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Blick auf die Rohstoffmärkte · 30.05.2018 11:42 Uhr

Gold profitiert von Risikoaversion

Goldbarren
Quelle: VladKK / Shutterstock
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Die steigende Risikoaversion wegen der politischen Krise in Italien und die USD-Aufwertung setzten die Ölpreise gestern unter Druck. Durch die höhere Risikoaversion sind aber auch zunehmend sichere Häfen gefragt - einer davon ist Gold.

- Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
Energie: Eine Mischung aus steigender Risikoaversion wegen der politischen Krise in Italien, USD-Aufwertung und der Erwartung einer bevorstehenden Fördermengenanhebung seitens der OPEC und Russlands setzte die Ölpreise gestern unter Druck. Brent fiel vorübergehend unter 75 USD je Barrel und handelt am Morgen nur knapp über dieser Marke. WTI wird wegen der steigenden US-Ölproduktion, Pipelineengpässen und des daraus resultierenden lokalen Überangebots von Schieferöl im Mittleren Westen der USA weiterhin mit einem ungewöhnlich hohen Abschlag von fast 9 USD gegenüber Brent gehandelt. Die Debatte um eine Anhebung der Ölproduktion dürfte die Ölpreise bis zur OPEC-Sitzung am 22. Juni in Schach halten. Dies spricht für weiter nachgebende Notierungen in den kommenden Tagen. Ende der Woche veröffentlichen die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg ihre Umfragen zur OPEC-Produktion im Mai. Die Produktionsmenge dürfte abermals deutlich unterhalb der vereinbarten Menge gelegen haben, weil die Ölproduktion in Venezuela wahrscheinlich weiter zurückgegangen ist. Dies dürfte die Spekulationen auf eine deutlichere Produktionsausweitung bei der anstehenden OPEC-Sitzung anheizen und die Ölpreise unter Druck setzen. Wegen des US-Feiertages am Montag werden die US-Lagerdaten einen Tag später als üblich veröffentlicht. Das API gibt seine Daten heute Abend nach Handelsschluss bekannt, das US-Energieministerium die offiziellen Daten morgen Nachmittag. Nach dem kräftigen Anstieg der Rohölvorräte in der Vorwoche wird mit einem geringen Lagerabbau gerechnet.
 
Edelmetalle: Das gestrige Marktumfeld war von einer höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer geprägt – Befürchtungen einer Staatsschuldenkrise in Italien mit Ansteckungseffekten auf andere Länder waren vorherrschend –, so dass sichere Häfen gefragt waren. Hierzu zählte auch Gold, allerdings nur in Euro gerechnet. In der Spitze legte es um 1,6% bzw. 18 EUR zu und kletterte mit über 1.130 EUR je Feinunze zeitweise auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Die Preisentwicklung war jedoch keine Einbahnstraße. Im Gegenteil, Gold vollzog die Bewegungen der Renditeentwicklung italienischer Staatsanleihen nach, bzw. genauer gesagt die Veränderung des Renditeabstands zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen. Das Hoch markierte Gold gegen Mittag als der Renditeabstand auf über 300 Basispunkte stieg. Anschließend schmolzen die Gewinne fast vollständig dahin, da der Renditeabstand wieder deutlich geringer wurde. Im späten Handel lief er dann aber erneut raus, so dass Gold ebenfalls wieder zulegte. Solange die politischen Unsicherheiten in der Eurozone bestehen oder sogar noch größer werden, sollte Gold als sicherer Hafen gut nachgefragt bleiben. Die Schweizer Goldexportdaten haben die zuletzt verhaltene Goldnachfrage in Asien bestätigt. Daten der Zollbehörde zufolge hat die Schweiz im April nur 43,7 Tonnen Gold nach China und Hongkong ausgeführt, so wenig wie zuletzt im September. Nach Indien hat die Schweiz ebenfalls nur eine kleinere Menge Gold exportiert (26,2 Tonnen).
Industriemetalle: Schwache asiatische Aktienmärkte, die noch die Risikoaversion der Marktteilnehmer ausdrücken, lasten heute Morgen auf den Metallpreisen. Daher geht es für nahezu alle Metalle zu Handelsbeginn bergab. Kupfer fällt zum Beispiel um 1,5% auf 6.750 USD je Tonne. Gestern widersetzten sich die Metallpreise dem festen US-Dollar, der auf handelsgewichteter Basis auf ein 6½-Monatshoch gestiegen war. Auch die schwachen Aktienmärkte in Europa und den USA spielten da noch keine große Rolle. Wie der Weltstahlverband schon Ende letzter Woche mitteilte, ist die weltweite Stahlproduktion im April im Vergleich zum Vorjahr um 4,1% auf 148,3 Mio. Tonnen gestiegen. Auf Tagesbasis war dies ein neuer Rekordwert. Neben China – die Zahlen waren zuvor schon bekannt – haben von den großen stahlproduzierenden Ländern vor allem Indien, Südkorea und die USA deutlich mehr Stahl hergestellt. Die Kapazitätsauslastung der Stahlproduzenten ist auf 76,9% gestiegen, den höchsten Wert seit fast fünf Jahren. Im Dezember lag sie noch knapp unter 70%. Seitdem wurden in China umfangreiche Produktionskapazitäten geschlossen und in Europa und Nord-Amerika wurde die Produktion ausgeweitet. Im LME-Preis für Betonstahl hat sich der Produktionsanstieg nicht widergespiegelt. Der nächstfällige Futures-Kontrakt notiert seit Anfang April seitwärts bei gut 550 USD je Tonne, wobei das Handelsvolumen sehr gering ist. Dass der Preis nicht steigt könnte auch daran liegen, dass zuletzt zu viel Stahl produziert wurde.
Erhalten von der Commerzbank am 30.05.2018 um 11:04 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 30.05.2018 um 11:42 Uhr.
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