Nachrichten

OPEC unter Druck · 22. März 2017

Darum steigt der Ölpreis nicht

OPEC-Logo vor Ölbohrturm
Quelle: Shutterstock
Bis mindestens Mai wollen die OPEC-Staaten sich an feste, reduzierte Förderquoten halten und mittlerweile wird sogar eine Ausweitung über den Mai hinaus diskutiert. Und trotzdem steigt der Ölpreis nicht. Weshalb eigentlich?

- von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion -
 
Die beschlossene Fördermengen-Reduzierung hat eigentlich noch immer Bestand. Und offenbar wird mittlerweile schon wieder intensiv über eine Verlängerung der Kürzungen diskutiert – um mindestens sechs Monate. Vor allem Saudi-Arabien, vielleicht DER große Wortführer innerhalb der OPEC, strebt eine solche Ausweitung an. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Saudi-Arabien, aber auch Staaten wie Venezuela und noch einige mehr, brauchen deutlich höhere Preise um ihren Staatshaushalt finanzieren zu können. Die US-Fracking-Industrie verschärfte zuletzt das Geschäft spürbar.
Doch trotz aller aufkeimenden Spekulationen um eine Verlängerung der Fördergrenzen bewegt sich der Ölpreis kaum. Im Gegenteil: Zuletzt wurde der Druck auf Öl wieder spürbar größer und auf Monatssicht verlor die Nordseesorte Brent Crude Oil schon wieder mehr als zehn Prozent an Wert. Doch wie ist dieser Umstand zu erklären?
 

Förderkürzungen würden Sinn machen, aber…

„Das eigentliche Ziel der Produktionskürzungen, eine Rückkehr der OECD-Lagerbestände auf den 5-Jahresdurchschnitt, wurde bis dahin nicht erreicht. Zu dem angestrebten Lagerabbau würde es erst kommen, wenn die OPEC-Fördermenge bis in das vierte Quartal hinein auf dem gegenwärtigen Niveau beibehalten wird“, so Eugen Weinberg, Head of Commodity Research bei der Commerzbank. Vor diesem Hintergrund würde also eine Verlängerung der aktuellen Fördergrenzen durchaus Sinn machen – zumindest aus Sicht der OPEC-Staaten. Bei den Nicht-OPEC-Staaten sieht die Sache schon wieder etwas anders aus und genau dieser Umstand könnte sich zu einem echten Problem entwickeln. Die OPEC macht für eine Verlängerung der Förderkürzungen eine Beteiligung der Nicht-OPEC-Staaten und ganz besonders Russlands zur Bedingung. Doch Russland wird eher nicht mitspielen, so Eugen Weinberg:  „Wir erachten es als sehr unwahrscheinlich, dass sich Russland, abgesehen von verbalen Lippenbekenntnissen, an einer Verlängerung der Produktionskürzungen aktiv beteiligen wird. Denn mehrere russische Ölkonzerne haben bereits eine Steigerung der Ölproduktion im Jahresverlauf angekündigt, darunter auch der Marktführer Rosneft.“ Das Ziel, die Angebotsseite zu verknappen, würde somit konterkariert.

Steigende Preise rufen die Fracking-Industrie auf den Plan

Neben Russland gibt es jedoch auch noch die US-Fracking-Industrie. Am vergangenen Freitag wurde die Zahl zu den sogenannten „Rig Counts“ in den USA veröffentlicht. Bei den „Rig Counts“ geht es um die aktiv betriebenen Bohrstellen in den USA. Und diese steigen seit einigen Wochen wieder an. Allein für Freitag wurden neun neue Bohrstellen gezählt. Zwar ist man mit 631 offenen Öl-Bohrstellen noch immer weit entfernt von den Höchstständen im Herbst 2014, damals gab es mehr als 1.600 offene Bohrstellen, doch mit jedem Preisanstieg öffnen wieder neue Bohrstellen und drücken auf die Angebotsseite.

Großinvestoren verkaufen Long-Positionen

Als wäre die Situation nicht schon verworren genug, kam zuletzt zusätzlicher Druck von der Marktseite auf den Ölpreis. Einige Großinvestoren hatten sich mit Long-Positionen in Öl-Futures eingedeckt und setzten somit auf steigende Preise. Der jüngste Abwärtssog führte jedoch dazu, dass diese ihre Positionen schon rasch wieder schließen mussten und Öl-Futures in großem Stil abverkauften. Ein solcher „Long-Squeeze“ erhöhte, zumindest kurzfristig, weiter den Druck auf die Ölpreise.
tz