Nachrichten

Gastbeitrag Commerzbank · 29.05.2018 11:05 Uhr

Bewährungsprobe

Euro und Dollar
Quelle: MaxxiGo / Shutterstock
Beitrag teilen
Der Euro kommt wieder in unter Druck. Sah es vor wenigen Tagen noch so aus, als könnte sich die europäische Gemeinschaftswährung stabilisieren, so hat sich diese Hoffnung verflüchtigt. Weshalb, erläutern die Experten der Commerzbank.

-zum Autor: Esther Landmann ist Analystin FX und EM bei der Commerzbank-
 
Im Laufe des gestrigen Tages hat sich dann doch schnell das Bewusstsein durchgesetzt, dass das Scheitern der Regierungsbildung in Italien kein EUR-positives Ereignis sein kann. Nachdem aufgrund des gestrigen Feiertages in den USA und Großbritannien viele Marktteilnehmer erst heute die Gelegenheit haben, die Entwicklungen vom Wochenende vollständig zu verdauen, beeinflusst die Sorge darüber, wie es mit Italien weitergeht auch heute Morgen noch die Risikostimmung am Markt: Sichere Häfen wie US-Staatsanleihen und der japanische Yen sind gefragt. Doch auch wenn sich die Italien-Risiken endlich auch in einem schwächeren Euro widerspiegeln, überrascht dass die Reaktion am Devisenmarkt verhaltener bleibt als am Zinsmarkt. Denn das Grundproblem liegt ja nicht in Italien, sondern ist viel fundamentaler: Der Euro ist und bleibt ein politisches Experiment und kann politisch scheitern, wenn die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile (gerechtes Wachstum und Wohlstand) nicht erreicht werden. Letztere blieben – nicht zuletzt auch wegen der Euroraum-Schuldenkrise – hinter den Erwartungen zurück. Den Zentralbankern der EZB wird bewusst sein, dass die Unzufriedenheit, die sich im italienischen Wählerwillen ausdrückt, nicht zuletzt auch eine Kritik an der EZB ist. Keine andere Institution steht derart repräsentativ für den holprigen wirtschaftlichen Einigungsprozess in Europa. Es würde mich überraschen, wenn die Situation in Italien und die Bedeutung für die Geldpolitik der EZB sich nicht in den zahlreichen für heute angesetzten Reden von EZB-Zentralbankern wiederfinden würde. Doch die EZB ist nicht nur Teil des Problems, sondern, zumindest aus Sicht des Devisenmarktes, auch Teil der Lösung. Die Devisenmarktteilnehmer vertrauen offensichtlich darauf, dass die EZB auch diese Krise meistern wird und zumindest verhindert, dass die Regierungskrise in Italien auf andere Euro-Länder übergreift. Für den Devisenmarkt ist die gegenwärtige Unsicherheit mit Blick auf Italien eine Bewährungsprobe, aber (noch) keine existenzielle Krise.
Erhalten von der Commerzbank am 29.05.2018 um 09:53 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 29.05.2018 um 11:05 Uhr.
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten