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Aktuelle Analyse des Rohstoffmarktes · 20.06.2018 14:13 Uhr

Goldpreis gibt Rätsel auf – das sollten Anleger wissen!

Gold
Quelle: optimarc / Shutterstock
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Edelmetalle wurden diese Woche erneut in den Abwärtssog der zyklischen Rohstoffe gezogen. Gold fiel zeitweise um 1 Prozent und markierte ein 6-Monats-Tief. Diese Preisreaktion ist im derzeitigen Marktumfeld nicht nachvollziehbar...

- Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
Energie: Die Ölpreise entzogen sich gestern weitgehend dem Abwärtssog der anderen Rohstoffe. Brent blieb nahezu stabil und steigt heute sogar auf 76 USD je Barrel. Denn eine (deutliche) Ausweitung der Ölproduktion auf dem OPEC-Treffen am Freitag wird immer unwahrscheinlicher. Der Iran verweigert weiterhin seine Zustimmung für jegliche Produktionsanhebung. Auch ein Kompromissvorschlag, die Fördermenge nur um 300-600 Tsd. Barrel pro Tag zu erhöhen, wurde vom iranischen Ölminister Zanganeh zurückgewiesen. Der Iran macht die Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA für den Preisanstieg verantwortlich. Die OPEC dürfe sich nicht von einer Großmacht oder einer Person (Trump) Anweisungen geben lassen. Zanganeh bezieht sich dabei offensichtlich auf die heimliche Anfrage der USA an die OPEC, die Ölproduktion um 1 Mio. Barrel pro Tag zu erhöhen, und den Trump-Tweet von letzter Woche. Zanganeh geht auch nicht davon aus, dass es bei der Sitzung eine Einigung geben wird. Das einen Tag später stattfindende Treffen mit den an den Produktionskürzungen beteiligten Nicht-OPEC-Ländern will der iranische Ölminister gar nicht mehr besuchen. Die Frage ist, ob Russland seinen Verbündeten Iran noch umstimmen kann. Der stellvertretende russische Energieminister äußert sich heute jedenfalls überzeugt davon, dass eine Einigung noch erzielt werden kann. Ansonsten droht möglicherweise ein Alleingang Saudi-Arabiens und Russlands, der das Kürzungsabkommen faktisch beenden und die Zukunft der OPEC in Frage stellen würde. Die US-Lagerdaten heute Nachmittag dürften angesichts dessen in den Hintergrund treten.
Edelmetalle: Die Edelmetalle wurden gestern wie schon Ende letzter Woche mit in den Abwärtssog der zyklischen Rohstoffe gezogen. Gold fiel zeitweise um 1% auf 1.270 USD je Feinunze und markierte damit ein 6-Monatstief. Heute Morgen handelt es nur leicht darüber. Die Preisreaktion von Gold im aktuellen Marktumfeld mit hoher Risikoaversion ist für uns nach wie vor nicht nachvollziehbar. Ohne Zweifel hat gestern der feste US-Dollar – auf handelsgewichteter Basis ist der Dollar-Index auf ein 11-Monatshoch gestiegen – den Preis belastet. Dieser allein kann unseres Erachtens aber nicht die Ursache für den erneuten Preisrutsch gewesen sein. Aller Voraussicht nach wurden Positionen über den Futures-Markt verkauft, wohl zumeist von spekulativen Anlegern. Aufschluss darüber wird aber erst die CFTC-Statistik geben, die am Freitagabend veröffentlicht wird. Durch die Aufwertung des US-Dollar hat sich Gold in Euro gerechnet etwas besser gehalten. Es notiert heute Morgen bei 1.100 EUR je Feinunze. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die anderen Edelmetalle, wobei vor allem der Preisrutsch bei Platin auffällig war. Und während sich Gold, Silber und Palladium stabilisieren, setzt Platin seinen Abwärtstrend fort. Es fällt auf ein 2½-Jahrestief von 860 USD je Feinunze. Auch hier dürften die Verkäufe im Wesentlichen über den Futures-Markt erfolgt sein, da die Platin-ETFs in den letzten Tagen nur moderate Abflüsse verzeichneten.
Industriemetalle: Die Metallpreise verzeichneten im Zuge des sich zuspitzenden Handelsstreits zwischen den USA und China gestern nochmals deutliche Verluste. Der LME-Industriemetallindex verlor 1,8% und fiel auf ein 7-Wochentief. Am Nachmittag beruhigte sich die Lage dann etwas und die Metalle grenzten ihre Verluste ein. Heute Morgen gibt es eine leichte Gegenbewegung, die von Nickel angeführt wird. Industriekreisen zufolge ist die Nickelroheisenproduktion in China im Mai auf Tagesbasis auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten gefallen. Demnach führten von der Regierung angeordnete Überprüfungen aus umweltpolitischen Gründen zum Produktionsrückgang. Kupfer hat trotz der leichten Erholung alle Gewinne seit Monatsbeginn wieder abgegeben. Es rutschte auch wieder unter die charttechnisch wichtigen 100- und 200-Tage-Linien. Mit Letzterer kämpft gerade auch der Aluminiumpreis. Sollte er darunter fallen, dürfte sich der Abwärtstrend in Richtung 2.000 USD je Tonne fortsetzen. Auf diesem Niveau notierte Aluminium, bevor die USA Anfang April Sanktionen gegen den russischen Produzenten Rusal verhängt hatten. Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, dürfte dies unseres Erachtens für weiteren Verkaufsdruck sorgen. Noch gibt es diesbezüglich aber nichts Neues. Trotz der Sanktionen hatte Russland im April große Mengen Aluminium produziert. Ob dies auch im Mai noch der Fall war, werden heute die neuen Daten des International Aluminium Institute zeigen.
Erhalten von der Commerzbank am 20.06.2018 um 14:01 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 20.06.2018 um 14:13 Uhr.
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