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Regierungsbildung in Italien · 24.05.2018 08:05 Uhr

Ist Italien ein Thema für den Devisenmarkt?

Euro-Scheine
Quelle: BATMANV / Shutterstock.com
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Die Ideen der sich gerade formenden italienischen Regierung haben Europas Rentenmärkte in helle Aufregung versetzt. Für die Euro-Wechselkurse scheint der Faktor "Italien" nicht relevant zu sein. Aber nur auf den ersten Blick...

- Gastbeitrag von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research) -
EUR: Die Ideen der sich gerade formenden italienischen Regierung haben Europas Rentenmärkte in helle Aufregung versetzt; für den Devisenmarkt waren sie allerdings kein Thema. Mit Renditen nahe 2,4% (also ungefähr dem Stand von Frühjahr 2017) haben 10-jährige BTPs noch kein Niveau erreicht, in dem der Teufelskreis aus höheren Renditen, daraus resultierenden höheren Ausfallrisiken und weiteren Rendite-Anstiegen einsetzt. Ab welchem Punkt solch ein Teufelskreis startet, ist notorisch schwer zu prognostizieren. Aber sicherlich nicht unter der 3%-Marke. Erwartet man nicht solch ein systemisches Risikoszenario, ist es nur folgerichtig, den Faktor „Italien“ für die Bewertung der EUR-Wechselkurse zu ignorieren.
Oder? Italiens neue Regierung könnte sich als Totengräber für die Reformvorhaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erweisen. Kritische deutsche Professoren nutzen die Gunst der Stunde, publikumswirksam vor den Reformvorhaben zu warnen. Angesichts des Nachrichtenstroms aus Italien erhalten solche Stimmen in der öffentlichen Diskussion in Deutschland höheres Gewicht. Eine Bundesregierung wird es sich in dieser Situation sehr genau überlegen müssen, wie weit sie stärkere Integration unterstützen kann, ohne ihre Anhängerschaft zu verprellen. Auf diesem indirekten Weg schwächt die politische Situation in Italien ein EUR-unterstützendes Argument und ist doch relevant für die EUR-Wechselkurse.
USD: Die Luft scheint raus zu sein aus der USD-Rallye, die seit Mitte April den Devisenmarkt dominiert hat. Ja, auch Anfang Mai gab es schon mal eine Schwächephase und danach eine erneute Phase der USD-Rallye. Aber jedes Mal wird’s halt wahrscheinlicher, dass doch mal eine Korrektur kommt oder dass die US-Währung erst einmal eine ausgiebige Pause einlegt. Zumal die Fed-Erwartungen nicht mehr steigen. Mit gut 2¼% für Ende 2018 und rund 2¾% für Ende 2019 sind die Fed-Erwartungen schon auf einigermaßen realistischen Niveaus. Selbst wenn’s dieses oder nächstes Jahr ein Zinsschrittchen mehr geben sollte, das wird nicht mehr wirklich ausschlaggebend sein. Erinnern wir uns (auch wenn’s schwerfällt, weil es schon so lange her ist): Hat der Markt erst einmal einen Zinserhöhungszyklus eingepreist, sind marginale Änderungen der Zins-Trajektorie nicht mehr entscheidend für die Wechselkurse. Die werden erst wieder dann für Fed-Signale sensitiv, wenn der Zyklus sich dem Ende nähert und die Frage, wo denn der Extrempunkt im Zinsniveau liegt, relevant wird.
Erhalten von der Commerzbank am 23.05.2018 um 09:31 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 24.05.2018 um 08:00 Uhr.
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