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Gastbeitrag Traderfox · 17.04.2018 10:29 Uhr

Die Aktie von Procter & Gamble soll an der Börse bald wieder zaubern

Procter & Gamble Corporate Headquarters
Quelle: Jonathan Weiss/Shutterstock
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Die Aktie von Procter & Gamble konnte in den vergangenen Jahren an der Börse nicht punkten. Mit einer nachhaltigen Neuausrichtung arbeitet der Vorstand aber daran, wieder mehr Anklang bei den Anlegern zu finden...

Wenn eine Aktie aus dem Dow Jones Industrial Average seit fünf Jahren nur auf der Stelle tritt, dann ist das eine ziemlich dürftige Leistung. Denn schließlich zelebriert die Wall Street seit März 2009 einen der besten Bullenmärkte aller Zeiten. Mit dem Schicksal einer zuletzt deutlich schwächeren Wertentwicklung als am Gesamtmarkt ist Procter & Gamble (PG) konfrontiert. Durch einen letztlich schon seit April 2013 vorherrschenden Seitwärtstrend kommen die Anteilsscheine dieses weltweit mit führenden Konsumgüterherstellers derzeit auf eine fast identische Wertentwicklung wie der Dow Jones Industrial Average. Ein Endergebnis, das aber auch zeigt, dass es anders als zuletzt auch schon Phasen mit einer vergleichsweise guten Performance gegenüber dem Gesamtmarkt gab.
 
Weil sich solche Phasen mit relativer Stärke und Schwäche oft abwechseln, sind bei P&G irgendwann auch wieder bessere Zeiten zu erwarten. Wenn es nach der „Zauberformel“ von Joel Greenblatt geht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Titel demnächst wieder in eine Favoritenrolle schlüpfen kann. Zumindest spricht dafür das von uns umgesetzte regelbasierte Depotkonzept „Joels Zauerformel“. Rangiert diese Aktie darin doch momentan auf Platz 15. Das heißt, bei den beiden wichtigsten Auswahlkriterien Gewinnrendite (Verhältnis von operativem Gewinn zum Gesamtunternehmenswert) und Kapitalrendite (Verhältnis von EBIT zu den materiellen Nettovermögenswerten) schneidet der Wert gut ab. Wiederholt sich die Geschichte, lässt das wiederum mittel- bis langfristig auf eine gute Performance hoffen. Denn nachdem es der von Greenblatt basierend auf den beiden Kriterien gemanagte Hedgefonds Gotham Capital von 1985 bis 2006 auf eine durchschnittliche Rendite von 40 % gebracht hat, ergab auch ein von uns durchgeführter Backtest für Joels Zauberformel seit 1999 eine Performance von 18 % pro Jahr.

Kahlschlag im Sortiment

Chancen auf eine ebenfalls starke Performance hat P&G dann, wenn die intern ausgeheckte Strategie aufgeht. Darin war einer der Kernbausteine, sich von rund 100 Marken zu trennen und sich fortan nur noch auf in mehr als 180 Ländern angebotenen 65 Marken (weiterhin an Bord sind Marken wie Always, Ariel, Blend-a-med, Braun. Gillette, Head & Shoulders, Lenor, Olaz, Oral-B und Pampers) zu fokussieren. Mit dem bereits bereinigten Portfolio strebt man künftig wieder ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich an. Als Vorteil auf dem Weg dorthin dürfte sich eine recht gute Stellung in den aufstrebenden Schwellenländern erweisen, die rund ein Drittel zu den Konzernerlösen beisteuern. Die dortige Präsenz dürfte aber auch dabei helfen, das Hauptziel zu erreichen, das aus einer Steigerung der Profitabilität besteht.
 
Wissenswert zu den erwähnten 65 Marken ist es, dass 21 davon einen Jahresumsatz von 1–10 Mrd. USD und 11 weitere 0,5–1 Mrd. USD. Somit verfügt der Konzern, der Produkte aus den Bereichen Körperpflege, Hygieneartikel, Haushaltspflege und Gesundheit anbietet, über eine schlagkräftige Aufstellung, die im Verhältnis zu den Zulieferern und Abnehmern zu Marktmacht verhilft.
 
Wie der US-Finanzdienstleister Morningstar vorrechnet, erwirtschaftete P&G in den vergangenen 10 Jahren eine Rendite auf das investierte Kapital (einschließlich Goodwill) von durchschnittlich mehr als 11 % p. a. Das liegt über den auf 7 % taxierten Kapitalkosten, wobei die Morningstar-Analysten der Meinung sind, dass das Unternehmen diese Erfolgsserie auch in den nächsten 20 Jahren dank nennenswerter Wettbewerbsvorteile fortschreiben kann.
 
Die Gesellschaft arbeitet jedenfalls mit Hilfe eines Programms, das bis 2020 rund 10 Mrd. USD an Kosten einsparen soll, an einer Verbesserung der Effizienz. Hierbei legen die Verantwortlichen einen Fokus auf die Digitalisierung und Automatisierung zur Optimierung von Prozessen sowie auf eine effizientere Logistik. Einen Teil der eingesparten Mittel muss P&G zwar sicherlich auch für neue Ausgaben in Sachen Forschung & Entwicklung sowie Marketing stecken, unter dem Strich sollen die eingeleiteten Maßnahmen aber auch dem Gewinn auf die Sprünge helfen. Die Langfristprognose von Morningstar sieht dabei eine Verbesserung der operativen Margen um rund 500 Basispunkte auf über 24 % in den nächsten 10 Jahren vor.

Wettbewerbsintensives Branchenumfeld

Allerdings ist ein Erreichen dieser Vorgabe bestimmt kein Selbstläufer. Wie schwierig die angestrebte Margenverbesserung ist, zeigte sich auch an den im abgelaufenen Quartal erzielten Werten. Denn den Unternehmensangaben zufolge sank die mit den fünf Sparten Textil- und Hauspflege, Körperpflege, Schönheit, Gesundheit und Reinigungsmittel erwirtschaftete operative Marge von Oktober bis Dezember trotz eines gleichzeitig um 3 % auf 17,4 Mrd. USD gestiegenen Umsatzes leicht von 23,5 % im Vorjahresquartal auf 23,4 %. Ein Resultat, das etwa die DZ Bank als unzureichend bezeichnete.
 
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf ein sehr wettbewerbsintensives Branchenumfeld. Man konkurriert bei einem vergleichbaren Produktangebot nicht nur mit namhaften globalen Konkurrenten wie Henkel und Beiersdorf oder Unilever, Colgate-Palmolive sowie Kimberly Clark, sondern auch mit Handelsmarken. Beim Stichwort Handelsmarken ist auch eine wachsende Zahl an Konsumenten zu beachten, die nicht mehr bereit ist, für im Grunde genommen gleichwertige Produkte mehr zu bezahlen, nur weil das teurere Produkt einen besseren Klang hat. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Aufstieg von E-Commerce und damit von Amazon bei den traditionellen Abnehmern die Margen verwässert. Zudem eröffnet der Online-Vertrieb kleineren Konkurrenten bei einem geschickten Vorgehen Marktanteilsgewinne.
 
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Veröffentlicht am 17.04.2018 um 10:30 Uhr
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