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Devisenmarkt · 21.06.2018 10:20 Uhr

Wir sind schon einen Schritt weiter

Devisenausblick
Quelle: William Potter / Shutterstock
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Die Geldpolitiken der EZB und der Fed laufen auseinander. Mit der EZB-Sitzung vergangene Woche hat der Markt die Korrektur der Euroraum-Zinserhöhungserwartungen vorgenommen. Die Marktstimmung dürfte das Devisenpaar EUR-USD jetzt treiben...

-Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR-USD: Jetzt ist es also quasi offizieller EZB-Sprech: die Geldpolitiken der EZB und der Fed laufen auseinander, weshalb sich der Wechselkurs (sprich der Euro) gegenüber dem Dollar abschwächt. Ratsmitglied Ewald Nowotny sprach gestern das aus, was wir seit Monaten an dieser Stelle predigen. Lieber Herr Nowotny, wir sind schon einen Schritt weiter. Denn die Korrektur der Euroraum-Zinserhöhungserwartungen, die wir dem Markt schon lange nahelegten, hat der Markt mit der EZB-Sitzung letzte Woche endlich vorgenommen. Das heißt: solange die Fed jetzt keine zusätzlichen restriktiven Signale über die bereits verkündeten hinaus setzt (bspw. auf Basis inflationär wirkender US Importzölle), hat der Dollar kein zusätzliches Aufwärtspotential mehr – zumindest nicht aus dem Argument der Geldpolitik heraus. In gleicher Manier müssten die Konjunkturdaten aus der Eurozone schon massiv enttäuschen, damit sich die EZB noch taubenhafter als letzten Donnerstag anhört. Kurzfristig dürfte damit in erster Linie die Marktstimmung EUR-USD treiben: die Angst vor einem eskalierenden Handelskonflikt kann entsprechend Dollar-positiv wirken.
GBP: Die Bank of England (BoE) hat wirklich keinen einfachen Job. Aber in die kommunikative Bredouille hatte sie sich im Mai selbst gebracht, hatte sie doch zuerst eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt und diese dann wieder einkassiert. Die jüngsten Konjunkturdaten waren gemischt und geben kein klares Bild, ob die BoE heute zur Tat schreiten wird. Der Markt geht zumindest davon aus, dass sie heute stillhält. Auch die Erwartungen für August sind angesichts der schwachen Daten gesunken. Interessanter wird heute sein, ob die zwei Falken im MPC immer noch für eine Zinserhöhung stimmen, oder ob sie auch vorsichtig werden und sich das Abstimmungsverhältnis von zuvor 7-2 stärker zugunsten unveränderter Zinsen verschiebt. Das würde die Zinserwartungen des Marktes weiter nach hinten schieben – mit negativen Folgen für das Pfund, das eh schon unter der Brexit-Politik zu leiden hat.
CHF: Wie schnell der Franken als sicherer Hafen wieder gefragt sein kann, zeigt die EUR-CHF Bewegung ab Mitte Mai. Diese hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) sicherlich gehörig ins Schwitzen gebracht, denn EUR-CHF fiel zwischenzeitlich sogar unter 1,14. Mittlerweile hat sich der Kurs im Bereich von 1,1550 wieder stabilisiert, womit die SNB wohl gut leben kann. Aber sie wird auf ihrer heutigen Sitzung gerade deshalb wieder betonen, dass der Franken nach wie vor hoch bewertet ist. Zumal der unterliegende Inflationstrend weiterhin schwach und ein festerer Franken hierbei nicht wirklich hilfreich ist. Deshalb wird die SNB an ihrem Statement heute nichts ändern und weiterhin ihre Bereitschaft betonen, notfalls am Devisenmarkt zu intervenieren. Davon ist sie sicherlich noch weit entfernt. Aber solange EUR-CHF nicht nachhaltig steigt, wovon wir nicht ausgehen, und die EZB noch lange die Zinsen nicht anhebt, wird auch die SNB stillhalten. Denn sie wird sicherlich vermeiden wollen, dass der Franken aufwertet und damit wieder Abwärtsdruck auf die Inflation ausübt, indem sie eine schnellere Normalisierung der Geldpolitik als die EZB signalisiert. Steigende Zinsen sind also auch in der Schweiz noch lange kein Thema.
NOK: Die Norges Bank hat wenig Gründe, die Zinsen zu ändern. Sie dürfte daran festhal-ten, dass erste Zinserhöhungen nach dem Sommer wahrscheinlich sind. Im März hatte sie den Zinspfad nach vorne gezogen, in erster Linie aufgrund des positiven Ausblicks für die Wirtschaft. Über die Inflationsentwicklung kann sich die Norges Bank nicht beschweren, der unterliegende Trend ist nach einer kurzen Schwächephase wieder zufriedenstellend. Meines Erachtens ist allerdings das Risiko gestiegen, dass sich die Norges Bank wieder etwas vorsichtiger anhört. Denn die Wirtschaftsindikatoren im Euroraum haben gedreht und signalisieren ein geringeres Wachstum, als von der Norges Bank noch im März erwartet. Infolgedessen könnte die Norges Bank ihre eigene Wachstumsprognose im heutigen Geldpolitischen Bericht etwas senken. Selbst wenn sie an ihrer Aussage, dass nach dem Sommer die Zinsen steigen dürften, festhält, könnte doch ein etwas vorsichtigerer Wortlaut bezüglich der Wachstumsaussichten die NOK deshalb unter Druck setzen.
Erhalten von der Commerzbank am 21.06.2018 um 10:01 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 21.06.2018 um 10:20 Uhr.
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