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Blick auf den Rohstoffmarkt · 25.06.2018 14:23 Uhr

OPEC und Russland erhöhen Fördermenge deutlich

Ölfässer
Quelle: welcomia / Shutterstock.com
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Der Brentölpreis hat die Gewinne von Freitag wieder vollständig abgegeben. Die OPEC will die Ölproduktion wieder auf das im Kürzungsabkommen vorgesehene Niveau anheben. Doch Vorgaben, wie das Ziel erreicht werden soll, gibt es nicht...

-Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research)-
Energie: Der Brentölpreis fällt am Morgen um knapp 2% auf 74 USD je Barrel. Damit gibt er die Gewinne vom Freitag vollständig wieder ab. Am Freitag hatte sich die OPEC darauf verständigt, die Ölproduktion wieder auf das im Kürzungsabkommen vorgesehene Niveau anzuheben. Derzeit fördert die OPEC wegen der stark gesunkenen Ölproduktion in Venezuela und kleineren Ausfällen in einigen anderen Ländern etwa 700 Tsd. Barrel pro Tag weniger als vereinbart. Die Einhaltung der Kürzungen von 100% wird dabei auf die Gruppe als Ganzes bezogen, was bedeutet, dass einige Länder mehr produzieren müssten als vorgesehen. Detaillierte Vorgaben, wie dieses Ziel erreicht werden soll, machte die OPEC nicht. In der Folge legten die Ölpreise am Freitag zu. Am Samstag erklärten dann auch die an den Kürzungen beteiligten Nicht-OPEC-Länder, ihre Produktion ausweiten zu wollen. Da diese ihre Kürzungen im Gegensatz zur OPEC nicht übererfüllt hatten, kommt dies einer effektiven Fördermengenanhebung gleich. Russland stellte eine Produktionsanhebung um 200 Tsd. Barrel pro Tag in Aussicht. Die Fördermenge Russlands würde damit fast wieder das Niveau erreichen, welches vor den Kürzungen Bestand hatte. Der saudi-arabische Energieminister al-Falih sprach am Ende davon, dass die Produktionsmenge der OPEC und der beteiligten Nicht-OPEC-Länder im zweiten Halbjahr um insgesamt 1 Mio. Barrel pro Tag steigen wird. Dies sollte u.E. ausreichen, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wir rechnen daher mit einem Preisrückgang auf 70 USD je Barrel im dritten Quartal.

Edelmetalle: Gold schwächelt weiterhin

 
Gold gibt zu Wochenbeginn den Ende letzter Woche mühsam gewonnenen Boden gleich wieder ab und fällt auf 1.265 USD je Feinunze. In Euro gerechnet rutscht Gold wieder unter 1.090 EUR je Feinunze. Es hat damit die charttechnisch wichtige 100-Tage-Linie unterschritten und kämpft mit der 200-Tage-Linie. Starker Gegenwind kommt seitens der spekulativen Finanzinvestoren. Diese haben laut CFTC-Statistik in der Woche zum 19. Juni ihre Netto-Long-Positionen auf nur noch 10,5 Tsd. Kontrakte (der niedrigste Wert seit 2½ Jahren) reduziert und somit stark zum Preisrückgang von Gold beigetragen. Die Schwäche von Gold ist für uns aber weiter nicht gerechtfertigt. In Deutschland schwelt der Streit in der Regierung weiter, da der EU-Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik gestern keine Lösungen brachte. Daher rückt nun der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in den Blickpunkt. Dieser wird aber wohl auch eher wieder die Differenzen der verschiedenen EU-Länder sichtbar werden lassen, als dass dort ein Durchbruch gelingt. In der Türkei spricht das Ergebnis der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zwar für eine relativ stabile Regierung, die Risiken für die Wirtschaft, Zentralbank und Geldpolitik haben sich aber deutlich erhöht. Auch dies sollte eigentlich für Verunsicherung unter den Marktteilnehmern sorgen. Und zu guter Letzt hat US-Präsident Trump der EU unverhohlen mit einem Zoll von 20% auf Autoimporte gedroht, sollte die EU ihre Zölle auf US-Produkte nicht zurücknehmen. Gold sollte hiervon in seiner Eigenschaft als sicherer Hafen eigentlich profitieren (siehe auch Rohstoffe kompakt Edelmetalle: Keine goldene Zeiten vom 22. Juni).

Industriemetalle starten schwach

An der LME in London starten die Industriemetalle mit einem negativen Unterton in die neue Handelswoche, obwohl die chinesische Zentralbank am Wochenende die Mindestreserveanforderungen für ausgewählte Geschäftsbanken gesenkt hat. Dadurch soll die Kreditvergabeaktivität angekurbelt werden. Dies unterstützt aber offensichtlich nur die Metallpreise an der SHFE in Shanghai. An der LME kostet Kupfer knapp 6.800 USD je Tonne. Während die Tarifverhandlungen in der „Escondida“-Mine, der weltweit größten Kupfermine, noch laufen, droht neues Ungemach in einer anderen Kupfermine in Chile. Die Gewerkschaften der „Chuquicamata“-Mine haben mit Streik gedroht, da sich die Zusammenarbeit mit dem Minenbetreiber verschlechtert habe. „Chuquicamata“ hat im letzten Jahr rund 330 Tsd. Tonnen Kupfer produziert. Während sich der Kupferpreis noch hält, rutscht der Zinkpreis weiter ab. Er fällt auf 2.860 USD je Tonne. Innerhalb von zwei Wochen hat Zink 11% verloren. Und der Verkaufsdruck könnte auch noch anhalten, da es per Mitte Juni noch hohe Netto-Long-Positionen seitens der spekulativen Finanzinvestoren gab. Diese dürften gerade abgebaut werden. Unterdessen hat Indonesien im Mai fast 12.500 Tonnen Zinn exportiert, dreimal so viel wie im Vormonat und knapp 80% mehr als im Vorjahr. Wegen regulatorischer Änderungen konnten im März und April nur kleinere Mengen Zinn ausgeführt werden, so dass die sehr hohen Exporte im Mai im Wesentlichen ein Nachholeffekt waren. Der Zinnpreis reagierte im Mai allerdings mit deutlichen Abschlägen.
Erhalten von der Commerzbank am 25.06.2018 um 14:01 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 25.06.2018 um 14:23 Uhr.
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