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Marktbericht: update von 13:00 Uhr · 15.02.2018 13:00 Uhr

Wachstumsdelle in der deutschen Wirtschaft - DAX unter 13.000

Bauleiter
Quelle: Zwiebackesser / Shutterstock.com
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Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat sich im ersten Quartal weiter abgeschwächt. Dennoch befinden wir uns in der längsten Aufschwungphase seit 1991. Aktuelle Daten aus China waren durchwachsen. Im Fokus stehen Quartalszahlen.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:25min, 15. Mai 2018, 11:16 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 15.05.2018 -
Die deutsche Wirtschaft hat zum Jahresbeginn etwas an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal 2018 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies teilte das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden nach einer ersten Schätzung mit.
Im vierten Quartal 2017 hatte sich die Wirtschaftsleistung noch um 0,6 Prozent erhöht, im dritten Vierteljahr um 0,7 Prozent.
Die Statistiker wiesen aber auch darauf hin, dass das BIP damit zum 15. Mal in Folge gegenüber dem Vorquartal gestiegen ist. Damit befinden wir uns in der längsten Aufschwungphase seit 1991.
Chinas Wirtschaft wächst gemessen an aktuellen Daten aus der Industrie, dem Einzelhandel und zu den Investitionen weiter kräftig. Allerdings zeigen die am Dienstag veröffentlichten Daten auch, dass sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verlangsamen könnte.
So ging der Anstieg der Investitionen in Sachanlagen weiter zurück und fiel ebenso wie das Plus beim Einzelhandelsumsatz geringer aus, als Experten erwartet hatten. Höher als von Volkswirten vorhergesagt war dagegen das Wachstum in der Industrie.
Die asiatischen Börsen hatten heute überwiegend negative Vorzeichen. Auch an der Wall Street in New York hatten die Kurse im späten Handel gestern an Schwung verloren.
So notiert der DAX aktuell bei 12.961 Punkten mit 0,1 Prozent im Minus.

Commerzbank steigert Gewinn: Aktienkurs legt zu

Die Commerzbank hat zum Jahresauftakt dank einer deutlich niedrigeren Steuerlast einen Gewinnrückgang vermeiden können. Insgesamt sieht sich der Vorstand nach zwei mageren Jahren auf Kurs zu einem wieder steigenden Überschuss im laufenden Jahr 2018. Dies liegt auch an einer breiter werdenden Kundenbasis. Konzernchef Martin Zielke erklärte heute in Frankfurt: "Wir wachsen in unserem Kerngeschäft und digitalisieren unser Geschäftsmodell." Das operative Ergebnis blieb im ersten Quartal mit 289 Millionen Euro um mehr als zwölf Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Der Überschuss zog dennoch überraschend an, weil das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut in den ersten drei Monaten 2018 nahezu keine Steuern zahlen musste: Mit 250 Millionen Euro lag der Gewinn um mehr als neun Prozent höher als ein Jahr zuvor. An der Börse wurden die Zahlen erst einmal positiv aufgenommen. Die Aktie legte bisher um 2,2 Prozent auf 10,82 Euro zu. Damit konnte sie aber nur einen Teil der jüngsten Verluste wettmachen. Seit Jahresbeginn sank die Marktkapitalisierung der Bank um rund 14 Prozent auf etwas mehr als 13 Milliarden Euro. Zielke bekräftigte wie schon bei der Hauptversammlung vor einer Woche die Absicht, für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividende zu zahlen. Fünf Cent je Aktie habe die Bank dafür bereits reserviert. Zuletzt hatte der DAX-Konzern für 2015 eine Mini-Dividende von 20 Cent je Anteilsschein gezahlt - das einzige Mal überhaupt seit der Finanzkrise 2007/2008, als der Staat die Bank mit Steuergeldern im Milliardenhöhe vor dem Kollaps bewahrte. Im Gesamtjahr 2017 hatte die Commerzbank unter dem Strich gerade einmal 156 Millionen Euro verdient, ein Jahr zuvor waren es 279 Millionen Euro. Negativ zu Buche schlugen im vergangenen Jahr Kosten für den Abbau tausender Stellen. Bis 2020 soll die Zahl der Vollzeitjobs netto um 7.300 auf 36.000 schrumpfen. Seit Jahren bereitet die Niedrigzinsphase der Finanzbranche große Schwierigkeiten. Denn dadurch ist das Geschäft mit Einlagen und Krediten weniger einträglich. Die Commerzbank hält mit einer Offensive bei Privatkunden dagegen. Bis zum Jahr 2020 will das Institut zwei Millionen zusätzliche Kunden anlocken, im laufenden Jahr soll die Marke von einer Million Netto-Neukunden geknackt werden. Im ersten Quartal 2018 kamen nach Angaben der Bank in Deutschland unter dem Strich etwa 73.000 Privat- und Unternehmenskunden hinzu. Seit Verkündung der Strategie im Herbst 2016 sei die Kundenzahl in Deutschland somit um 712.000 gewachsen. Von mehr Kunden verspricht sich die Commerzbank auf lange Sicht mehr Gewinn. Allerdings kosten neue Kunden in der Regel zunächst einmal Geld, bevor die Bank an ihnen verdienen kann. Daher sind bei den Erträgen - den gesamten Einnahmen der Bank - nach wie vor keine großen Sprünge zu erkennen: Im ersten Quartal blieben sie mit 2,3 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert von 2,39 Milliarden Euro.

Starker Euro belastet Merck: Probleme bei Flüssigkristallen

Der starke Euro bremst den Darmstädter Merck-Konzern zunehmend aus. Im ersten Quartal musste das Pharma- und Spezialchemieunternehmen einen Umsatz- und Ergebnisrückgang verkraften. Dabei kämpfte der Hersteller weiter mit Problemen im wichtigen Flüssigkristallgeschäft. Hier gingen Marktanteile verloren. Auch für das Gesamtjahr bleibt das Management um Konzernchef Stefan Oschmann vorsichtig und rechnet nun mit noch negativeren Auswirkungen der Euro-Stärke. In den ersten drei Monaten 2018 verringerte sich der Konzernumsatz im Jahresvergleich um mehr als vier Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda pre) sackte gar um 18 Prozent auf rund 1,02 Milliarden Euro ab - im Vorjahr hatte Merck allerdings auch noch von einem positiven Sondereffekt profitiert. Unter dem Strich ging der Gewinn zum Jahresstart um fast 35 Prozent auf 341 Millionen Euro zurück. Merck konkretisierte seine Prognose für das laufende Jahr. Nachdem die Darmstädter jüngst den Verkauf ihres Geschäfts mit rezeptfreien Arzneien an den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble besiegelt haben, werden für 2018 Erlöse in Höhe von 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro aus dem fortgeführten Geschäft erwartet. Das bereinigte Ebitda soll in dieser Abgrenzung auf 3,75 bis 4,0 Milliarden Euro zurückgehen. Hier befürchtet Merck nun negative Währungseinflüsse von fünf bis sieben Prozent, zuvor hatte der Konzern noch mit vier bis sechs Prozent kalkuliert. Die Aktien gerieten unter Druck und liegen zur Stunde bei 80,48 Euro mit 5,4 Prozent im Minus.
 
Erstellt am 15.05.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 15.05.2018, um 13:00 Uhr.
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