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Gastbeitrag Commerzbank · 19.06.2018 11:02 Uhr

Eskalation?

China USA trade war and American tariffs as two opposing cargo freight containers in conflict as an economic dispute over import and exports concept as a 3D illustration.
Quelle: Lightspring/Shutterstock
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Es riecht nach Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, nachdem das Weiße Haus gestern bekanntgab, dass US-Präsident Donald Trump die Prüfung neuer Strafzölle auf chinesische Produkte angeordnet habe.

-Thu Lan Nguyen ist Analyst FX & EM bei der Commerzbank-
 
Der Devisenmarkt reagierte darauf erst einmal mit „risk off“, wovon vor allem der japanische Yen im asiatischen Handel profitieren konnte. Wir bleiben allerdings dabei: Sollte sich die Situation zuspitzen, wäre der größte Profiteur der US-Dollar. Denn da die US-Wirtschaft ohnehin schon auf voller Kapazität fährt, würden die Importzölle dort wohl sehr schnell auf die Inflation durchschlagen. Gleichzeitig hat die US-Notenbank bereits wieder in den aktiven Modus geschaltet und befindet sich mitten im Zinserhöhungszyklus.
Dass sich die USD-positive Sicht bisher noch nicht stärker im Markt durchgesetzt hat, mag daran liegen, dass sich die Diskussionen aktuell vor allem um die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft drehen. Und klar, ein ausgewachsener Handelskrieg würde letztlich jedem schaden, insbesondere aber natürlich den Ländern, deren Wachstum stark vom Außenhandel abhängt. Klar ist ebenso, dass sich die USA selber Schaden zufügen. Und dabei rede ich nicht nur von den Importzöllen, die zu Lasten vieler US-Konsumenten gehen, sondern auch von den Forderungen, die die USA mit diesem Mittel bei ihren Handelspartnern versuchen durchzusetzen. Ein Beispiel sind freiwillige Ausfuhrbeschränkungen seitens der anderen Länder, um Exporte in die USA zu verringern. Tatsächlich sind diese sogar noch wohlfahrtsschädigender für die USA als Importzölle. Schließlich würden sich die Importe zwar wie von der US-Regierung gewünscht verringern. Der Unterschied ist, dass in diesem Falle die Zolleinnahmen wegfallen würden und diese stattdessen an die ausländischen Unternehmen gehen, die ihre – dann ja knapperen – Waren für einen höheren Preis in den USA verkaufen. Aber gut, dass die Handelsstrategie der USA nicht konsequent zu Ende gedacht ist, das wurde ja schon dadurch bewiesen, dass Importzölle auf Vorprodukte erhoben wurden, womit auch US-Exportunternehmen Schaden nehmen. Somit ist aber auch nicht davon auszugehen, dass die US-Regierung so schnell von ihren Forderungen abrückt. Gleichzeitig zeichnet sich bereits ab, dass die chinesische Seite nicht so schnell einknicken wird. Unserer Ansicht nach erhöhen sich damit auf mittlere Sicht die USD-Aufwärtsrisiken.
 

EZB: Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik steht nicht bevor

Gestern hat EZB-Chef Mario Draghi die jährliche EZB-Konferenz in Sintra, Portugal, eröffnet und wird sich in deren Rahmen heute Vormittag als erster Redner gleich erneut zu Wort melden. Seine berühmt berüchtigte Sintra-Rede vom letzten Jahr dürfte vielen in Erinnerung geblieben sein. Damals wurden seine optimistischen Äußerungen zur Euroraum-Wirtschaft als Signal für einen baldigen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik gedeutet. Der Euro legte im Zuge dessen deutlich zu. Ein Jahr später sieht die Welt dann doch etwas anders aus. Die EZB hat vergangene Woche zwar tatsächlich ein Ende ihrer Anleihekäufe verkündigt. Doch von einem wirklichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik kann nicht wirklich die Rede sein. Denn Zinserhöhungen, worauf es für den Markt wirklich ankommt, stehen noch lange nicht an, das hat die EZB hinreichend klargemacht. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass Draghi die Märkte heute ähnlich stark wie letztes Jahr bewegen wird.
 
Erhalten von der Commerzbank am 18.06.2018 um 10:31 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 18.06.2018 um 11:02 Uhr.
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