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Euro im lethargischen Zustand · 19.07.2018 10:15 Uhr

Endlich Sommerpause

Sonne im Sommer
Quelle: Iakov Kalinin / Shutterstock.com
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Ist der Euro in der Sommerpause? Zumindest herrscht bei der Gemeinschaftswährung im Grunde genommen schon seit Wochen tote Hose. Anders beim Britischen Pfund: Die Währung schwankt durch die Diskussionen um den Brexit...

- Gastbeitrag Thu Lan Nguyen (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Der Euro befindet sich gefühlt schon seit Anfang des Jahres in der Sommerpause. Abgesehen von den etwas stärkeren Bewegungen um die Italien-Krise herum und nach der letzten EZB-Sitzung herrscht bei der Gemeinschaftswährung im Grunde genommen tote Hose. Interessant ist, dass auch die jüngsten Handelsspannungen zwischen den USA und der EU bisher keine sichtbare Reaktion ausgelöst haben. Und dabei zählt die Eurozone mit China zu den weltweit größten Exporteuren. Der EUR hat sogar tendenziell aufgewertet, was ich auf eine erhöhte Risikoaversion aufgrund der Angst eines globalen Handelskrieges und seinen Status als sicherer Hafen zurückführen würde. Die Entwicklung des EUR-USD-Kurses wird allerdings nach wie vor im Wesentlichen durch den USD bestimmt. Da in den nächsten Monaten auch keine Impulse von der EZB zu erwarten sind, würde ich davon ausgehen, dass der Euro erst einmal in diesem lethargischen Zustand bleibt.
GBP: Das britische Unterhaus gleicht einem Pulverfass. Auch gestern konnte Premierministerin Theresa May eine Rebellion im Parlament mit dem Ziel, Großbritannien in einer Zollunion mit der EU zu halten, nur knapp abwenden. Es wird zunehmend offensichtlich, dass es May immer schwerer fällt, im Parlament eine Mehrheit für „ihren“ Brexit-Plan zu gewinnen. Geht May auf Forderungen der Brexit-Hardliner ein, verliert sie die Unterstützung der Befürworter eines weicheren Brexits. GBP-Händler reagieren darauf nervös, bereits ab dem Nachmittag wertete das Pfund deutlich ab und konnte sich auch kaum erholen, nachdem May die entscheidende Abstimmung für sich gewonnen hatte. Nachdem das Pfund während der ganzen Diskussion um den in Chequers ausgehandelten Brexit-Plan der Regierung und die damit verbundenen Rücktritte erstaunlich stabil geblieben war, zeigen die gestrigen Wechselkursbewegungen, dass es für das Pfund durchaus noch ein heißer Sommer werden kann. Denn der Chequers Kompromiss hat zwar die Chancen erhöht, dass endlich wieder Leben in die Brexit-Verhandlungen mit der EU kommt, und ein weicherer Brexit ausgehandelt werden kann, als es von der britischen Regierung noch vor einigen Monaten angestrebt wurde, was GBP-positiv ist. Die größere Gefahr für die GBP-Wechselkurse liegt aber innerhalb der britischen Regierung. May fehlt der klare Rückhalt ihrer Partei, weshalb weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann, dass ihre Führungsrolle in Frage gestellt wird oder ein möglicher Brexit-Deal auf britischer Seite scheitert. Angesichts dessen wird es wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass GBP Verluste einstecken muss, weil GBP-Händler aufgrund der innerpolitischen Entwicklungen in Großbritannien plötzlich kalte Füße bekommen.
GBP-Bullen hoffen angesichts der politischen Unsicherheit auf die Unterstützung der Bank of England. Doch solche Hoffnungen sind in unseren Augen trügerisch. Denn für das Pfund bedeutet ein Brexit-Deal alles oder nichts. Die gestrigen Arbeitsmarktdaten haben zwar die Hoffnung auf eine Zinserhöhung im August gestärkt und auch die heutigen Inflationsdaten dürften der BoE keinen Strich durch die Rechnung machen. Doch die Diskussionen über weitere Zinserhöhungen wären schnell passé sollte sich nicht bald ein Brexit-Deal abzeichnen. BoE-Gouverneur Mark Carney hat auch gestern wieder nahegelegt, dass der Ausblick der BoE mit dem Brexit steht und fällt. Neben deutlichen Konsequenzen für die Wirtschaft sieht Carney die Finanzstabilität in Gefahr, falls Großbritannien die EU ohne ein Folgeabkommen verlässt. Für diesen Fall bereitet die BoE entsprechende Notfallmaßnahmen vor, die einen Pfund-Absturz im Fall der Fälle jedoch kaum abfedern könnten.
AUD: Die starken Arbeitsmarktdaten konnten dem Aussie heute früh zwar etwas Rücken-wind verleihen. Doch insgesamt notiert die australische Währung noch immer nahe ihrer Jahrestiefs gegenüber dem US-Dollar. Das liegt daran, dass der Markt daran zweifelt, dass die australische Notenbank (Reserve Bank of Australia, RBA) in absehbarer Zeit ihre Geldpolitik normalisieren könnte. Grund dafür ist wiederum der Handelsstreit zwischen den USA und China, der auch die australische Wirtschaft aufgrund ihrer Nähe zu China beeinträchtigen könnte. Wir halten diese Sicht für zu pessimistisch. Schließlich läuft die australische Wirtschaft aktuell rund. Und da die Regierung in Peking einen stärkeren Abschwung verhindern sollte, halten wir auch die Abwärtsrisiken für begrenzt. Wir sehen daher eine gute Chance, dass die RBA Ende dieses Jahres ihre Zinsen erhöht und sich der AUD im Zuge dessen deutlich erholt.
Erhalten von der Commerzbank am 19.07.2018 um 10:01Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 19.07.2018 um 10:15 Uhr.
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