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Bilanzen und günstiger Euro stützen · 09.04.2018 16:00 Uhr

Trump kündigt Atom Abkommen – Na und..?

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Die USA kündigen das Atom-Abkommen mit Iran, und die Börsen reagieren so gut wie gar nicht - was sehr verwundert. Lediglich der Ölpreis zieht an. Anleger konzentrieren sich eher auf die zahlreichen Firmenbilanzen

NEWS AUS DEM HANDEL 2:35min, 09. Mai 2018, 14:19 Uhr
Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichten
13.000 Punkte, so heißt die neue Prüfmarke für den Dax. Nimmt er die Hürde, wäre der Weg frei zum Rekordhoch bei knapp 13.600 Punkten. Fundamental ist die Ausgangslage gut: Anleger sehen überwiegend sehr solide Bilanzen, vor allem aus den USA. Warnsignale von der Konjunktur gibt es nur am Rande. Die Notenbanken stimmen die Marktteilnehmer auf behutsame Zinsschritte ein und setzen dabei auf maximale Transparenz. Einzig der wankelmütige und unberechenbare US Präsident Trump schafft es immer wieder, die Anleger zu verunsichern. Der schlechteste Deal aller Zeiten sei das Atom-Abkommen mit Iran. Dass Amerika mit dieser Meinung reichlich isoliert dasteht, stört einen Trump erfahrungsgemäß nicht.
Als logische Folge hat Trump dann auch den mühsam in über zehn Jahren ausgehandelten Deal mit einem Federstrich gekündigt. Politisch war der Aufschrei groß – die Börsen reagierten überraschend gelassen, lediglich der Ölpreis haussiert.
Es ist keine Überraschung, dass Trump den Deal aufkündigt, sagt Alexander Berger, politischer Analyst bei Daubentaler&Cie. Auswirkungen hat es aber dennoch für viele Firmen die mit dem Iran Geschäft machen. Sie werden sich in Zukunft schwer tun.
Auch Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer sieht mehr Chancen als Risiken, da jetzt ein grundsätzlicher Unsicherheitsfaktor abgehakt ist. Investoren trauen sich eher wieder auf die Käuferseite. Ohnehin läuft die Berichtssaison der Unternehmen - insbesondere in Amerika - sehr solide. Europäische Werte erhalten zusätzlich Rückenwind vom zuletzt gegenüber dem Euro stärkeren Dollar.
Deutlicher zu erkennen war die Reaktion am Ölmarkt. Denn durch die Sanktionen könnten Rohöl-Lieferungen im Volumen von mehreren Hunderttausend Barrel pro Tag dem Weltmarkt entzogen werden. Das treibt den Preis auf ein dreieinhalb Jahreshoch.
Nach seiner Verschnaufpause am Vortag könnte der Dax nun also abermals die runde Marke von 13 000 Punkten in Angriff nehmen, an die er sich bereits zum Wochenauftakt bis auf weniger als 40 Zähler herangearbeitet hatte. Diese Annäherung gelingt ihm auch heute am späten Vormittag – doch dann ist die Luft schon wieder raus.

Siemens verdient mehr

Trotz anhaltender Probleme in der Kraftwerkssparte verdient Siemens im zweiten Quartal mehr als erwartet. Vor allem das Digitalgeschäft und das Bahngeschäft entwickeln sich gut. Siemens profitiert auch von einem Buchwerteffekt und hebt die Ergebnisprognose an. Siemens rechnet mit einem Ergebnis von 7,70-8,00 Euro je Aktie. Zuvor waren es 7,20-7,70 Euro.

Telekom profitiert vom US Geschäft

Die Deutsche Telekom ist durch den starken Euro gebremst worden. Der konzernweite Umsatz ging zurück um 3,9 Prozent auf 17,92 Milliarden Euro. Ohne den Wechselkurseffekt hätte der Erlös um 3,1 Prozent zugelegt. Weil T-Mobile US an sich weiter brummt und die eigene Ergebnisprognose erhöht hatte, rechnet die Telekom jetzt ebenfalls mit etwas mehr operativem Gewinn - wenn die bisher so starken Wechselkurseffekte ausgeklammert werden.
Im ersten Quartal verdiente die Telekom unterm Strich mit knapp einer Milliarde Euro ein Drittel mehr als vor einem Jahr, weil das Finanzergebnis deutlich besser ausfiel. Operativ stagniert das Geschäft.

Henkel gebremst vom Euro

Der Persil- und Schwarzkopf-Hersteller Henkel ist zum Jahresauftakt von Problemen im nordamerikanischen Konsumentengeschäft gebremst worden. Auch der starke Euro lastete schwer auf der Bilanz. Umsatz und Ergebnis gehen zurück. Die Prognose behielt der Konzern bei. 2018 will Henkel aus eigener Kraft um 2 bis 4 Prozent zulegen. Bereits im März hatte Henkel über die Schwierigkeiten berichtet.
agr/bstv - Stand09.05.2018/08:01Uhr

ProSiebenSat1 mit weniger Umsatz

Der Konzernumbau bei ProSiebenSat.1 hat im ersten Quartal Umsätze gekostet. Nachdem der Fernsehsender seinem Reisegeschäft „Gute Reise“ gewünscht hatte, geht der Umsatz um drei Prozent auf 881 Millionen Euro zurück. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet, wenngleich auch mit einem etwas Leichteren. Unter dem Strich kletterte der bereinigte Gewinn um sechs Prozent auf 93 Millionen Euro.