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Aktuelle Dollar-Stärke · 22.06.2018 10:15 Uhr

Right for the wrong reason

Dollar-Zeichen im Sonnenlicht
Quelle: maradon 333 / Shutterstock.com
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Der US-Dollar ist derzeit stark, doch wie viel Nachholbedarf hat die US-Währung noch? Die Fed-Erwartungen legen schon eine Weile nicht mehr zu. Es ist der Handelskrieg, der die Währung beflügelt. Doch aus anderen Gründen als erwartet...

- Gastbeitrag von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research) -
USD: Ich müsste eigentlich der Letzte sein, der über USD-Stärke meckert – nachdem ich anfangs des Jahres kaum was anderes tat, als gegen USD-Schwäche anzuschreiben. So langsam frage ich mich aber, wieviel Nachholbedarf die US-Währung denn noch hat. Klar, der Fed-Zinserhöhungszyklus, der im Winter noch ignoriert wurde, musste wieder rein in die USD-Kurse. Aber nur das. Neues kommt nicht hinzu. Die Fed-Erwartungen legen schon eine ganze Weile nicht mehr zu. Und ja, ich habe immer argumentiert, dass der Handelskrieg USD-positiv wirken dürfte. Aber eben vor allem über den Fed-Kanal: Höhere US-Inflation sollte zu einer noch aggressiveren US-Geldpolitik führen und darum sollte der Dollar zulegen. Dass jetzt aber neue Salven im Handelskrieg den Dollar beflügeln ohne dass der Fed-Ausblick anzieht, macht mich stutzig und skeptisch. „Right for the wrong reason“ sagt man wohl zu solch einer Situation. Von daher freue ich mich über die gestrige Korrektur in EUR-USD und darüber, dass Notierungen unter 1,15 erst mal verhindert wurden. Sind sie möglich? Klar! Sollte man auf deutlich tiefere EUR-USD-Kurse setzen? Da wiederum bin ich nicht sicher. Solange die Fed-Erwartungen nicht nachziehen, kann das auch die nächste Marktübertreibung sein – diesmal halt in Richtung USD-Stärke.
 
 
 
GBP: Das war ja wohl nix, liebe Bank of England! Wieder mal in die Kommunikationsfalle getappt! Es drängt sich der Verdacht auf, dass die MPC-Sitzungen den turbulenten Kabi-nettssitzungen der Regierung zum Brexit ähneln. Ich bin langsam geneigt, den Spruch eines hinkelsteintragenden Galliers aus einem weltbekannten Comic zu zitieren, als sich dieser auf der Insel befand. Denn erst signalisiert die BoE einen Schritt im Mai, kassiert diesen aber wieder ein und hört sich auf der letzten Sitzung auch noch vorsichtig an. Jetzt ist aber entgegen den Erwartungen der eher dem taubenhaften Lager zugeneigte Andrew Haldane ins Falkenlager gewechselt, so dass die Abstimmung im MPC nur noch 6:3 zugunsten unveränderter Zinsen ausfiel. Außerdem plant die BoE, den Bestand an gekauften Anleihen zu reduzieren, bis der Leitzins rund 1,5% beträgt – zuvor hatte sie graduelle Reduzierungen bis zu einem Leitzinsniveau von 2% geplant. Nun sehen zwei Drittel der Marktteilnehmer einen Zinsschritt im August. Das Pfund schoss infolge der augenscheinlichen Wende der BoE nach oben. Ein bisschen Aufwärtspotential mag noch drin sein, wenn sich der August-Zinsschritt durch Aussagen der MPC-Mitglieder und wieder bessere Konjunkturdaten verfestigt. Aber der Brexit lastet weiterhin auf dem Pfund, und der EU-Gipfel Ende des Monats kann ihm den nächsten Nackenschlag verpassen.
NOK: Die Norges Bank hat gestern de facto einen Zinsschritt für ihre Sitzung im September angekündigt. Die norwegische Krone konnte davon profitieren. Die Entscheidung unterstützt unsere NOK-positive Sicht, auch wenn wir – zugegeben – erst für Oktober den Zinsschritt auf dem Zettel hatten. Die Timing-Entscheidung ist in diesem Fall aber wenig relevant für den Devisenmarkt. Wichtiger ist: Das Gesamtbild stimmt. Siehe für Details den FX Hotspot meiner Kollegin Antje zu dem Thema.
Erhalten von der Commerzbank am 22.06.2018 um 10:01 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 22.06.2018 um 10:15 Uhr.
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