Nachrichten

Checkliste für den Börsenhandel · 14.05.2018 08:48 Uhr

So vermeiden Sie Anlagefehler

Checkliste
Quelle: spacezerocom / Shutterstock.com
Beitrag teilen
Übung macht den Meister – das gilt auch beim Börsenhandel. Nicht nur Einsteiger, sondern auch erfahrene Anleger sind vor Fehlentscheidungen nicht gefeit. Diese sieben Tipps helfen Ihnen, teures Lehrgeld zu vermeiden.

- von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
Geld richtig anzulegen ist nicht einfach. Viele Menschen lassen ihr Erspartes deshalb auf Fest- oder Tagesgeldkonten liegen. Wer jedoch langfristig Vermögen aufbauen will, kommt im heutigen Niedrigzinsumfeld um andere Investitionsmöglichkeiten nicht herum. Eine gute Möglichkeit sind Wertpapiere. Der Handel in Aktien, Anleihen oder Fondsanteilen birgt viele Chancen, aber auch gewisse Risiken. Mit dieser Checkliste können Sie die Risiken minimieren und Anlagefehler beim Börsenhandel vermeiden.
1. Informieren Sie sich – nicht nur vor dem Kauf
Der erste Punkt ist das A und O bei der Geldanlage: Verschaffen Sie sich ausreichend Informationen. Für Börseneinsteiger bedeutet das, sich zunächst grundlegendes Finanzwissen anzueignen – das erleichtert den Einstieg in den Börsenhandel. Denn erst dann können die vielfältigen Anlagemöglichkeiten und die damit einhergehenden Chancen und Risiken richtig eingeschätzt werden. Das wiederum ist Voraussetzung, um die richtige Anlageentscheidung treffen zu können. Prinzipiell gilt: Investieren Sie Ihr Geld nur in Anlageprodukte, die Sie verstehen. Das heißt zum einen, dass dem Anleger vor dem Kauf die Funktionsweisen des Wertpapiers klar sind. Zum anderen ist es bei komplexeren Finanzprodukten wie Zertifikaten auch wichtig, deren Struktur zu verstehen. So sollte beispielweise bei einem Discount-Zertifikat klar sein, dass ein Cap die Gewinne begrenzt. Im Gegenzug erhält der Anleger im Vergleich zum Direktinvestment einen Discount.
Darüber hinaus kommt es nicht nur darauf an, das Anlageprodukt zu verstehen, sondern auch das Unternehmen bzw. die Branche zu kennen, in die man investiert. „Bei einem Aktien- oder Anleihenkauf sollte man immer wissen, was das Unternehmen macht, wie es sich finanziert und wie die Konkurrenz aufgestellt ist“, sagt Richard Dittrich, Leiter der Kundenbetreuung der Börse Stuttgart. Aber auch nach dem Kauf eines Wertpapiers bleibt es wichtig, sich regelmäßig zu informieren – zum Beispiel wenn Unternehmen ihre Geschäftszahlen veröffentlichen. Nur so können Anleger Kursveränderungen nachvollziehen und ihre persönlichen Konsequenzen daraus ziehen.
2. Bleiben Sie realistisch
Eine realistische Selbsteinschätzung spielt bei der Geldanlage eine entscheidende Rolle. Definieren Sie also zunächst Ihre eigenen Anlageziele: Wie viel Risiko möchten Sie eingehen? Welche Rendite erwarten Sie von Ihrer Geldanlage? Und schließlich: Welchen maximalen Verlust sind Sie bereit zu akzeptieren? Durch die Beantwortung dieser Fragen können Sie vorschnelle Entscheidungen vermeiden und Verlustrisiken begrenzen. Dabei gilt der Leitsatz: Je höher die Rendite, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Verlusten. „Ich muss wissen, dass ich mit einem Renditeziel von fünf Prozent ein relativ überschaubares Risiko eingehe. Bei einer Renditeerwartung von 30 Prozent ist das Risiko dementsprechend viel höher“, erklärt Dittrich. „Der Anleger muss für sich ausbalancieren, wieviel Risiko er bereit ist einzugehen.“ Wichtig ist dabei auch, immer nur das Geld anzulegen, auf das man theoretisch verzichten kann. „Anleger sollten in jedem Fall zunächst ausreichend Rücklagen gebildet haben, bevor sie Geld in Wertpapiere investieren. Wird kurzfristig Geld benötigt, kann so das Depot unangetastet bleiben“, sagt Dittrich.
3. Machen Sie mit einem Musterdepot Trockenübungen
Für Börsenneulinge lohnt es sich, vor der eigentlichen Geldanlage etwas zu üben – zum Beispiel mit einem Musterdepot. Dieses virtuelle Depot bietet etwa die Börse Stuttgart auf ihrer Homepage an. Nutzer können zum Beispiel ein virtuelles Aktienkonto anlegen und so erste Einblicke in Börsengeschäfte erhalten. Die Aktien werden dabei verwaltet und gehandelt, jedoch kein reales Geld eingesetzt. „Um die passenden Erfahrungen sammeln zu können, sollten Anleger mit der Anlagesumme trainieren, die sie tatsächlich zur Verfügung haben und an der Börse einsetzen würden“, rät Dittrich. Auch hier gilt es, realistisch zu bleiben: Nehmen Sie nur Produkte in das Depot, die Sie verstehen und auch tatsächlich handeln würden. Nur so können Sie lernen, wie Finanzmärkte funktionieren und wie Sie sich als Anleger in verschiedenen Marktphasen verhalten würden.
4. Denken Sie an das goldene Anlagedreieck
Das Anlagedreieck beschreibt drei wichtige Aspekte, die bei jeder Anlage im Einklang stehen sollten: Sicherheit, Verfügbarkeit und Rendite. Sicherheit heißt, dass man das gesamte investierte Geld wieder zurückerhält. Hinter Verfügbarkeit steht die Frage, wie schnell das investierte Gehalt verfügbar ist. Die Rendite gibt schließlich an, wieviel Geld man mit einer Investition verdienen kann. „Ist die Rendite einer Geldanlage übermäßig ausgeprägt, kann man davon ausgehen, dass mindestens einer der beiden anderen Faktoren niedriger gewichtet ist“, betont Dittrich. Ein Beispiel sind Immobilien: Diese haben häufig eine gute Rendite und eine hohe Sicherheit, dafür ist die Verfügbarkeit in der Regel schlecht. Mit Hilfe des Anlagedreiecks können Sie unseriöse Angebote erkennen. Wenn alle drei Aspekte übermäßig stark ausgeprägt sind, sollten Sie misstrauisch werden. Denn ein sicheres und zugleich liquides Investment mit 30 Prozent Rendite gibt es nicht. Bei einem moderaten Renditeziel von vier bis fünf Prozent ist die Chance auf ein ausgewogenes Verhältnis höher.
5. Begrenzen Sie Verluste
„Vor einem Produktkauf sollten sich Anleger auch überlegen, bei welchen Kursverlusten sie wieder verkaufen möchten“, erklärt Dittrich. Wichtig ist, sich Ausstiegsgrenzen zu setzen und sich an diese dann auch zu halten. Verschiedenen Ordertypen helfen hierbei. Ein Beispiel ist die Stop-Loss-Order. Mit dieser kann ein automatisierter Ausstieg festgelegt werden: Wenn ein Wertpapier unter eine bestimmte Marke fällt, wird dieses automatisch zum bestmöglichen Preis verkauft. Umgekehrt können Sie Gewinne kontrolliert laufen lassen: Bei der Trailing-Stop-Verkaufsorder, die die Börse Stuttgart anbietet, wird die Stop-Loss-Grenze entsprechend dem Kurs des Wertpapiers automatisch nachgezogen, ohne dass Sie den Markt ständig beobachten müssen.
6. Diversifizieren Sie ihr Depot
Wenn Sie Ihr Geld anlegen, ist Diversifikation das A und O. Investieren Sie also in verschiedene Anlageklassen, Branchen und Länder. Doch Vorsicht: „Irgendwann ist auch die Diversifikation ausgereizt. Dann bringt jedes zusätzliche Wertpapier keinen Mehrwert mehr ins Depot, sondern bereitet nur zusätzliche Arbeit“, erläutert Dittrich. Ein gesundes Maß sind acht bis zwanzig verschiedene Werte.
7. Geldanlage ist Arbeit
Der letzte Punkt der Checkliste ist die Konsequenz aus allen vorangegangenen: Geldanlage ist immer mit Zeitaufwand verbunden. „Eine Anlageentscheidung zu treffen ist vergleichsweise einfach. Die tatsächliche Arbeit fängt erst nach dieser Entscheidung an“, so Dittrich. „Anleger sollten mindestens einmal pro Woche in ihr Depot schauen und sich dann die Frage stellen, wie sie mit bestimmten Werten weiter verfahren wollen. Je mehr Streuung im Depot, desto höher der Zeitaufwand.“ Halten Sie also die Augen offen, informieren Sie sich und hinterfragen Sie regelmäßig Ihre eigenen Anlageentscheidungen.
Sie haben Fragen? Unsere Kundenbetreuung ist börsentäglich von 8 bis 22 Uhr unter 0800 / 226 88 53 kostenfrei erreichbar.
Verfasst am 14.05.2018 um 08:35 Uhr
Veröffentlicht am 14.05.2018 um 08:48 Uhr
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter: https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise