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Was Anleger jetzt wissen sollten · 09.05.2018 10:30 Uhr

Kündigung des Atom-Abkommens: Die Verlierer aus wirtschaftlicher Sicht

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JStone / shutterstock.com
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Die Aufkündigung des Atom-Abkommens mit Iran, könnte nicht nur weitreichende politische Folgen nach sich ziehen. Aus ökonomischer Sicht könnte das Ende des Abkommens mittelfristig ebenfalls für Turbulenzen sorgen.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Es liegt auf der Hand: Wenn der drittgrößte Exporteur von Erdöl innerhalb der OPEC ausfallen sollte, so bleibt das nicht ohne Folgen. Mit einer Fördermenge von 3,8 Millionen Barrel pro Tag, ist Iran, hinter Saudi-Arabien und dem Irak, aktuell die Nummer innerhalb des OPEC-Kartells. Das könnte sich nun jedoch schnell ändern, vor allem wenn man den martialischen Aussagen von Donald Trump glauben schenk die „höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen“ gegen Iran durchsetzen zu wollen. Zwar würde das iranische Öl nicht zur Gänze versiegen, doch Experten rechnen damit, dass sich die Produktion um bis zu einer Million Barrel pro Tag reduzieren könnte – und das in einer ohnehin bereits angespannten Situation auf dem Ölmarkt. Bereits seit Wochen haben die Ölpreise kräftig zugelegt. Auf Sicht der vergangenen drei Monate hat sich der Preis für die Nordseesorte Brent um mehr als 16 Prozent verteuert. Auf Jahressicht beläuft sich das Plus bereits auf mehr als 50 Prozent. Ein weiter reduziertes Angebot würde den Preisdruck zwangsläufig weiter erhöhen und könnte somit die guten weltweiten Konjunkturaussichten dämpfen. Doch dazu muss es nicht unbedingt kommen, verkündete gestern bereits ein Vertreter des saudischen Energieministeriums gegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur SPA: "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet". Saudi-Arabien will seine Macht innerhalb der OPEC nutzen, um über weitre Maßnahmen zu beraten und möglicherweise die Fördermenge erhöhen. Dabei ist die OPEC selbst nicht ganz unschuldig am jüngsten Preisauftrieb: Die seit Beginn 2017 geltenden Fördergrenzen trugen nicht unerheblich zum Preisdruck auf dem Ölmarkt bei. Doch wenn man – aus saudischer Sicht – Iran wirtschaftlich und politisch schaden kann, so scheint das derzeit irgendwie unbezahlbar…
Natürlich betrifft das Ende des Abkommens auch einige, international tätige, Energiefirmen unmittelbar. So sicherte sich der französische Total-Konzern erst im vergangenen Juli die Erschließung des South-Pars-Erdgasfelds. Das Abkommen wurde mit einer Laufzeit von 20 Jahren geschlossen. Stand heute ist völlig unklar, wie die Europäer mit der neuen Situation umgehen werden. Es könnte also sein, dass einige Firmen ihr Engagement gänzlich neu bewerten müssen.

Luftfahrt- und Automobilbranche

Unmittelbar betroffen von der gestrigen Entscheidung ist die Luftfahrtbranche. Airbus und Boeing haben nach dem Ende der Sanktionen Milliardendeals mit der nationalen Fluggesellschaft IranAir abgeschlossen. Wie boerse.ard berichtet haben beide Unternehmen einen Deal im Volumen von rund 16 Milliarden Euro geschlossen. Allein Airbus sollte mehr als 100 Flugzeuge nach Teheran liefern. Der Deal droht nun zu scheitern, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass rund 10 Prozent der Flugzeugkomponenten in den USA hergestellt werden. Für einen Export nach Iran würde eine Sondererlaubnis der USA notwendig.
Neben Airbus und Boeing engagierten sich zuletzt auch einige französische Autobauer verstärkt in Iran. So plante PSA Peugeot ein Werk, das im Jahr bis zu 200.000 Fahrzeuge produzieren sollte. Renault plante ebenfalls die Produktion von 150.000 Fahrzeugen für den iranischen Markt. Auch diese Deals stehen nun vor dem Aus.

Deutsche Unternehmen

Deutschland ist aktuell der fünftgrößte Import-Handelspartner des Iran. Das reale Gesamtvolumen ist allerdings vergleichsweise überschaubar. 2017 importierte Teheran Güter im Gesamtwert von rund 70 Milliarden US-Dollar. Auf Deutschland entfiel gerade einmal ein Anteil von vier Prozent. Das scheint auch ein wenig der Grund, weshalb der deutsche Aktienmarkt in einer ersten Reaktion halbwegs gelassen reagiert. Andere Faktoren scheinen derzeit zu dominant wie auch Fondsmanager Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer konstatiert: „Die Entscheidung des US-Präsidenten hat bisher nicht zu der von vielen Marktteilnehmern erwarteten höheren Volatilität bei Aktien geführt, da einige Faktoren momentan die Kurse doch recht gut unterstützen. So läuft die Berichtssaison der Unternehmen - insbesondere in Amerika - sehr solide. Europäische Werte erhalten zusätzlich Rückenwind vom zuletzt gegenüber dem Euro stärkeren Dollar.“ Doch die Zahlen trügen ein wenig. Insbesondere nach dem Ende der Sanktionen gegen Iran vor gut zwei Jahren, war die Hoffnung in einigen Manager-Etagen groß das Wachstumsfeld Iran für sich zu gewinnen. Das Potenzial wäre definitiv vorhanden, wie nicht zuletzt der Deal von Airbus und Boeing zeigte. Doch wenn sich deutsche Unternehmen ihr, oftmals sehr lukratives, Engagement in den USA nicht verbauen wollen, werden sie den Ausbau ihres Engagements in Iran nochmals neu überdenken.
 
Verfasst am 09.05.2018 um 10:20 Uhr
Veröffentlicht am 09.05.2018 um 10:30 Uhr.
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