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Devisenmarkt · 02.07.2018 10:53 Uhr

Halbzeitanalyse

Euro-Scheine
Quelle: BATMANV / Shutterstock.com
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"Die EU ist so schlimm wie China" - dieser Satz von Trump ist für den Handelskonflikt neuer Zündstoff und auch die Regierungskrise in Deutschland ist noch nicht abgewendet. Themen, die den Euro in der zweiten Jahreshälfte bewegen dürften.

- Gastbeitrag von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Der Euro hat zu Beginn der Woche einiges zu verarbeiten: Die Angst eines Handels-krieges zwischen den USA und der EU bekommt nach der Bemerkung des US Präsidenten, dass die EU in Bezug auf Handel möglicherweise so schlimm sei wie China, nur kleiner, neuen Zündstoff, und eine Regierungskrise in Deutschland ist weiterhin nicht abgewendet. Die große Unterstützung der CDU für den Kurs Angela Merkels konnte den Euro in den ersten Handelsstunden etwas unterstützen, doch solange sich keine Einigung mit der Schwesterpartei CSU abzeichnet, bleibt der Fortbestand der Regierung in ihrer jetzigen Form unsicher. Die beiden Unionsparteien planen nach der Rücktrittsankündigung Innenminister Horst Seehofers am Wochenende heute einen letzten Einigungsversuch. Grundsätzlich kann es für den Euro durchaus relevant sein, wenn sich die politische Land-schaft in Deutschland fundamental verändert. Schließlich bleibt der Euro angesichts der unzureichenden wirtschaftlichen und politischen Konvergenz der Mitgliedsländer weiterhin vor allem ein politisch gewolltes Experiment. Deutschland ist zugleich einer der mächtigsten und größten Fürsprecher des Euros. Reformen, die die strukturellen Konstruktionsschwächen der Gemeinschaftswährung ausmerzen und diese langfristig auf ein stabiles Fundament stellen, sind ohne Deutschland nicht denkbar. Ein Auseinanderbrechen der Union aus CDU und CSU würde es in Zukunft nicht einfacher machen, eine stabile Regierungsmehrheit zu finden. Doch bis auf weiteres gibt es kaum Zweifel daran, dass alle Parteien, die für eine Regierungsbildung in Frage kommen, einen wirtschaftspolitisch ähnlichen und grundsätzlich pro-europäischen Kurs unterstützen. Die Stabilität des Euros ist damit auch bei einer weiteren Eskalation im Asylstreit nicht in Gefahr. Die zweite Jahreshälfte beginnt also für den Euro genau so, wie auch das erste Halbjahr geprägt war: politische Unsicherheit in Europa schlägt nur kurzzeitig auf die EUR-Wechselkurse durch, während Geldpolitik und der drohende Handelskrieg mit den USA die dominierenden richtungsweisenden Themen für den Euro bleiben.

Australien: Zinserhöhung in Sicht?

AUD: Der schwelende Handelskonflikt erschwert auch der australischen Zentralbank (Reserve Bank of Australia, RBA) ihre Arbeit. Schließlich würde ein Handelskrieg zwischen den USA und China als wichtigsten Handelspartners Australiens, auch die australische Wirtschaft nicht unberührt lassen. Morgen steht die nächste Zinssitzung an. Doch auch wenn die Wirtschaft zuletzt ordentlich zulegen konnte und die Inflation sich wieder dem Zielbereich annähert, hatte sich die RBA mit Blick auf mögliche Zinserhöhungen zuletzt zurückgehalten. Der Markt hat die Möglichkeit einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr inzwischen vollständig ausgepreist, woraufhin auch der AUD ordentlich Federn lassen musste. Wir sind noch optimistisch und sehen angesichts der guten Fundamentaldaten Raum für eine Zinserhöhung bis Jahresende. Angesichts der eher zunehmenden protektionistischen Risiken müsste die RBA dies jedoch sehr bald signalisieren. Möglichst schon morgen. Sonst steigen die Abwärtsrisiken für unsere RBA und AUD-Prognose.
Erhalten von der Commerzbank am 02.07.2018 um 10:27 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 02.07.2018 um 10:53 Uhr.
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