ergreifen und "um jeden Preis" gegen den einseitigen Protektionismus der USA ankämpfen. "Wir wollen keinen Handelskrieg, aber wir fürchten einen solchen Krieg auch nicht."
Nachdem sich die beiden größten Volkswirtschaften schon gegenseitig mit Importzöllen von 50 Milliarden USDollar überzogen hatten, ordnete Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington an, weitere Sonderabgaben auf Einfuhren aus der Volksrepublik in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar zu prüfen. Er begründete dies mit "unfairen Vergeltungsmaßnahmen Chinas".
Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer solle untersuchen, ob zusätzliche Zölle angemessen seien, hieß es in einer Erklärung. Falls dies zutreffe, solle er diejenigen Produkte identifizieren, die mit den Abgaben belegt werden können. Lighthizer erklärte, solche Maßnahmen würden einer Bewertungsfrist von 60 Tagen unterzogen und nicht in Kraft treten, bis dieser Prozess abgeschlossen sei.
Der Streit zwischen den Wirtschaftsriesen war am Mittwoch über amerikanische Vorwürfe des Technologiediebstahls durch China offen ausgebrochen. Nachdem die USA 25-prozentige Strafzölle auf Importe aus China in Höhe von 50 Milliarden Dollar angekündigt hatten, konterte China umgehend mit eigenen Strafabgaben in gleicher Höhe auf Importe aus den USA.
Der Handelskonflikt weckt Sorgen über negative Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Doch reagierten die asiatischen Börsen heute zunächst wenig beeindruckt auf die neue Zuspitzung. Der NIKKEI-Index in Tokio lag leicht im Plus, der Hang-Seng-Index in Hongkong stieg sogar deutlich. Nur die Börse in Seoul drehte ins Minus.
Trump begründete seinen Schritt damit, dass China sich dazu entschlossen habe, US-amerikanischen Landwirten und Herstellern Schaden zuzufügen. Deshalb habe er Lighthizer angewiesen, zusätzliche Strafzölle zu prüfen.
Trump beauftragte auch seinen Agrarminister Sonny Perdue damit, einen Plan zum Schutz der heimischen Landwirte zu erarbeiten. Details dazu ließ er aber offen.
Die USA hatten die Situation verschärft, indem sie Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Industrien ins Visier nahmen. China seinerseits würde mit seinen Vergeltungsmaßnahmen neben der Auto-, Chemie- und Flugzeugindustrie auch den ländlichen Raum in den USA treffen, wo Trump besonders beliebt ist. Neben Sojabohnen zielt Peking auf weitere Agrarprodukte wie Mais, Weizen und Baumwolle ab. Farmer in den USA äußerten sich tief besorgt.
Da die gegenseitigen Strafabgaben wohl frühestens im Juni in Kraft treten könnten, ist noch Zeit für Verhandlungen. Vor der neuen Verschärfung durch Trump hatte dessen oberster Wirtschaftsberater Larry Kudlow noch Gesprächsbereitschaft signalisiert, um eine Lösung zu finden, bevor die Zölle wirken. Dagegen zeigte sich Trump unerbittlich. Bei einer Rede im Bundesstaat West Virginia sagte er, es sei an der Zeit, China davon abzubringen, die USA "auszunutzen".
Als Trumps Hauptmotiv gilt das hohe Defizit in der US-Handelsbilanz. Dieses war im Februar um 900 Millionen auf 57,6 Milliarden US-Dollar (46,9 Mrd Euro) gestiegen, wie das Handelsministerium mitteilte. Es ist die größte Differenz zwischen Ex- und Importen seit Oktober 2008. Werden dauerhaft mehr Waren ein- als ausgeführt, könnte dies ein Land im internationalen Handel schwächen und seine Verschuldung erhöhen.
Der DAX zeigt sich aktuell bei 12.230 Punkten mit 0,6 Prozent schwächer.

Schwächephase in der deutschen Industrie

In Deutschland hat der Konjunkturoptimismus nach schwachen Produktionsdaten einen gehörigen Dämpfer erhalten. Wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte, ist im Februar die Produktion in den Bereichen Industrie, Bau und Energie im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent gefallen.
Nach Einschätzung von Experten ist von der Produktion in den deutschen Industriebetrieben kaum noch ein positiver Wachstumsimpuls für das erste Quartal zu erwarten.
Bereits seit Dezember schwächelt die Produktion im verarbeitenden Gewerbe. Da hilft es wenig, dass die Daten zur Fertigung im Januar leicht nach oben revidiert wurden.
Wie das Bundesamt weiter mitteilte, war die Produktion zum Jahresauftakt um 0,1 Prozent im Monatsvergleich gestiegen und nicht wie zuvor gemeldet um 0,1 Prozent gesunken.
Ökonomen wurden vom Dämpfer im Februar überrascht. Sie hatten mit einem Zuwachs der Gesamtproduktion um 0,2 Prozent gerechnet.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Produktion um 2,6 Prozent. Auch hier wurden die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt.
Aufgeschlüsselt in einzelne Bereiche zeigt sich innerhalb der Industrie im Monatsvergleich ein vergleichsweise starker Dämpfer bei der Produktion von Investitionsgütern. Hier meldete das Bundesamt einen Rückgang um 3,1 Prozent. Die Produktion von Konsumgütern ist um 1,5 Prozent gesunken.
Ein weiterer Dämpfer wird aus der Baubranche gemeldet. Experte Ralph Solveen von der Commerzbank geht davon aus, dass die Bauwirtschaft im Februar unter der kalten Witterung gelitten habe.
Die überraschend schwachen Produktionsdaten fügen sich ein in zuletzt enttäuschende Stimmungsdaten aus der deutschen Wirtschaft. So hatte sich das Ifo-Geschäftsklima, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, deutlich eingetrübt. Einen Dämpfer gab es zuletzt auch bei der Stimmung der Einkaufsmanager, die in der Regel einen guten Hinweis auf die weitere konjunkturelle Entwicklung liefert. Hinzu kommt, dass auch der Auftragseingang in den deutschen Industriebetrieben zuletzt schwächer als erwartet ausgefallen war.
"Für sich genommen spricht die Produktion in der Industrie nur für wenig mehr als Stagnation im ersten Quartal 2017", kommentierte Experte Stefan Kipar von der BayernLB. Er rechnet aber nach wie vor nicht mit einem Ende des Aufschwungs. Trotz der zuletzt enttäuschenden Daten zum Auftragseingang sagte Kipar: "Die Auftragsbücher der Unternehmen sind weiterhin prall gefüllt und die Kapazitäten ausgelastet."
Auch Commerzbank-Experte Solveen geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen an Fahrt verlieren wird. Ein Ende des Aufschwungs ist aber auch für Solveen nicht in Sicht. Die weiter extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB ) werde die Konjunktur anschieben, sagte der Experte.

Euro gibt nach

Der Eurokurs ist am Freitag im Vormittagshandel nach den enttäuschenden Produktionsdaten aus Deutschland gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt bei 1,2225 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel war der Euro noch zeitweise bis auf 1,2260 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,2260 Dollar festgesetzt.

US-Arbeitslosenquote verharrt weiter auf tiefstem Stand seit 2000

In den USA profitiert die Wirtschaft weiter von einem robusten Arbeitsmarkt. Im März hat die Arbeitslosenquote unverändert bei 4,1 Prozent gelegen, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Niedriger war die Arbeitslosenquote zuletzt im Jahr 2000.
Experten hatten allerdings mit einem Rückgang der Quote auf 4,0 Prozent gerechnet. Bereits seit vergangenem Oktober verharrt die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent.
Seit etwa acht Jahren geht die Arbeitslosigkeit in den USA tendenziell zurück. Im Jahr 2010 war sie noch deutlich höher gewesen. Die Arbeitslosenquote hatte damals nahe 10 Prozent gelegen.
 
Erstellt am 06.04.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 06.04.2018, um 14:45 Uhr.
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