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Blick auf den Devisenmarkt · 09.07.2018 10:15 Uhr

Das letzte Wort

Devisenausblick
Quelle: William Potter / Shutterstock
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Es wird ernst im Handelsstreit: Seit Freitag sind die Strafzölle auf chinesische Waren in Kraft. Die Märkte reagieren bislang gelassen, vor allem Währungen von Schwellenländern erleben eine Aufwertung. Woran liegt das?

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird es ernst. Seit Freitag sind chinesische Waren mit US-Strafzöllen belegt. Die chinesische Regierung hat im Gegenzug Zölle auf US-Produkte eingeführt. Der Markt reagierte bislang überraschend gelassen darauf, dass die Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten nun langsam konkret wird. So steht immerhin die Drohung von US-Präsident Trump, Strafzölle auf quasi alle Importe aus China einzuführen, sollte die Regierung in Peking nicht nachgeben, weiterhin im Raum. Trotz dieses Risikos hat in den letzten Tagen sogar eine Erholung an den Finanzmärkten eingesetzt. An den Devisenmärkten spiegelt sich dies insbesondere in einer Aufwertung vieler Emerging Market Währungen wider. Verstärkt wurde die Korrektur dann noch durch den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, der ein niedriger als erwartetes Lohnwachstum auswies und dem USD damit einen Dämpfer verpasste. Mir fallen zwei Gründe für die Gelassenheit am Markt ein:
1) Das bisherige Ausmaß der Einfuhrzölle hält sich in Grenzen und überraschte nicht. Zuletzt hat sich US-Finanzminister Steven Mnuchin zudem überaus bemüht gezeigt, die Gemüter zu beruhigen und den Konflikt herunterzuspielen. So betonte er, dass es sich nicht um einen Handelskrieg sondern lediglich einen Disput handele. Darüber hinaus hatte Mnuchin wohl vor kurzem verhindert, dass noch stärkere Maßnahmen gegen China ergriffen werden.
2) Bisher hat sich die Angst vor einem Handelskrieg nicht spürbar auf die Wirtschaft ausgewirkt. Sowohl in China als auch in den USA verharren die Stimmungsindikatoren auf hohen Niveaus (siehe Abbildung). Auch der US-Arbeitsmarkt zeigt sich bislang unbeeindruckt von den Entwicklungen im Handelsstreit wie wir am Freitag feststellen konnten. So bleibt der kräftige Beschäftigungszuwachs ungebrochen. Zwar enttäuschte das Lohnwachstum im Juni etwas. Das ist aber wohl kaum auf die US-Handelspolitik zurückzuführen. So steigen die Löhne schon seit einer ganzen Weile viel langsamer als man angesichts der niedrigen Arbeitslosenquote angenommen hätte.
Das letzte Wort in der Auseinandersetzung zwischen den USA und China ist zweifellos noch nicht gesprochen. Da unsere Volkswirte befürchten, dass sich der Streit eher noch weiter verschärfen wird (siehe hierzu Woche im Fokus: Was zerstört der Handelskrieg vom 6. Juli), würde ich davon ausgehen, dass die aktuelle Entspannungsphase nicht von Dauer sein wird.