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US-Haushaltspolitik · 23.04.2018 13:16 Uhr

Kreditrisiko USA?

Notenbank in Washington, D.C.
Quelle: Thomas Barrat / Shutterstock.com
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Die US-Haushaltspolitik ist nicht nachhaltig, darin sind sich Liberale und Konservative einig. Erkennt die die US-Finanzpolitik langfristig die Realität unschöner Budgetrestriktionen an oder wählt sie den "griechischen Weg"?

- Gastbeitrag Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research) -
USD: Am Freitag wies meine Kollegin Esther Reichelt an dieser Stelle hin, dass die Entwicklung des Rendite-Spreads zwischen US T-Notes und deutschen Bundesanleihen nicht zur EUR-USD-Entwicklung passt. Dazu eine Ergänzung. Ökonomen der konservativen Hoover Institution warnten kürzlich vor der Gefahr einer Schuldenkrise in den USA. Völlig absurd wurden ihre Ausführungen an dem Punkt, an dem sie gleichzeitig die jüngste Steuerreform lobten – obwohl diese den Schuldenstand des US-Finanzministers nochmal deutlich schneller anschwellen lässt. Das ist platter, peinlicher Lobbyismus (den ich von Paul Ryan erwartet hätte, nicht von John Cochrane) und hat sofort Widerspruch von liberalen Ökonomen erzeugt. Doch in einem Punkt sind sich Liberale und Konservative einig: dass die US-Haushaltspolitik nicht nachhaltig ist. Irgendwann muss eine Korrektur her. Für die Beurteilung durch den Devisenmarkt kommt es folglich vor allem darauf an, ob absehbar ist, dass die US-Finanzpolitik langfristig die Realität unschöner Budgetrestriktionen anerkennt oder den griechischen Weg wählt: so lange Restriktionen ignorieren oder kleinrechnen, bis eine Schuldenkrise da ist. Dem Devisenmarkt dürfte dabei ziemlich egal sein, ob dieses „irgendwann“ in 5, 10 oder 20 Jahren eintritt. Das Verhalten der derzeitigen US-Regierung und der GOP spricht nicht für den nachhaltigen Weg, sonst hätte man nicht ohne Not (d.h. bei brummender Konjunktur) defizit-finanzierte Steuersenkungen auf den Weg gebracht. Doch für Nachhaltigkeit reicht es, wenn hin und wieder fiskalisch verantwortungsbewusste Regierungen den Ausputzer spielen (zuletzt die Clinton-Administration). Der Punkt ist: Würden die US-Renditen aufgrund steigender Kreditrisiko-Aufschläge steigen, wäre genau die Beziehung zu EUR-USD, die Esther am Freitag skizziert hat, die ökonomisch sinnvolle. Denn anders als Griechenland, das sich nicht in eigener Währung (die die Euroraum-Länder nicht haben) refinanzieren kann, sind die USA in eigener Währung verschuldet, würden einen Schuldenschnitt im fiskalischen Krisenfall also durch USD-Drucken und USD-Abwertung bewerkstelligen. Ist die aktuelle USD-Schwäche eine Versicherungsprämie gegen solch ein Szenario? Dazu passt nicht, dass die US-Renditekurve momentan extrem flach ist (Abbildung 1). Risikoaufschläge würden eher für eine ungewöhnlich steile Renditekurve sprechen. Und daher fällt es mir schwer, mit Kreditrisiko-Argumenten die USD-Schwäche zu rechtfertigen.

Mark Carney rudert zurück

GBP: Kalte Füße kriegt derzeit offensichtlich BoE-Gouverneur Mark Carney. Es kommt mir wie gestern vor, als er den Markt auf recht zügige Zinserhöhungen vorbereitete – was dem Pfund ordentlich Auftrieb gab. Nun rudert er zurück. Eine Zinserhöhung am 10. Mai ist nun keineswegs mehr sicher. Zumal man sich fragen muss, warum Carney jetzt Unsicherheit sät, wenn er im Mai erhöhen will. Andererseits: Schon jetzt erscheint unsinnig, dass er lange die Zinsspekulationen so sehr genährt hat und sie jetzt wieder dämpft – obwohl die zwischenzeitlichen Informationen bestenfalls für marginal gegen höhere Zinsen sprechen. Mein Fazit: Carney (a) weiß nicht, was er will und (b) ist innerhalb seiner Stimmungsschwankungen über-konfident. Das alleine ist GBP-negativ.
Erhalten von der Commerzbank am 23.04.2018 um 09:16 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 23.04.2018 um 13:05 Uhr.
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