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Anhörung vor dem US-Senat · 11.04.2018 09:54 Uhr

Facebook: Zuckerberg muss liefern

Facebook CEO Mark Zuckerberg Press conference at the summit G8/G20 about new technologies
Quelle: Frederic Legrand - COMEO/Shutterstock
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Aus Sicht der Facebook-Aktionäre war gestern ein guter Tag. Mark Zuckerberg stellte sich am Abend einer Anhörung vor dem Kongress und schlug sich aus Sicht der Anteilseigner offenbar wacker: Die Facebook-Aktie legte um fast vier Prozent zu.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das Medienspektakel war enorm. Gestern Abend gab es quasi keinen Nachrichtensender aus dem deutsch- oder englischsprachigen Raum, der sich eine Live-Berichterstattung nehmen ließ. Es war schließlich ein Novum: Erstmals folgte Mark Zuckerberg selbst der Einladung des Kongresses. Nun ist es nicht so, als wäre Zuckerberg nicht schon öfters vorgeladen gewesen. Doch bislang schickte der Facebook-Chef lieber seine Anwälte. Dass er diesmal selbst erschienen ist, unterstreicht der Druck der aktuell auf Facebook (und auch anderen Unternehmen aus dem Silicon Valley) lastet.

Es steht viel auf dem Spiel - für Facebook

Der Mann der gestern den Saal 210 betrat und dem Kongress Rede und Antwort stand, sah nicht unbedingt wie der Lenker eines Multimilliardenkonzerns aus – dem immerhin nicht weniger als eine zumindest fahrlässige Beeinflussung des US-Wahlkampfes vorgeworfen wird. Im ungewohnten Anzug betrat ein sichtlich bleicher, aber jugendlich wirkender Mark Zuckerberg den Raum. Dabei glich er noch immer eher einem Studenten, als dem Chef eines der einflussreichsten sozialen Netzwerke der Welt. Dieser „Student“ saß nun also beim Rektor und sollte sein Fehlverhalten erklären. Für Zuckerberg ging es um viel. Facebook und Zuckerberg selbst stehen massiv unter Druck. Diverse Skandale um „Fake News“, Datenklau und natürlich Cambridge Analytica kratzen am Image des sozialen Netzwerks. Schwere wiegt jedoch die Tatsache, dass viele Abgeordnete nun schärfere Datenschutzbestimmungen fordern. Hiervon wäre am Ende nicht nur Facebook betroffen. Doch soweit ist es noch lange nicht. Im Zuge der Anhörung wurde das mehr als deutlich.

Viel bleibt unkonkret

Direkt zu Beginn der Anhörung entschuldigte sich Zuckerberg mehrfach für „Fehler, die wir, die ich gemacht habe“ und gelobt Besserung. Er gibt zu, dass Facebook in der Vergangenheit nicht genug unternommen habe, um den Missbrauch der Plattform zu verhindern, beziehungsweise einen solchen zu unterbinden. Das, so Zuckerberg, treffe auf die Verbreitung von „Fake News“ ebenso zu, wie auch für den Missbrauch von Nutzerdaten wie im Fall von Cambridge Analytica. Ein paar Abgeordnete versuchen immer wieder Zuckerberg zu attackieren und kritisieren vor allem den völlig intransparenten Umgang mit Nutzerdaten. So sei die Sammelwut des Unternehmens in weiten Teilen nicht nachvollziehbar und gehe schlicht zu weit. In Bezug auf Hass-Posts stellt der Abgeordnete Patrick Leahy Zuckerberg die entscheidende Frage, die sich auch auf alle anderen bestehenden Probleme anwenden lässt: „Was tun Sie dagegen?“ Zuckerberg weicht aus und vor allem: Er führt nur allgemeine Floskeln in Feld. Er wiederholt, dass man in der Vergangenheit „noch nicht genug getan habe“, dass man aber natürlich „Intensiv an den Problemen arbeite“. Während der knapp vierstündigen Anhörung wiederholt Zuckerberg immer wieder den Satz: „Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu“. Das ist absurd, wird aber von den Abgeordneten so hingenommen. Ohnehin werden von den Abgeordneten kaum Nachfragen gestellt. Keiner fordert auch nur eine einzige konkrete Deadline für die Umsetzung von entsprechenden Maßnahmen ein. Niemand fragt konkret nach, wie entsprechende Maßnahmen denn überhaupt aussehen sollen. Wäre es wirklich ein Problem die Nutzerrechte von entsprechenden Plattformen zu stärken? Technisch sowie rechtlich ganz sicher nicht, doch wenn ganze Geschäftsmodelle ein Stück weit auf der Auswertung von Daten beruhen, so haben zumindest die Konzerne kein erkennbares Interesse an der Stärkung solcher Rechte. Die Politik sollte jedoch ein Interesse haben. Doch irgendwie konnte man gestern den Eindruck gewinnen, als seien die eher betagten Abgeordneten mit der Thematik ein wenig überfordert. Zuckerberg hielt schnell das Heft des Handelns selbst in der Hand.

Bekommt Facebook eine letzte Chance?

Ein Umstand, den zumindest die Aktionäre offenbar als Erfolg feiern. Die Facebook-Aktie konnte nachbörslich um immerhin gut vier Prozent zulegen. Polemisch könnte man auch sagen, dass Zuckerbergs gute Vorbereitung fast drei Milliarden US-Dollar wert war. Doch die eigentliche Kernfrage ist weiterhin unbeantwortet: Wie sind die Datenschutzprobleme künftig in den Griff zu bekommen? Wird Facebook selbst eine (letzte) Chance bekommen die Sache zu lösen? Oder aber wird der Gesetzgeber eingreifen? Letztere Variante wurde zuletzt immer wieder diskutiert, doch wirklich durchsetzbar scheint sie kaum. Zu stark ist die Lobby der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley und auch bei vielen Republikanern wird ein solcher Eingriff nicht gern gesehen. So hängt es also als Facebook künftig für mehr Transparenz zu sorgen. Zuckerberg wird liefern müssen, sonst könnte auch die Freude der Aktionäre nur von kurzer Dauer sein…
 
Verfasst am 11.04.2018 um 09:45 Uhr
Veröffentlicht am 11.04.2018 um 09:54 Uhr.
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