Nachrichten

Update vom Devisenmarkt · 05.07.2018 10:15 Uhr

Trumps Ei im Nest der SNB

Devisen
Quelle: Roman Motizov / Shutterstock
Beitrag teilen
Durch den gestrigen Feiertag in den USA fehlen fundierte Impulse für das Devisenpaar Euro-US-Dollar. Die heute Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA könnten den Dollar heute unterstützen...

- Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR-USD: Aufgrund des gestrigen Feiertags in den USA, den vermutlich viele Händler für ein langes Wochenende nutzen werden, sind fundierte Impulse in EUR-USD Mangelware. Die US Konjunkturdaten heute Nachmittag können dem Dollar vielleicht noch einmal unter die Arme greifen. Denn sie werden wohl untermauern, dass die US-Wirtschaft gut läuft. Das Protokoll der letzten FOMC-Sitzung, das heute Abend veröffentlicht wird, wird kaum etwas Anderes als das altbekannte Mantra „weitere graduelle Zinserhöhungen“ bringen. Und ob die EZB-Redner Mersch, Nowotny, Nouy und Weidmann noch etwas Salz in die fade Handelssuppe geben werden, bleibt auch fraglich. Denn mehr als die üblichen Floskeln zur Geldpolitik – je nach Falke oder Taube – sind wohl nicht drin. Ich fürchte, dass sich der Handel in EUR-USD heute und morgen dünn und in erster Linie datenabhängig gestalten wird – abgesehen von einigen hektischen und wenig sinnvollen Bewegungen wie derjenigen gestern Abend infolge eines unbestätigten Berichts, einige EZB-Mitglieder sähen die Zinserhöhungserwartungen des Markts für Ende Dezember 2019 als zu schwach an. Aber vielleicht hat ja Präsident Trump Zeit für ein paar Twitter-Nachrichten zum Handelskonflikt (morgen treten die US Zölle auf chinesische Waren in Kraft), die doch noch zu etwas mehr Spritzigkeit vor dem Wochenende führen, indem sie die Risikoaversion anspringen lassen.

Großbritannien: Kommt die Zinsabhebung oder nicht?

GBP: Wer auf eine restriktivere BoE setzt, nur weil der Falke im MPC, Michael Saunders, sagt, man müsse die Zinsen möglicherweise schneller als der Markt erwartet anheben, könnte enttäuscht werden. Saunders stellte fest, dass die Geschwindigkeit bei den Zinsanhebungen zwar gering bliebe, aber bald welche erfolgen müssten. Saunders hat in den letzten drei Zinssitzungen der BoE neben dem Falken Ian McCafferty für Zinserhöhungen gestimmt. Auf der Juni-Sitzung gesellte sich überraschenderweise Andrew Haldane zu den beiden Falken, so dass nunmehr 3 (zuvor nur 2) MPC-Mitglieder für eine Zinserhöhung stimmten. Aber möglicherweise war dies ein taktischer Schachzug. Denn McCafferty wird Ende August aus dem MPC ausscheiden. Sein Nachfolger Jonathan Haskel ist bislang nicht als Falke in Erscheinung getreten, sondern neigt eher der Mehrheit für unveränderte Zinsen zu. Möglicherweise hat sich also Haldane, wohl wissend, dass Haskel eben nicht McCaffertys falkenhafte Haltung einnehmen wird, vorsorglich auf die Seite der Falken geschlagen. Damit läge nach dem Ausscheiden McCaffertys das Stimmverhältnis zumindest wieder bei 7:2 (Saunders und Haldane für Zinserhöhung) und nicht bei nur noch 8:1 (nur noch Saunders für Zinserhöhung). Denn letzteres wäre dann wiederum ein taubenhaftes Signal an den Markt und nach den Kommunikationspannen der BoE in den letzten Wochen kaum wünschenswert. Derweil schart morgen Theresa May ihre Minister auf ihrem Landsitz zusammen, um endlich in einem ominösen „White Paper“ eine gemeinsame Gangart in Sachen Brexit auszuarbeiten, die man der EU auch vorlegen kann. Ich hoffe dabei, dass das Papier nicht aufgrund der innerparteilichen Differenzen doch wieder weiß bleibt. So oder so bleibt es spannend in der britischen Geld- und Brexitpolitik, aber ich fürchte, dass das Pfund letztlich doch wieder der Leidtragende sein wird.

Schweizer Franken als sicherer Hafen gefragt

CHF: Kaum hat man ein Problem überwunden, steht man vor dem nächsten – das kennt wohl jeder. Und genau diese Erfahrung muss auch die SNB machen. Denn was die Inflationsentwicklung seit Jahresanfang anbelangt, gibt es eigentlich nicht mehr viel zu meckern, das dürften die Inflationszahlen für Juni heute zeigen. Der unterliegende Trend bei Gesamt- und Kerninflation hat angezogen. Deshalb hat die SNB auch auf ihrer Juni-Sitzung ihre Prognose für 2018 angehoben. Aber ein Exit von der expansiven Geldpolitik ist nicht in Sicht. Denn mit den Spannungen an den Finanzmärkten infolge des drohenden Handelskriegs ist der Franken als sicherer Hafen wieder gefragt. Und was die SNB sicherlich nicht gebrauchen kann, ist eine weitere Aufwertung des Franken, die wiederum Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben könnte. Konsequenterweise blieb sie bei ihrer Haltung auf der Juni-Sitzung und sieht den Franken weiterhin als „hoch bewertet“. Solange die Gefahr eines steigenden Franken infolge steigender Risikoaversion nicht gebannt ist, gibt es für die SNB keine Chance, sich etwas weniger expansiv als die EZB zu zeigen. Da hat ihr dann wohl Präsident Trump mit seiner Handelspolitik ein Ei ins Nest gelegt, das sie in der geldpolitischen Bewegungsunfähigkeit gefangen hält. Steigende Zinsen in der Schweiz bleiben daher noch lange eine Chimäre.
Erhalten von der Commerzbank am 05.07.2018 um 10:00 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 05.07.2018 um 10:15 Uhr.
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten