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Gastbeitrag Commerzbank Research · 22. März 2017

Goldpreis: Profiteur der Euro-Schwäche?

Goldmünzen auf einem Tisch
Quelle: Shutterstock
Der Goldpreis steigt am Morgen auf knapp 1.250 USD je Feinunze. Gold ist damit so teuer wie zuletzt Anfang März. Im Schlepptau von Gold, stiegen auch die Preise für Silber und Platin.

Silber steigt im Schlepptau von Gold auf 17,6 US-Dollar je Feinunze, Platin auf 970 US-Dollar je Feinunze. Palladium stieg gestern auf knapp 795 USD je Feinunze und erreichte damit fast wieder das 18-Monatshoch von Ende Januar.
 
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Wann liefert Donald Trump?

Der schwächere US-Dollar gibt den Edelmetallpreisen ebenso Auftrieb wie fallende Anleiherenditen und schwächere Aktienmärkte. Zudem kam es gestern erstmals seit vier Tagen wieder zu nennenswerten Zuflüssen in die Gold-ETFs. Die Erwartung von umfangreichen Steuersenkungen und Infrastrukturmaßnahmen durch die Trump-Administration, welche die Inflation anheizen und zu stärkeren Fed-Zinserhöhungen führen würden, scheint zu schwinden. Denn bis auf großspurige verbale Ankündigungen hat Trump bislang nicht geliefert. Die Steuerreform droht sogar auf die lange Bank geschoben zu werden, sollte die Reform der Krankenversicherung am Widerstand aus den eigenen Reihen scheitern, wonach es derzeit aussieht. Auch die aufgenommenen Ermittlungen des FBI gegen Trump wegen möglicher Kontakte seines Wahlkampfteams zu Russland und die vom FBI-Chef zurückgewiesenen Abhörverdächtigungen Trumps gegen seinen Amtsvorgänger Obama dürften der Glaubwürdigkeit des Präsidenten abträglich sein und seine Position im bevorstehenden Gesetzgebungsverfahren schwächen. Die Fed hatte den Spekulationen auf stärkere Zinserhöhungen schon letzte Woche einen herben Dämpfer versetzt.
 

Nickel unter Druck

Trotz eines zuletzt deutlich schwächeren US-Dollar, der häufig mit steigenden Metallnotierungen einhergeht, fällt der Nickelpreis heute weiter um 1,6% auf 10.000 US-Dollar je Tonne. Noch Anfang März notierte er bei 11.000 US-Dollar je Tonne. Ein wesentlicher Grund dafür ist unseres Erachtens die Tatsache, dass die erwartete massive Verknappung des Angebots trotz zahlreicher Minenschließungen auf den Philippinen augenscheinlich ausbleibt. So steigen seit Oktober die LME-Nickelbestände wieder, wobei die Anzahl gekündigter Lagerscheine zuletzt deutlich zurückging. Auch hat der globale Nickelmarkt im Januar laut International Nickel Study Group (INSG) ein Defizit von nur 1,1 Tausend Tonnen verzeichnet. Für das Gesamtjahr erwartet zwar die INSG ein Angebotsdefizit von 66 Tausend Tonnen, nach einem Defizit von 50 Tsd. Tonnen im Vorjahr. Der weltführende Nickelproduzent, Norilsk Nickel aus Russland, rechnet sogar mit einem Defizit von bis zu 100 Tausend Tonnen. Das hat aber vor allem die „Erwartungen“ der Anleger stimuliert, die Anfang März extrem optimistisch zu Preisentwicklungen gestimmt waren. Die jüngste LME-Positionierungsstatistik zeigt, dass sie zwar ihre Netto-Long-Positionen seitdem abgebaut haben. Diese liegen jedoch mit rund 30 Tausend Kontrakten weiterhin recht hoch und bergen bei einem Abrutschen unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 US-Dollar je Tonne die Gefahr eines weiteren Abverkaufs. Zusätzlich belasten die Eintrübung der Nachfrageperspektiven für Edelstahl in China und eine Teilöffnung der Nickelminen auf den Philippinen.
 
Zum Autor: Eugen Weinberg ist Head of Commodity Research bei der Commerzbank AG in Frankfurt