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Update zum Devisenmarkt · 11.04.2018 11:36 Uhr

Vorsicht zerbrechlich!

Euro- und US-Dollar-Scheine auf einem Schachbrett
Quelle: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock
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Der Euro kann sich erstaunlich gut halten. Gestern wurde ihm durch den österreichische Zentralbankchef Ewald Nowotny ein weiterer Schub verliehen. An der Prognose tieferer EUR-USD-Niveaus wird aber weiter festgehalten.

- Gastbeitrag von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Trotz zuletzt schwächerer Daten kann sich der Euro erstaunlich gut halten (Abb. 1). Das liegt auch daran, dass sich am Montag gleich mehrere EZB-Direktoriumsmitglieder optimistisch gezeigt hatten, dass der Aufschwung weitergehe. Gestern verlieh dann der österreichische Zentralbankchef Ewald Nowotny dem Euro einen weiteren Schub: In einem Interview sagte Nowotny, dass er kein Problem damit habe, den Einlagesatz in einem ersten Schritt von jetzt -0,4% auf -0,2% zu erhöhen und erst in einem zweiten Schritt den Refinanzierungssatz anzuheben. Dass er auch sagte, dass es zu früh sei, Aussagen zum exakten Zeitpunkt zu machen, und er zudem einen graduellen Normalisierungsprozess sichern möchte, interessierte den Markt dagegen weniger. Und genau das zeigt, warum wir an unserer Prognose tieferer EUR-USD-Niveaus festhalten. Denn wir sehen durchaus zunehmende Abwärtsrisiken für den Euroraum, die die Gefahr bergen, dass die EZB eine erste Zinserhöhungen weiter in die Zukunft verschiebt (siehe Woche im Fokus: “Euroraum: Was bedeuten die fallenden Frühindikationen?”). Je mehr sich der Markt derzeit auf EUR-positive Nachrichten stürzt, umso größer ist das Enttäuschungspotenzial für den Euro, wenn die EZB zurückrudert. Die gestrige Korrektur, nachdem die EZB zu verstehen gegeben hat, dass Nowotnys Äußerungen nicht die Meinung des EZB-Rats repräsentieren, zeigt, wie fragil die EUR-Aufwertung ist, denn das hätte der Markt auch vorher wissen können.
USD: Bekanntermaßen sind wir der Meinung, dass auch ein stärkerer USD in den kommenden Monaten den Abwärtsdruck auf EUR-USD verstärken sollte. Die heutigen Verbraucherpreisinflationsdaten für März sollten belegen, dass der Inflationsdruck in den USA anzieht. Deshalb wird die Fed ihren Zinserhöhungszyklus wohl ungehindert fortsetzen, was auch das Protokoll der März-Sitzung der Fed nahelegen dürfte, das heute Abend veröffentlicht wird. Das Überraschungspotenzial ist gering, da Fed-Chairman Jerome Powell bereits auf der Pressekonferenz im Anschluss der Zinsentscheidung den Standpunkt der Fed erläutert hatte. Wenn sich die Lage im Zollstreit aufgrund entsprechender Zugeständnisse Chinas (siehe unten) weiter entspannt, sollte damit der Weg frei sein für weitere USD-Stärke.
Erhalten von der Commerzbank am 11.04.2018 um 10:31 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 11.04.2018 um 11:36 Uhr.
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