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Parität wird unwahrscheinlicher · 24. März 2017

Dollar-Höhenflug schon beendet?

US-Dollar gibt ab
Quelle: Shutterstock
Hatte der Wahlsieg von Donald Trump dem US-Dollar im vergangenen Jahr noch deutlich Rückenwind verliehen und die Parität zum Euro schien nur eine Frage der Zeit zu sein, so hat sich nun das Blatt gewendet.

- von Cornelia Frey, Börse Stuttgart News Redaktion -
Aktuell bestimmen einmal mehr die Notenbanken, Donald Trump und die Politik in Europa die Marschroute beim Devisenpaar Euro / US-Dollar. Hatten die hohen Erwartungen an die neue Wirtschaftspolitik von Donald Trump den US-Dollar beflügelt, und den Euro im Gegenzug im Dezember bis auf 1,04 US-Dollar gedrückt, so macht die Trump-Party aktuell zumindest eine Pause. Damit notiert der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder knapp unter 1,08 US-Dollar. Am Markt wird immer deutlicher, dass sich die von Trump angestrebten Wahlversprechen wie beispielsweise Steuersenkungen so schnell nicht umsetzen lassen. Das birgt nach der Euphorie der vergangenen Monate erhebliches Enttäuschungspotential. Mit den am Abend im Repräsentantenhaus anstehenden Abstimmungen zur Gesundheitsreform könnte der Dollar gegenüber dem Euro weiter an Boden verlieren.

EZB vor Kurswechsel?

Ein weiterer Kurstreiber für den Greenback war der unterschiedliche Kurs der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks. Zwar dürfte die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in den USA in diesem Jahr weiter anheben – dies ist aber in den Kursen bereits eingepreist. In Europa hingegen wird der Ruf nach einem Kurswechsel der Währungshüter nun lauter. Im Februar war die Inflationsrate in Deutschland so hoch wie seit August 2012 nicht mehr. Um 2,2 Prozent zogen die Preise gegenüber dem Vorjahr an. In Europa ging es knapp zwei Prozent nach oben. Das bedeutet, dass die von der EZB gesetzte Zielmarke wieder erreicht wurde. Zudem zieht die Wirtschaft in der Eurozone wieder an.

Politische Risiken nehmen ab

Ein Belastungsfaktor waren zuletzt die Sorgen vor einem Wahlsieg der Euro-Gegner in den Niederlanden und Frankreich. Während in den Niederlanden die Euro-Befürworter die Nase vorne hatten, zeichnet sich in Frankreich beim ersten Wahlgang noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Le Pen und dem parteilosen Kandidaten Emmanuel Macron ab. Im entscheidenden zweiten Wahlgang würde Macron jedoch mit einem deutlichen Vorsprung von etwa 60 Prozent gegenüber 40 Prozent für Le Pen gewinnen. Aufgrund dieses großen Vorsprungs in den aktuellen Umfragen und den Erfahrungen in den Niederlanden erscheint das Risiko eines für den Euro negativen Wahlausgangs gering. Dies kommt dem Euro zugute.

Charttechnik: Überwindet der Euro die Widerstände?

Nachdem der Euro es am Donnerstag nicht schaffte, sich entscheidend über den Widerstand im Bereich 1,0790/ 1,0800 USD abzusetzen, könnte die Abstimmung im US-Repräsentantenhaus heute für Rückenwind sorgen. Somit könnte eine Enttäuschung bei der Gesundheitsreform zumindest in Form eines schwächeren Dollars den US-Präsidenten erfreuen. Denn niedrige Dollar-Notierungen bedeuten bessere Exportchancen für amerikanische Firmen. Und die Stärke des US-Dollars hatte US-Präsident Trump in den vergangenen Monaten oftmals kritisiert.