Nachrichten

Interview mit Thomas Metzger · 18.04.2018 08:15 Uhr

Im Trend: Nachhaltiges Investieren

3d rendering of green line chart isolated on white background.
Quelle: petrmalinak/Shutterstock
Beitrag teilen
Börse Stuttgart sprach mit Thomas Metzger, Leiter Portfolio Management bei der Bankhaus Bauer AG über Nachhaltigkeit als Investmentstil sowie Schwierigkeiten und neue Lösungswege bei der Umsetzung von Sustainability als Anlagemotiv.

Herr Metzger, Nachhaltigkeit als Investmentansatz – was ist darunter zu verstehen?
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ oder „Sustainability“ geht ursprünglich auf die Forstwirtschaft zurück: „Schlage nur soviel Holz, wie der Wald verkraften kann“. Nachhaltigkeit als Investmentthema umfasst neben den ökonomischen auch die ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkte einer Investition. Das sogenannte „magische Dreieck“ der Kapitalanlage bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität wird dabei um den zusätzlichen Aspekt der Nachhaltigkeit erweitert.
Welche Investmentmöglichkeiten sind mittlerweile vorhanden?
Die steigende Nachfrage nach entsprechenden Ansätzen trifft auf ein immer größer werdendes Angebot. Neben einer Vielzahl von direkten Anlagemöglichkeiten wie geschlossenen Fonds, Aktien oder Anleihen haben interessierte Investoren auch die Möglichkeit auf offene Publikumsfonds zurückzugreifen und damit etwaige Risiken breiter zu streuen. Insgesamt liegen ca. 240 Mrd. Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile in entsprechenden Vermögensverwaltungsmandaten und Investmentfonds. Das Volumen dieser Assetklasse reicht hierzulande allerdings bei weitem nicht an die Summen anderer Investmentstile heran. Nicht einmal 3% beträgt der Anteil nachhaltiger Investmentfonds am Gesamtmarkt.
Wo liegen die Herausforderungen beim Thema nachhaltiges Investieren?
Da es keine allgemeingültige Definition „Nachhaltiges Investieren“ gibt, wird der Anleger bei einem Investment in einen standardisierten Ansatz, wie zum Beispiel in einen Publikumsfonds, häufig auf vielfältige Auslegungen des Themas stoßen. Denn bei Auflage definiert der Produktanbieter, was nachhaltiges Investieren aus seiner Sicht heißt. Die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren, wie der Einsatz von Ausschlusskriterien, mit deren Hilfe beispielsweise Titel aus bestimmten Branchen aus dem Portfolio verbannt werden, oder die Anwendung des sogenannten Best-in-Class-Ansatzes, bei dem in das jeweils „nachhaltigste“ Unternehmen einer Branche oder Gruppe investiert wird, kann also nicht vom Anleger direkt beeinflusst werden. Insofern  müssen  Investoren mit kleineren Anlagesummen - welche zwar das Management der Anlagen dem Vermögensexperten bzw. Fondsmanager überlassen wollen, aber die hohen Einstiegssummen für einen individuellen Spezialfonds nicht erreichen – oftmals Kompromisse eingehen. Ihre Auffassung von nachhaltigem Investieren wird sich in der Regel nicht komplett mit der Vorgehensweise eines standardisierten Publikumsfonds decken.
Es findet im Grunde bei jedem Produkt eine andere Auslegung des Themas und somit eine andere Strategie zur Titelauswahl statt?!
In der Tat. Schon die Einteilung der Fonds in übergeordnete Kategorien wie Öko-Effizienz-Fonds, Umwelttechnologiefonds oder Öko-Pionier-Fonds ist keine leichte Aufgabe.
Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie hier?
Eine Alternative bietet das Konzept der individuellen Vermögensverwaltung einer Bank oder eines unabhängigen Anbieters. Grundsatz jeder Vermögensverwaltung ist, dass der Portfolio Manager das Vermögen innerhalb vereinbarter Anlagegrundsätze für den Kunden anlegt. Nachdem die übergeordnete Struktur eines Vermögensverwaltungsmandates festgelegt ist, übernimmt der Verwalter die Detailarbeit für den Anleger. Neben Kriterien wie bspw. der maximalen Gewichtung verschiedener Anlagekategorien am Vermögen kann im Rahmen eines solchen Mandates auch das persönliche Verständnis des Kunden von nachhaltigem Investieren in die Vermögensanlage integriert werden. Die eigene Vorstellung des Beraters oder Portfolio Managers sollte, was diesen Punkt angeht, bei der Ausgestaltung eines Mandates allerdings keine Rolle spielen. Vielmehr muss versucht werden, die Vorgaben des Kunden zu verstehen und sie in einem sinnvollen Kriterienkatalog möglichst detailliert auszuarbeiten. Im Rahmen dieser Lösung ist - trotz des positiven Effektes der kompletten Übergabe des Bereiches Portfolio Management an einen Spezialisten - der Grad der individuellen Nachhaltigkeitsausrichtung für den einzelnen Kunden sehr hoch.
Noch bieten die wenigsten Anbieter allerdings im Rahmen einer individuellen Vermögensverwaltung Lösungen im Nachhaltigkeitsbereich an…
Mit jeder Regelung, die vertraglich vereinbart wird, steigt der Management- und Überwachungsaufwand auf Seiten des Vermögensverwalters. Zudem sollte aufgezeigt werden, was bestimmte Sustainability-Kriterien wie z.B. der Ausschluss bestimmter Branchen, für das Chance-Risikoprofil eines Portfolios bedeuten können. Auch dieser Prozess ist mitunter sehr arbeitsintensiv. Basis der beschriebenen Vorgehensweise kann daher kein standardisierter Ansatz sein. Das Konzept ist nicht als „Massenprodukt“ tauglich und somit gerade für große Anbieter eher uninteressant.
 

Quelle: Bankhaus Bauer
 
Thomas Metzger (39) ist seit 10 Jahren Leiter Vermögensverwaltung beim Stuttgarter Bankhaus Bauer. Bereits zuvor war er im Portfolio Management, Wertpapierhandel und Aktien-Research sowie für mehrere Banken in den USA tätig. Zusätzlich doziert er an mehreren Hochschulen zu den Themengebieten Portfolio Management und derivative Finanzinstrumente. Bei einem breiten Publikum hat sich Metzger durch seine zahlreichen TV-Interviews, Fachbeiträge etc. einen Namen als Investmentspezialist gemacht.
 
Verfasst am 18.04.2018 um 08:05 Uhr
Veröffentlicht am 18.04.2018 um 08:15 Uhr.
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter:
https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise