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enttäuscht Draghi heute die Euro Bullen? · 26.04.2018 10:00 Uhr

EZB eher Euro-negativ

Devisen
Quelle: Roman Motizov / Shutterstock
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Eigentlich sollte die Stoßrichtung der EZB klar sein: Raus aus den Anleihenkäufen, Raus aus der lockeren Geldpolitik. Obwohl die Zeit reif wäre aus den Tauben im Eurotower Falken zu machen, werden sich die Euro Bullen noch gedulden müssen.

Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) 
EZB Präsident Mario Draghi könnte möglicherweise einige unverbesserliche Euro-Bullen heute enttäuschen. Zwar haben sich einige EZB-Ratsmitglieder, die eher den Tauben zuzuordnen sind (bspw. Coeuré), zuletzt für eine langsame Normalisierung der Geldpolitik ausgesprochen, was die Falken im Rat sowieso schon seit geraumer Zeit tun.
Aber just zu dem Zeitpunkt, wenn allein schon aus rechtlichen Gründen (Stichwort: 33%-Obergrenze) ein Ende der Anleihekäufe in absehbarer Zeit angebracht ist, bröckelt ein grundlegendes Argument für die EZB: die Konjunktur.
Natürlich ist es nicht opportun, aufgrund der jüngsten Schwäche bei Ifo, PMI & Co. sofort einen Konjunktureinbruch auszurufen. Denn ein moderater Verlust an der starken Wirtschaftsdynamik ist nichts Dramatisches. Dennoch sollten sich die Indikatoren und damit auch die Konjunktur unbedingt in den kommenden Monaten auf einem niedrigeren, aber doch weiterhin sehr soliden Niveau stabilisieren. Ansonsten käme die EZB in die Bredouille im Hinblick auf den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik und sie müsste den Markt dazu bringen, seine Zinserhöhungserwartungen noch weiter nach hinten zu schieben.

Draghi: werden genau beobachten

So weit sind wir heute wahrlich noch nicht. Draghi wird angesichts der schwächeren Indikatoren in Richtung „wir werden die Entwicklung (der Konjunktur/Indikatoren) genau beobachten“ sprechen. Zwar dürfte heute die weitere Ausrichtung der Geldpolitik Diskussionspunkt im EZB-Rat sein.
Diejenigen aber, die sich einen konkreten Beschluss oder falkenhafte Kommentare erhoffen, dürften enttäuscht werden. Dies dürften die zuletzt schwächeren Daten aus dem Euroraum verhindern. Insbesondere vor dem Hintergrund steigender US-Renditen, die dem Dollar bereits gestern kräftigen Rückenwind verliehen, sehe ich daher kurzfristig kaum Spielraum nach oben in EUR-USD, sondern für mich liegen die Risiken auf der Unterseite.

Schwedische Krone bleibt schwach

Die Sitzung der Riksbank wird heute insofern spannend, als dass sie möglicherweise ihren Zinserhöhungspfad nach hinten schiebt, was erheblichen Abwärtsdruck auf die Krone auslösen könnte. Die Inflationsentwicklung in Schweden hat zuletzt enttäuscht. Insbesondere der Monat Januar sorgte für Stirnrunzeln bei einigen Notenbankmitgliedern. Selbst wenn die Vorjahresrate sich augenscheinlich wieder stabilisiert hat, da sie im März mit 1,9% wieder nahe am Inflationsziel von 2% lag, so hat doch der unterliegende Trend gedreht. Zwar könnte man argumentieren, dass die schwache Krone, die allein seit Jahresanfang fast 6% gegenüber dem Euro abgewertet hat und auf handelsgewichteter Basis auf einem 8-Jahrestief notiert, der Riksbank etwas Spielraum geben könnte. Schließlich dürfte die Abwertung mittelfristig zu Inflationsdruck führen.
Aber hierauf wird sich die Riksbank kaum verlassen wollen. Zu tief sitzt das Deflations-Trauma der Jahre 2013 bis 2016. Außerdem möchte die Riksbank nach wie vor keine Signale geben, dass sie schneller als die EZB ihre Geldpolitik normalisiert, um keine schnelle Aufwertung der Krone und damit Abwärtsdruck auf die Inflation zu riskieren. Denn die empfindliche Seite der Riksbank ist definitiv die Sorge vor einer zu niedrigen Inflation.
Wir gehen davon aus, dass die Riksbank erst zum Jahresende den Leitzins vorsichtig anhebt, weshalb wir denken, dass die Schwächephase der SEK wohl noch bis Herbst anhalten wird. Am Markt dürfte eine Verschiebung des Zinserhöhungspfads allerdings nicht vollständig eingepreist sein, so dass die SEK heute noch einmal erheblich unter Druck kommen kann, wenn der Notenbankrat sich zu diesem Schritt ent-schließt (siehe auch FX Hotspot: “Wird die Inflation wieder zum Problem für die Riksbank?”).

Japan bleibt expansiv

Ein bisschen aufatmen kann die Bank of Japan (BoJ) schon, nachdem sich USD-JPY von der 105-Marke gelöst und der Yen wieder abgewertet hat. Denn mit einem festeren Yen rückt das Erreichen des Inflationsziels von 2% nur in immer weitere Ferne.
Aber für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ist es trotzdem noch viel zu früh. Zwar waren zwischenzeitlich Spekulationen aufgekommen, dass die BoJ schon bald einen Ausstieg erwägen könnte, zumal auch Notenbankchef Haruhiko Kuroda sich in diese Richtung äußerte. Unabhängig davon, ob die BoJ über einen möglichen Exit sinniert, was sie zwangsläufig irgendwann einmal tun muss, wenn sie einen Ausstieg plant, sind ihr derzeit angesichts der schwachen Inflationsentwicklung noch die Hände gebunden.
Allen Spekulationen und Andeutungen zum Trotz wird sie noch lange ultra-expansiv bleiben (müssen). Zum einen heißt das, dass wir für die morgige Sitzung der BoJ nicht mit einer Überraschung, sondern mit einem „weiter so“ rechnen. Zum anderen halten wir an unserer Prognose fest, dass die unterschiedlichen Geldpolitiken von BoJ und Fed und die steigende Zinsdifferenz zu höheren USD-JPY-Notierungen führen sollten. Meiner Meinung nach ist USD-JPY also auf dem richtigen Weg.
Und die BoJ wäre schlichtweg äußerst ungeschickt, wenn sie morgen mit irgendwelchen Äußerungen diesen für sie günstigen Trend wieder einmal umkehren würde.