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Blick auf den Devisenmarkt · 20.06.2018 09:46 Uhr

Zölle auf Pflugscharren

US-Dollar-Noten auf einem Chart
Quelle: Powerphotos/Shutterstock
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Eskaliert nun der Handelsstreit zwischen den USA und China? Der US-Dollar könnte durch einen Handelskrieg unter die Räder geraten. Die Fed spielt in diesem Szenario eine wichtige Rolle...

- Gastbeitrag von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
USD: Die Risk-Off Stimmung entschärfte sich im Laufe des gestrigen Tages ein wenig, doch die Sorge vor einem Handelskrieg ist keineswegs zurückgegangen. Wir sehen im Zuge dessen USD-Aufwärtsrisiken, da Zölle für eine höhere Inflation und damit höhere Zinsen in den USA sprechen, wie meine Kollegin gestern noch einmal dargelegt hat. Doch dem gegenüber steht ein wichtiges Risikoszenario: Wenn die realwirtschaftlichen Effekte eines Handelskrieges den inflationären Effekt überwiegen, könnte der US Dollar unter die Räder geraten. In Anbetracht der Handelskriegsgefahr hatten unsere Volkswirte zwar bereits den Wachstumsausblick leicht gesenkt, einen Unsicherheitsschock, der beispielsweise über einen Rückgang der Investitionen die Wirtschaft lahmlegt, erwartet sie derzeit jedoch nicht.
Die initiale Risikoaversion zeigt jedoch, dass der Markt derartig weitreichende Konsequenzen nicht vollkommen ausschließt. Das dürfte insbesondere gelten, wenn der Handelskrieg zwischen den USA und China stärker eskaliert als erwartet oder sich zum Handels-Weltkrieg ausweitet. Dann bestände im US Dollar durchaus ein erhebliches Korrekturpotenzial, wenn die Fed daraufhin nicht nur zukünftig geplante Zinserhöhungen abblasen würde, sondern auch bereits vollzogene Erhöhungen wieder in Frage gestellt würden. Das ist derzeit zwar unwahrscheinlich, doch aufgrund dieser Risiken ist es wichtig, ob und wie sich die verantwortlichen Zentralbanker zum Handelsstreit äußern. Mario Draghi hat gestern bereits beruhigende Worte gefunden, weshalb davon abweichende Signale heute nicht erwartet werden. Doch neben ihm hätten heute auch Fed Chairman Jerome Powell, sowie Haruhiko Kuroda und Philip Lowe – die Zentralbankchefs Japans und Australiens – die Möglichkeit, sich im Rahmen der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra zu äußern. Der Devisenmarkt wird genau im Blick haben, ob ihr Fokus eher auf den realwirtschaftlichen oder den inflationären Risiken liegt, und entsprechende Schlüsse für die jeweiligen Währungen ziehen.
GBP: Noch immer streiten die beiden Kammern des britischen Parlamentes mit der Regierung über die Brexit-Gesetzgebung. Heute stimmt das Unterhaus über eine Abänderung des Oberhauses am Montag ab, die dem Parlament eine „meaningful vote“, also ein verstärktes Mitspracherecht geben soll, falls Großbritannien ohne eine Einigung („no deal“) mit der EU aus der EU auszuscheiden droht. Verabschiedet das Unterhaus den Zusatz würde das das Risiko eines solchen harten Brexits deutlich senken, was GBP-positiv wäre. Andererseits wäre unklar, welche Auswirkungen die Niederlage auf die Stabilität der Regierung und die Brexit-Verhandlungen hätte. Vor der morgigen Zinsentscheidung der Bank of England stehen damit heute noch einmal die Brexit-Risiken für den GBP-Ausblick im Vordergrund.
Erhalten von der Commerzbank am 20.06.2018 um 09:16 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 20.06.2018 um 09:46 Uhr.
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