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Update vom Devisenmarkt · 24.07.2018 09:40 Uhr

Wie reagiert der Euro auf den Handelsstreit?

Euro-Scheine
Quelle: BATMANV / Shutterstock.com
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Der Handelsstreit ist und bleibt das dominierende Thema an den Finanzmärkten. Die Währungskurse des CNY und des US-Dollars hat er bereits ordentlich bewegt. Nur den Euro bislang nicht. Doch das könnte sich bald ändern...

- Gastbeitrag von Thu Lan Nguyen (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Der schwelende Handelskrieg ist und bleibt das dominierende Thema an den Finanzmärkten und hat in den letzten Wochen für ordentlich Bewegung in den CNY- und USD-Wechselkursen gesorgt. Nur den Euro scheinen die Investoren bislang außen vor zu lassen. Unser Währungsindex zeigt, dass die Gemeinschaftswährung seit der kurzen italienischen Regierungskrise tendenziell aufgewertet hat. Doch die Bewegung ist überaus moderat. Die verhaltene Reaktion in den Euro-Wechselkursen mag daran liegen, dass sich der Konflikt zwischen den USA und der EU bisher noch nicht weiter verschärft hat. Doch bizarr daran ist meiner Ansicht nach, dass die Euroraum Wirtschaft die einzige ist, die bereits sichtbar unter dem Zollstreit zu leiden hat. So hat sich die Stimmung unter den europäischen Unternehmen zuletzt deutlich eingetrübt, was mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen ist, dass die Sorgen in Bezug auf den Handelskonflikt mit den USA zunehmen. Unsere Euroraum-Experten gehen entsprechend davon aus, dass die Frühindikatoren im Juli weiter gesunken sind. Sollten die Einkaufsmanagerindizes heute sogar einen stärker als erwarteten Einbruch aufweisen, könnte der Handelsstreit zunehmend auch für den Euro ein Thema werden. Und erst Recht, wenn der kommende Besuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Washington keine Schlichtung im Konflikt bringen sollte. So war die Aussicht auf erste geldpolitische Normalisierungsschritte der EZB zweifellos eine wichtige Stütze für den Euro in den letzten Monaten. Doch diese werden sicherlich zunehmend in Zweifel gezogen, sollte die Euroraum Wirtschaft durch den Handelskonflikt stärker ausgebremst werden.
JPY: Trotz der jüngsten Gerüchte, dass die Bank of Japan (BoJ) plane, ihre Geldpolitik nachhaltiger zu gestalten (siehe TagesInfo Devisen von gestern) hält die Mehrheit der Analysten laut einer Umfrage daran fest, dass die Notenbank in ihrer Sitzung kommende Woche am Status Quo vorerst festhalten wird. Ich würde mich dieser Meinung grundsätzlich anschließen. Allerdings scheint es mittlerweile so, als könne die BoJ nicht mehr ewig an ihrer derzeitigen geldpolitischen Strategie festhalten. Denn auf der einen Seite spricht der zuletzt enttäuschende Inflationstrend dafür, dass sie ihre Geldpolitik eigentlich weiter lockern bzw. sie zumindest unverändert expansiv belassen müsste. Auf der anderen Seite nehmen aber offensichtlich die Sorgen in den Reihen der BoJ bezüglich der Nachhaltigkeit der Geldpolitik zu – genau genommen bezüglich der Nebenwirkungen der ultra-expansiven Ausrichtung auf den Bankensektor. So hatte die BoJ die Strategie der Zinskurvenkontrolle nicht nur deswegen eingeführt, um ihre Anleihekäufe reduzieren zu können, sondern auch, um die Zinskurve zu versteilern und so den Margendruck für die Banken zu lindern. Zumindest mir fällt keine Lösung ein, mit der die BoJ beide Probleme gleichzeitig lösen kann. Denn wie sich gestern gezeigt hat: Sobald Spekulationen aufkommen, dass die BoJ die Zinskurve weiter versteilern könnte, indem sie das Renditeziel am langen Ende anhebt, wertet der JPY natürlich auf. Und die BoJ kann versuchen, eine solche Anpassung zu verkaufen wie sie will, für den Markt zählt letztlich nur die Tatsache, dass die Zinsen steigen. Der stärkere JPY drückt dann zusätzlich auf die Preise, womit das Inflationsziel der BoJ in noch weitere Ferne rückt. Hält sie jedoch an den derzeitigen Zinsniveaus fest, um die Inflation anzuschieben, könnte dies – das scheint die Angst unter einigen BoJ-Vertretern zu sein – die Finanzstabilität bedrohen. So wie es aussieht, muss sich die BoJ zwischen Preis- und Finanzstabilität entscheiden, womit sich auch der JPY an einem Scheideweg befindet.
Erhalten von der Commerzbank am 24.07.2018 um 09:08 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 24.07.2018 um 09:40 Uhr.
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