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Konzernumbau bei VW · 11.04.2018 09:28 Uhr

Diess bald neuer Vorstand bei Volkswagen?

VW-Zentrale in Wolfsburg
Quelle: nitpicker / Shutterstock.com
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In einer offiziellen Stellungnahme kündigte Volkswagen an, die Führungsstruktur im Konzern verändern zu wollen. Als Nachfolger von Vorstandschef Müller wird bereits Markenchef Diess gehandelt. Die Meldung gab der VW-Aktie kräftigen Aufwind.

-von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion-
Diese Meldung kam überraschend: Am Dienstag kündigte Volkswagen Veränderungen in der Führungsstruktur an. In der offiziellen Stellungnahme des Autobauers ist zwar erst einmal nur von einer "möglichen Weiterentwicklung" die Rede. Diese wäre laut VW dann "auch mit personellen Veränderungen im Vorstand und mit Änderungen bei den Ressortzuständigkeiten im Vorstand verbunden". Sind die Tage von Vorstandschef Matthias Müller also bereits gezählt? Die Wolfsburger äußern sich auch dazu nur vage: "Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden" könnten zu der Weiterentwicklung gehören. Trotzdem wird schon jetzt heiß darüber diskutiert, wer seine Nachfolge antreten könnte.

Diess als Nachfolger gehandelt

Und wer könnte ein besserer Nachfolger sein als der „Kronprinz“ Herbert Diess? Er gilt als aussichtsreicher Kandidat in Sachen Vorstandsnachfolge. Schon am kommenden Freitag sollen die Personalien bei einer Aufsichtsratssitzung auf den Weg gebracht werden – und das obwohl der Vertrag von Müller eigentlich noch bis 2020 läuft. Diess kam 2015 als Markenchef zu VW, kurz bevor der Dieselskandal ins Rollen kam. Er gilt als jemand, der strategisch denkt, schnell Entscheidungen treffen kann und die Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat nicht scheut.
Vom überraschenden Umbau der VW-Führungsetage ist jedoch nicht nur Konzernchef Matthias Müller betroffen. In Konzernkreisen heißt es, auch Personalchef Karlheinz Blessing müsse gehen. Sein Nachfolger solle Gunnar Kilian werden - der bisherige Generalsekretär und damit ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh.

VW schweigt noch zu den Hintergründen

Über die Gründe für die plötzliche Umstrukturierung kann bislang nur spekuliert werden. VW hüllt sich jedenfalls in Schweigen. An den Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr, die VW im März veröffentlichte, kann es nicht liegen, denn diese fielen äußerst positiv aus. Für Europas größten  Autobauer waren die letzten Jahre und Monate dennoch nicht leicht. Der Konzern geriet durch die Dieselaffäre mehrfach in die Schlagzeilen, zuletzt erhöhte der Skandal um Affentests den Druck auf die Vorstandschaft. Laut Stimmen aus dem Aufsichtsrat wird Matthias Müller intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Der notwendige Umbau gehe unter Müller nicht schnell genug, hieß es mit Blick auf den grundlegenden Wandel der Automobilindustrie. In den vergangenen Monaten habe er außerdem müde und erschöpft gewirkt. Müller hat im Herbst 2015 den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abgelöst, der zurückgetreten war.

Auftrieb für den Aktienkurs

Die überraschenden Ankündigungen sorgten für positive Reaktionen bei den Börsianern und einen kräftigen Kurssprung bei Aktie des Autobauers. Die VW-Vorzugsaktie ging am Abend nach den Hinweisen auf größere Umbauten im VW-Konzernvorstand knapp 4,5 Prozent im Plus bei 171,58 Euro aus dem Handel.
Verfasst am 11.04.2018 um 09:10 Uhr
Veröffentlicht am 11.04.2018 um 09:28 Uhr
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