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Devisenmarkt · 16.07.2018 10:35 Uhr

Trump kann dick auftragen

Währungen Dollar, Euro und Co
Quelle: violetkaipa / shutterstock.com
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Das Treffen von Trump und Putin in Helsinki hat auch für den Devisenmarkt eine Bedeutung: Sollte es dort zu weiteren verbalen Attacken kommen, dürften kurzfristig die sicheren Häfen wie Dollar, Yen und Franken wieder an Wert zulegen...

- Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR-USD: Nachdem US-Präsident Donald Trump letzte Woche anlässlich seines Besuchs in Europa die EU aufgemischt, sie als (handelspolitischen) „Feind“ tituliert hatte und über seine Aussagen zum Brexit sogar das Pfund durchschüttelte, trifft er sich heute mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki. Dass die Weltordnung mit Trump nicht mehr so ist, wie wir sie ehemals kannten, ist mittlerweile jedem klar. Wichtig für den Devisenmarkt wird sein, ob es für ihn Anlass gibt, sich wieder risikoscheuer zu zeigen, sei es aus Gründen der Sicherheits- oder Handelspolitik. Deshalb wird spannend, ob sich die beiden Alphatiere vertragen werden oder ob es zu verbalen Attacken kommen wird. Ist letzteres der Fall, werden kurzfristig die sicheren Häfen wie Dollar, Yen und Franken wieder an Wert zulegen.
Aus seiner Sicht hat Trump sicherlich allen Grund, dick aufzutragen. Denn er wird sich das starke Wachstum der US-Wirtschaft auf die Fahne schreiben. Die US Konjunkturdaten diese Woche dürften für ein starkes zweites Quartal sprechen. Deshalb sind auch Sorgen davor, dass sich Fed Chairman Jerome Powell bei seiner halbjährlichen Anhörung vor Senat und Repräsentantenhaus Dienstag und Mittwoch vorsichtiger anhört, was weitere Zinserhöhungen anbelangt, meines Erachtens unbegründet. Für mich gibt es daher kaum gute Argumente, weshalb der Dollar kurzfristig deutlich nachgeben sollte.
CHF: Irgendwie doof, wenn man sich immer nach anderen richten muss. Das ist leider das Schicksal der SNB. Akuten Handlungsbedarf gibt es zwar nicht (mehr), was den Franken anbelangt. Die SNB kann etwas aufatmen, da EUR-CHF wieder Richtung 1,20 anzieht. Aber die Bewegungen der letzten Tage im Franken zeigen, wie sehr er auch von der Risikostimmung am Markt dank der Trumpschen Handelspolitik getrieben ist; das Problem „sicherer Hafen“ ist noch nicht überwunden. Gleichzeitig hängt die SNB aber auch von der Geldpolitik der EZB ab. Denn würde sie schnellere Zinserhöhungen als die EZB signalisieren, käme der CHF ebenfalls schnell wieder unter Aufwertungsdruck. Selbst wenn sich der Franken also im Moment auf für die SNB wohl unproblematischen Niveaus befindet, so kann sie sich nicht zurücklehnen, sondern muss sowohl die EZB als auch Trump genau im Auge behalten.
CAD: Die Bank of Canada (BoC) wird nach letzter Woche den Leitzins weiter anheben. Die Frage ist wann und wie oft dies Jahr. Wir rechnen frühestens im Oktober mit dem nächsten Schritt. Zwar zeigt sich die BoC optimistisch, was die heimische Wirtschaft und die Inflationsentwicklung anbelangt. Beides erfordert zukünftig eine straffere Gangart. Aber die Unsicherheit im Zuge des globalen Handelskonflikts hat zugenommen. Ohne diese Unsicherheit würde die BoC sicher mit einem zügigen Zinserhöhungszyklus fortfahren. Doch die möglichen Auswirkungen sind auch für die BoC schwer abzuschätzen, weshalb sie den Datenfluss genau im Auge behalten wird. Das Aufwärtspotential für den CAD ist unter diesen Gegebenheiten begrenzt, denn solange die NAFTA-Verhandlungen ergebnislos verlaufen und der weltweite Handelskonflikt an Intensität zunimmt, ist eine Risikoprämie auf den CAD gerechtfertigt, straffere Geldpolitik hin oder her.
 
Erhalten von der Commerzbank am 16.07.2018 um 10:00 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 16.07.2018 um 10:35 Uhr.
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