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Einsparungen und massiver Stellenabbau · 25.05.2018 08:15 Uhr

Radikalschlag bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank, Frankfurt am Main
Quelle: canadastock / Shutterstock.com
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Bei der Deutschen Bank wird unter dem neuen Chef Christian Sewing der Rotstift angesetzt: Ein radikaler Stellenabbau und Kostensenkungen sollen die Bilanz wieder aufpolieren. Die Umstrukturierungen betreffen besonders den Aktienhandel.

- von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
Es dürfte keine leichte Situation für die Manager der Deutschen Bank gewesen sein: Bei der Hauptversammlung in Frankfurt mussten sie sich am Donnerstag ihren Aktionären stellen. Für Christian Sewing war es eine Premiere. Schließlich ist er erst seit dem 8. April an der Spitze des Konzerns. Sein Vorgänger John Cryan musste gehen, weil er angeblich Probleme nicht schnell genug lösen konnte. Unter Sewing scheint die Deutsche Bank ihre Probleme jetzt anzugehen – und zwar radikal. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung wird der Rotstift angesetzt, vor allem bei den Stellen. Wie die Deutsche Bank vor Beginn der Hauptversammlung in Frankfurt mitteilte, will der Konzern die Zahl der Vollzeitstellen global von derzeit rund 97.000 in wenigen Monaten auf "deutlich unter 90.000" reduzieren. Der Stellenabbau ist schon im Gange.

Umbau des Aktiengeschäfts

NEWS AUS DEM HANDEL 6:56min, 24. Mai 2018, 14:52 Uhr
Insbesondere das Aktiengeschäft soll erheblich umgebaut werden: Im Handel mit Aktien, wo zuletzt die Erträge eingebrochen waren, soll rund ein Viertel der Jobs wegfallen. Die Bank will sich in diesem Bereich künftig auf elektronische Lösungen und die „weltweit relevantesten Kunden“ konzentrieren. Im Finanzierungsgeschäft mit Hedgefonds (Prime Finance) soll das Bilanzvolumen um ein Viertel, also etwa 50 Milliarden Euro verkleinert werden. Durch die Maßnahmen will die Deutsche Bank ihr gesamtes Bilanzvolumen um über 100 Milliarden Euro reduzieren, also rund ein Zehntel des Volumens vom ersten Quartal 2018 (1.050 Milliarden Euro).

Konzernweite Kostensenkung

Auch konzernweit sollen die Kosten entschieden gesenkt werden: Ziel des Geldinstituts ist es, im laufenden Jahr nicht mehr als 23 Milliarden Euro auszugeben. In 2019 sollen es nur noch 22 Milliarden Euro sein. Größere Verkäufe von Geschäftsteilen seien jedoch nicht geplant. Durch den Konzernumbau rechnet die Deutsche Bank mit Restrukturierungs- und Abfindungskosten von bis zu 800 Millionen Euro. Sewing betonte zugleich das Ziel, in einem normalisierten Geschäftsumfeld eine Rendite von rund zehn Prozent nach Steuern auf das materielle Eigenkapital zu erzielen. Das soll ab 2021 erreicht werden.

Sewing greift durch

Sewing hatte direkt nach der Übernahme des Chefpostens erklärt, dass er von seinen Mitarbeitern eine neue „Jägermentalität“ erwarte. Er werde „harte Entscheidungen treffen und umsetzen“ und bei der Deutschen Bank „keinen Stein auf dem anderen lassen“.  2017 hatte das Geldhaus den dritten Jahresverlust in Folge zu verzeichnen. Vor allem der Handel mit Wertpapieren brach deutlich ein. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fielen die Zahlen erneut schlecht aus: Der Nettogewinn lag nur noch bei 120 Millionen Euro nach 575 Millionen Euro im Vorjahresquartal.  Der Gewinneinbruch um 80 Prozent wird vor allem der Schwäche der Investmentbank zugeschrieben.

Aktie auf Talfahrt

Bei der Hauptversammlung in Frankfurt versuchte Sewing den 4100 anwesenden Aktionären die Sparpläne damit zu erklären, dass "die aktuelle Ergebnislage" der Deutschen Bank "keine andere Wahl" ließe. Ziel des Unternehmens sei es "relevant, exzellent, innovativ, stabil und vertrauenswürdig" zu sein. Aber ist das Vertrauen der Aktionäre vielleicht schon verspielt? Offenbar sind sie nicht davon überzeugt, dass Besserung in Sicht ist. Die Aktie der Deutschen Bank startete am frühen Morgen leicht im Plus, rutschte im Laufe des Tages dann aber fast sechs Prozent ins Minus und war damit kurz vor Handelsschluss einer der schwächsten Werte im DAX. Innerhalb der letzten drei Monate ist das Papier um über 20 Prozent eingebrochen.
Verfasst am 24.05.2018 um 09:00 Uhr
Aktualisiert am 25.05.2018 um 08:15 Uhr
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