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Als Folge des Handelsstreits!? · 22.06.2018 08:45 Uhr

Daimler-Aktie nach Gewinnwarnung auf Talfahrt

Day view of Mercedes-Benz logo at Riverside Retail Park
Quelle: Jevanto Productions/Shutterstock
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Zum ersten Mal seit 2012 musste Daimler die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr revidieren. Grund ist angeblich der Handelsstreit zwischen den USA und China. Die Reaktion an der Börse: Anleger schickten die Aktie auf Talfahrt.

-von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
Wird Daimler der Handelsstreit zwischen den USA und China zum Verhängnis? Zumindest scheint er erste Spuren zu hinterlassen: Gestern gab Daimler eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr heraus – zum ersten Mal seit 2012. Als Begründung werden die höheren chinesischen Zölle angeführt, die im Zuge des Handelsstreits auferlegt wurden. Diese könnten bei den in den USA gefertigten Autos nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, teilte der Konzern am späten Mittwochabend mit. Der Autobauer rechne außerdem damit, künftig weniger SUVs in China verkaufen zu können. Davon betroffen könnten zum Beispiel Fahrzeuge sein, die aus dem Daimler-Werk Tuscaloosa in Alabama in die Volksrepublik geliefert werden. Unternehmensangaben zufolge, wurden in dem US-Bundesstaat 2017 mehr als 286.000 Fahrzeuge gebaut, die in über 135 Märkte exportiert werden.

Auch die Dieselaffäre belastet

Es sickerte aber auch durch, dass die Dieselaffäre dem Konzern zu schaffen macht: Nicht nur höhere Zölle, sondern auch neue Standards für Abgastests und der Rückruf von Dieselfahrzeugen werde das Ergebnis im laufenden Jahr belasten. Erst vergangene Woche wurde wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen vom Bundesverkehrsministerium ein amtlicher Rückruf von deutschlandweit 238.000 Daimler-Fahrzeugen veranlasst. Europaweit seien laut Ministerium sogar 774.000 Fahrzeuge betroffen. Darüber hinaus dürfte die Nachfrage nach Bussen in Lateinamerika schwächer als erwartet ausfallen.
Daimler rechnet aufgrund dieser Entwicklungen mit einem Betriebsgewinn (Ebit), der leicht unter dem Vorjahresniveau liegt. Bisher war ein Ebit von 14,7 Milliarden Euro angepeilt worden, also leicht höher als in 2017 (14,68 Milliarden).

Aktie mit deutlichen Kursverlusten

Die Reaktion der Anleger auf diese Zahl folgte zum Börsenstart Donnerstagfrüh: Das Papier der Stuttgarter sackte um mehr als 4,5 Prozent ab. Zum Handelsschluss lag die Aktie bei 57,84 Euro. Zum Vergleich: Anfang Februar schwankte der Wert noch um 75 Euro. Da die Aktie jetzt unter die charttechnisch wichtige 60-Euro-Marke gerutscht ist, gerät das Tief von von Juli 2016 (50,89 Euro) wieder in den Fokus. Ein weiteres Abstürzen der Aktie ist denkbar, sollten die Einfuhrzölle für den US-amerikanischen Markt kommen.
Zahlreiche Analysten melden sich nach der Gewinnwarnung jetzt zu Wort: Während JP Morgan die Aktie weiterhin auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 85 Euro einstuft, senkte beispielsweise die DZ Bank ihre Empfehlung von „Halten“ auf „Verkaufen“. Das Kursziel stufte das Bankhaus von 63 Euro auf 49 Euro ab.
Verfasst am 22.06.2018 um 08:15 Uhr
Veröffentlicht am 22.06.2018 um 08:45 Uhr