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Aufatmen bei der Deutschen Bank · 12.06.2018 09:08 Uhr

DAX: Viel scheint nicht mehr zu retten

Türme der Deutschen Bank in Frankfurt
Quelle: 360b/Shutterstock
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Viel ist nicht mehr zu retten. Hinter dem deutschen Leitindex liegt sehr wahrscheinlich eine katastrophale Handelswoche mit einem Minus von rund fünf Prozent. Immerhin gibt es positive Nachrichten von einem Sorgenkind.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Der weiter schwelende Handelsstreit, Sorgen um die deutsche Autobranche und anhaltend schlechte Stimmung unter den Anlegern haben dem deutschen Leitindex auf Wochensicht ein dickes Minus beschert. Zu allem Überfluss hat der DAX gestern Abend auch noch die 200-Tages-Linie nach unten verlassen, was insbesondere für technische Analysten ein gravierendes Warnsignal darstellt. „Das nach wie vor eigentlich gar nicht so schlechte makroökonomische Umfeld sowie die Aussicht auf weiter steigende Unternehmensgewinne wird momentan klar vom schwelenden Handelskonflikt überlagert. Angesichts eines mittlerweile nahezu unberechenbaren US-Präsidenten, der gezeigt hat, dass er auf seine markigen Worte durchaus Taten folgen lässt, halten sich viele Investoren aktuell mit Käufen eher zurück“, so Thomas Metzger, Fondsmanager beim Bankhaus Bauer. Es sieht derzeit also nicht besonders gut aus für den DAX, doch vielleicht sollten Anleger derzeit noch ein wenig kühlen Kopf bewahren, meint auch Thomas Metzger: „Extreme Panik kommt am Markt allerdings noch nicht auf, da durchaus die Chance besteht, dass die jüngsten Drohungen  Teil einer aggressiven Verhandlungsstrategie des Präsidenten sind, der letztendlich aber keinen großflächigen Handelskrieg anzetteln wird, sofern er vorzeigbare „Deals" in Sachen Außenhandel erreicht. Zudem sind die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen der bisher beschlossenen Maßnahmen momentan noch recht überschaubar. Vor diesem Hintergrund könnte der DAX demnächst durchaus einen Stabilisierungsversuch wagen. Vieles dürfte nach den deutlichen Kursverlusten der letzten Tage mittlerweile auch eingepreist sein."

EUR/USD: Ist das die Trendwende?

Zumindest eine kleine Trendumkehr gelang gestern dem Devisenpaar EUR/USD. Nachdem der Euro gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Wochen immer weiter nachgegeben hat, gelang jetzt, in etwa auf dem Jahrestief bei 1,1508, die Trendwende. Das Währungspaar drehte ab und notiert mittlerweile wieder deutlich über 1,16. Für den DAX sind dies allerdings nicht unbedingt gute Nachrichten.

Tochter der Deutschen Bank besteht ersten Stresstest

Aufatmen bei der Deutschen Bank! Nach Einschätzung der US-Notenbank Fed sind die größten Banken in den USA krisenfest aufgestellt – so auch die US-Tochter der Deutschen Bank. Beobachter machten sich gestern noch Sorgen, ob der US-Ableger den Stresstest tatsächlich bestehen würde. Gründe an der Krisenfestigkeit zu zweifeln, gab es offenbar genügend. Das Ergebnis des Stresstests fällt allerdings nicht nur für die Deutsche Bank positiv aus, sondern alle 35 geprüften Großbanken haben den Stresstest der Aufsicht bestanden. Im Zuge des Stresstests werden verschiedene Krisenszenarien simuliert. Somit soll sichergestellt werden, dass das Bankensystem auch in einer Krise wie beispielsweise 2009 weiter funktioniert.
Wenngleich sich heute auch bei den Anlegern ein wenig Erleichterung breit macht, ist es für eine endgültige Entwarnung noch zu früh. Die Fed führt seit 2008 jedes Jahr auch einen zweiten, etwas detaillierteren Stresstest durch. Im zweiten Teil dieses Tests werden insbesondere die internen Kontrollen und das Risikomanagement unter die Lupe genommen. 2016, als die US-Tochter der Deutschen Bank schon einmal durchgefallen ist, wurden dem Finanzinstitut zahlreiche, teilweise gravierende, Mängel in Bezug auf die Aufsicht und des Risiko-Controllings attestiert. Ob man aus den Fehlern der Vergangenheit etwas gelernt hat, ist allerdings fraglich. Im internen Bewertungssystem der Fed, dass die Tochter der Deutschen Bank als „in troubled condition“ führt, werden vor allem das mangelnde Risikomanagement oder die teilweise sehr laxen internen Kontrollsysteme kritisiert.

Airbus: Ein Profiteur des Handelsstreits?

Dass der Handelsstreit zwangsläufig nicht ausschließlich Verlierer zu Tage befördert, zeigt heute das Beispiel Airbus. Der europäische Autobauer, darf sich über einen positiven Analystenkommentar von JP Morgan freuen. Analyst David Perry hat sein Kursziel von 122 auf 133 Euro angehoben. Die Heraufstufung begründet Perry unmittelbar mit dem weiter schwelenden Handelsstreit zwischen China und den USA. Aus seiner Sicht belastet dieser insbesondere den US-Flugzeugbauer Boeing. Im Gegenzug dürfte Airbus hiervon profitieren und deutlich mehr Aufträge aus China erhalten.
 
Erstellt am 22.06.2018 um 09:00 Uhr.
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 22.06.2018 um 09:08 Uhr.
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