Nachrichten

Rohstoffmarkt · 24.05.2018 11:43 Uhr

Trump ebnet Weg für weitere Strafzölle

Rohstoffe
Quelle: Cigdem / Shutterstock.com
Beitrag teilen
Gestern fiel der Brentölpreis, nachdem das US-Energieministerium einen unerwartet kräftigen Anstieg der US-Rohölvorräte berichtet hatte. Der Preis für Gold ist stattdessen gestiegen und auch der Aluminiumpreis klettert langsam nach oben...

- Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
Energie: Der Brentölpreis fiel gestern zwischenzeitlich auf gut 78 USD je Barrel, nachdem das US-Energieministerium einen unerwartet kräftigen Anstieg der US-Rohölvorräte in der letzten Woche um 5,8 Mio. Barrel berichtet hatte. Marktteilnehmer gingen im Vorfeld von einem Lagerabbau aus. Auch das API hatte am Vortag einen Rückgang der Lagerbestände gemeldet. Hauptverantwortlich für den überraschenden Lageraufbau waren deutlich gestiegene Netto-Rohölimporte (+1,4 Mio. Barrel pro Tag). Zum einen kam es bei den Exporten zu einer Gegenbewegung, nachdem diese in der Woche zuvor auf ein Rekordniveau gestiegen waren. Zum anderen stiegen die Importe, was allerdings größtenteils auf deutlich gestiegene Lieferungen an die Ostküste zurückzuführen war. Die Importe an der erheblich wichtigeren Golfküste waren hingegen rückläufig. Insofern waren hier auch Sonderfaktoren am Werk. Die Rohölverarbeitung lag in der letzten Berichtswoche 600 Tsd. Barrel pro Tag unter dem Vorjahresniveau, was ebenfalls zum Lageraufbau beigetragen haben dürfte. Normalerweise läuft der Raffineriebetrieb kurz vor Beginn der Sommerfahrsaison auf Hochtouren. Allerdings sind die US-Benzinlager derzeit gut gefüllt. Die Vorräte stiegen in der letzten Woche sogar um 1,9 Mio. Barrel und liegen aktuell knapp 3% über dem jahreszeitüblichen Niveau. Anders stellt sich die Lagersituation bei Destillaten dar. Dort kam es zu einem weiteren Lagerabbau. Die Vorräte fielen auf das niedrigste Niveau seit November 2014. Die Abweichung vom langjährigen Durchschnitt nach unten beträgt inzwischen 14%.
Edelmetalle: Gold ist gestern bis auf fast 1.300 USD je Feinunze gestiegen. Es hat dabei vom deutlichen Rückgang der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen auf unter 3% profitiert. Unterstützung erhielt Gold zudem von schwachen Aktienmärkten, die die Risikoaversion der Marktteilnehmer zum Ausdruck brachten. Der Preis hält sich auch heute Morgen noch in der Nähe der 1.300 USD-Marke, wozu das taubenhafte Protokoll der letzten Fed-Sitzung beiträgt. Zwar ist eine weitere Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung Mitte Juni wohl ausgemachte Sache, für die Zeit danach klang das Fed-Protokoll aber eher vorsichtiger. Gold wehrte sich gestern zudem erfolgreich gegen den weiter aufwertenden US-Dollar – der handelsgewichtete Dollar-Index war auf ein neues 5-Monatshoch gestiegen. Hiervon profitierte Gold in Euro gerechnet, das auf 1.110 EUR je Feinunze zulegte. Die industriellen Edelmetalle Silber, Platin und Palladium standen dagegen gestern wegen der höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer unter Druck. Während China die Importsteuern auf Autos und Autoteile senkt (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern), schlagen die USA möglicherweise den entgegengesetzten Weg ein. US-Präsident Trump hat das Handelsministerium mit einer Untersuchung analog zu Stahl und Aluminium beauftragt, inwiefern die Importe von Autos, Trucks, und Autoteilen die nationale Sicherheit gefährden. Am Ende könnten die USA wie bei Stahl und Aluminium Importzölle verhängen, was dann wohl auch negativ für Platin und Palladium wäre.
Industriemetalle: Der Aluminiumpreis legt heute Morgen zeitweise auf 2.290 USD je Tonne zu, nachdem der russische Aluminiumproduzent Rusal indirekt davor gewarnt hat, nach dem 23. Oktober die Produktion zu kürzen, sollten die Sanktionen bis dahin nicht aufgehoben sein. Bis zum 23. Oktober müssen laut Vorgaben des US-Finanzministeriums im Rahmen der US-Sanktionen gegen Rusal die Geschäfte mit dem weltweit größten Aluminiumproduzenten außerhalb Chinas abgewickelt werden. Die heutige Meldung von Rusal sollte unseres Erachtens aber keine höheren Wellen schlagen, denn sie ist im Prinzip nur ein wiederholter Hinweis darauf, was in Folge der Sanktionen in fünf Monaten passieren könnte. Wir halten eine Lösung bis dahin für wahrscheinlich, die auch für Entspannung und niedrigere Preise am Aluminiummarkt sorgen sollte. Gestern sind die LME-Nickelvorräte erstmals seit fast vier Jahren unter 300 Tsd. Tonnen gefallen. Seit Jahresbeginn wurden sie um 19% bzw. 70 Tsd. Tonnen abgebaut. Dies deutet auf eine robuste Nachfrage nach Nickel hin. Allerdings sind zuletzt die sog. gekündigten Lagerscheine deutlich zurückgegangen, so dass sich der Lagerabbau verlangsamen dürfte. Nickel wird wohl stark in der Produktion von Batterien im Rahmen der übergeordneten Thematik Elektromobilität verwendet werden, was langfristig zu einer entsprechend hohen Nachfrage nach Nickel beitragen sollte.
Erhalten von der Commerzbank am 24.05.2018 um 11:01 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 24.05.2018 um 11:43 Uhr.
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten