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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 23. März 2017

Wahlkampf-Irritationen

Wahlkampfveranstaltung in der Türkei
Quelle: Shutterstock
Die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara sind in diesen Tagen schwer belastet. Insbesondere für den türkischen Präsidenten Erdogan steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel - in mehrerlei Hinsicht.

Können die Anleger nun aufatmen oder nicht? Die türkische Regierungspartei AKP hat ein Einsehen und möchte nun keine Minister mehr zu Wahlkampfveranstaltungen nach Deutschland bzw. Europa senden. Der türkische Präsident Erdogan hingegen fährt jedoch weiter fort mit seinen mehr als unverständlichen Tiraden gegen Europa, um seine (Wahl-)Scharen um sich zu versammeln. Inwieweit dies überhaupt nötig ist, mag man angesichts der aktuellen Verhältnisse und Repressalien in der Türkei fragen, denn die Vorstellung freier und unabhängiger Wahlen scheint kaum möglich. In Zeiten, in denen zehntausende unliebsame Journalisten, Beamte, Lehrer, Polizisten etc. ihren Job verlieren oder verhaftet werden, dürften unabhängige Wahlhelfer und -auszähler einen schweren Stand haben.

Türkische Wirtschaft vor Rezession?

Indessen bittet die türkische Wirtschaft zunehmend inständiger um Hilfe und Beistand aus Europa, da nicht nur die Arbeitslosenzahlen in der Türkei hochschnellen, sondern auch internationale Investitionen auf Eis gelegt sind. Vom einbrechenden Tourismus ganz zu schweigen. Eine Rezession dürfte die Folge sein.

Trump muss liefern

Unterdessen holt den US-Präsidenten Donald Trump sein Wahlkampf wieder ein, dessen muslimfeindlicher Tenor als Begründung für die erneute Zurückweisung seines überarbeiteten Einwanderungsdekrets dient. Der Gegenwind wird insgesamt stärker, was die Umsetzung der wirtschaftsfreundlichen Vorhaben Trumps verzögern könnte. Dies allerdings goutieren Aktieninvestoren nicht, denn vieles von den Versprechen ist in den Kursen eingepreist.

Macron mit Vorsprung

Zumindest der französische Wahlkampf sorgt für gute Stimmung, da der Vorsprung des gemäßigten Kandidaten Macron vor der rechtspopulistischen Kandidatin Le Pen stabil bleibt und durch die erste Fernsehdiskussion untermauert wurde. Allerdings sorgte diese Erleichterung für ein Wiedererstarken des Euro, was die Aktienmärkte ebenfalls nicht nur gut finden. Die Zeichen stehen also zunächst einmal auf Korrektur bzw. auf eine ausgeprägte Seitwärtstendenz.
 
Zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger