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Blick auf den Devisenmarkt · 26.07.2018 10:35 Uhr

Ein Foto sagt mehr als tausend Worte

Trump Cartoon
Quelle: VILevi / Shutterstock.com
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Trump und Juncker haben die Eskalation des Handelsstreits erst einmal vermieden. Kann der Markt jetzt aufatmen? Vielleicht kurzfristig. In den Blick rückt heute erst einmal die letzte EZB-Sitzung vor der Sommerpause.

-Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
USD: Wenn es um Autos geht, werden viele – insbesondere Männer – emotional. Dem kann sich augenscheinlich auch US-Präsident Donald Trump nicht entziehen, der offensichtlich deutschen Boliden zugeneigt ist. Ein Foto, wie jenes von Starfotografin Annie Leibovitz im Jahr 2006 von Trump aufgenommen, sagt einfach mehr als tausend Worte. Aber es liegt wohl kaum daran, dass Trumps mögliche nächste Neuerwerbung aus dem Ländle 25% mehr hätte kosten können, dass er und EU Präsident Jean-Claude Juncker die Eskalation des Handelsstreits erst einmal vermieden haben. Ich glaube eher an ökonomische Einsicht und politisches Kalkül. Denn innerhalb der USA regte sich zuletzt erheblicher Widerstand aus der eigenen sowie der Oppositionspartei, vor allem aber auch aus Industrie und Handelsverbänden gegen derart drastische Maßnahmen wie hohe Zölle auf PKW und Autoteile. So ersuchte bereits eine überparteiliche Gesetzesvorlage („Automotive Jobs Act of 2018“) von Republikanern und Demokraten, die Einführung von Zöllen auf PWK zu verschieben.
Es ist grundsätzlich nicht einfach, die genauen Auswirkungen von Zöllen auf die heimische Industrie und Wirtschaft abzuschätzen. Denn die Wertschöpfungsketten sind in der globalisierten Welt eng miteinander verwoben und die Lieferketten erstrecken sich oft über die Kontinente hinweg. Zölle können sich deshalb plötzlich als Bumerang erweisen – eine Erkenntnis, die sich zunehmend in den USA breit macht und an der sehr drastischen Durchsetzungsweise des Präsidenten seiner „America First“-Strategie Zweifel aufkommen ließen. Ausländische Autofirmen beispielsweise haben in den USA umfangreiche Produktionsstätten aufgebaut, die den US-Markt bedienen und viele Arbeitsplätze sichern, aber auch in erheblichem Umfang exportieren. Wichtige Bauteile wie Motoren werden dabei aus dem Ausland importiert und würden entsprechend mit Zöllen belastet, was (1) den Preis der fertigen PKW auf dem US-Markt aber auch (2) den Preis der in den USA gefertigten PKW für den Exportmarkt erhöhen würde. Allein an diesem Beispiel wird die Komplexität der Frage „Zölle“ klar: ersteres führt zu höherer Inflation in den USA (und damit zu steigenden Zinsen, zu einer Aufwertung des Dollar und einem neuen präsidialen Reizthema), letzteres möglicherweise zu sinkenden US-Exporten oder zur Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland aufgrund sinkender Wettbewerbsfähigkeit mit der Folge von Arbeitsplatzverlusten. Ansätze hierzu sind bereits erkennbar: so kann es kein Zufall sein, dass neuerdings das 3er Modell eines bayrischen SUV nicht nur im US-amerikanischen Spartanburg sondern auch in China vom Band rollt. Daneben gibt es natürlich noch unzählige weitere Aspekte. Handelspolitik ist eben nicht so einfach, wie manch einer denken mag.
Kann der Markt jetzt aufatmen, weil der Handelskrieg vorbei ist? Ich bin skeptisch und fürchte, wir haben es auch mit politischem Kalkül zu tun. Positiv ist zu werten, dass keine neuen Zölle zwischen der EU und den USA eingeführt werden, obwohl die EU ihre 10%igen Zölle auf US-PKW beibehalten werden, was Trump eigentlich ein Dorn im Auge war, und dass die EU und die USA daran arbeiten möchten, bestehende Handelsbeschränkungen abzubauen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das Thema mit ein paar EU-Importen von Sojabohnen und Flüssiggas ein für alle Mal vom Tisch ist. Positiv ist ebenfalls, dass sich angeblich auch die Möglichkeit einer Einigung bei der NAFTA abzeichnet – die Verhandlungen starten heute wieder. Aber gegenüber China bleibt Trump hart. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass angesichts des zunehmenden Widerstands in den USA Trump im Vorfeld der Mid-Term Elections im Herbst mit den ehemaligen „guten“ Partnern Schulterschluss zeigt, um Ängste über negative Auswirkungen seiner Handelspolitik im eigenen Land zu zerstreuen, aber gleichzeitig gegen andere handelspolitische Gegner wie China weiter Härte zeigt. Kurzfristig kann der Markt wohl aufatmen. Aber das Thema Handelskrieg ist m.E. noch lange nicht vom Tisch und dürfte uns spätestens zum Jahresende wieder mehr beschäftigen.
EUR: EZB Präsident Mario Draghi wird aufgeatmet haben, als er die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone für Juli gesehen hat, denn sie haben sich stabilisiert. Damit kann er die heutige EZB-Sitzung ruhig angehen lassen. Wir erwarten sowieso keine nennenswerten neuen Details, die den Euro stark bewegen könnten. Seit der denkwürdigen Sitzung im Juni, als Draghi klarstellte, dass die EZB noch lange expansiv bleiben wird, und als der Markt seine Erwartungen anpassen musste, woraufhin der Euro auf Talfahrt ging, hat sich nichts Neues ergeben, was eine Änderung der EZB-Linie rechtfertigen würde. Damit entbehren auch Spekulationen über eine Veränderung der Forward Guidance (unveränderte Zinsen „über den Sommer 2019“ hinaus) und über Aussagen zur genaue Terminierung einer ersten Zinserhöhung jeglicher ernster Grundlage. Sicherlich wird Draghi sich auf der Pressekonferenz hierzu einige Fragen gefallen lassen müssen, sich dabei aber alle Türen offen halten. Und damit auch dem Euro kein neues Leben einhauchen.

Bank of England: Leitzinserhöhung steht kurz bevor

GBP: Für die große Mehrheit im Markt ist klar: die Bank of England (BoE) wird nächste Woche den Leitzins anheben. Auch wir gehen davon aus. Denn Argumente gibt es dafür ausreichend: im großen Kontext ist die Wirtschaft jetzt in einem deutlich besseren Zustand als 2009, zum Zeitpunkt der letzten Zinssenkung. Außerdem hatten sich BoE-Offizielle früher oftmals im Vorfeld der Zinssitzung geäußert, wenn sie der Meinung waren, dass der Markt mit seinen Erwartungen falsch lag. Bislang verhielt sich die BoE aber zu den aktuellen Markterwartungen ruhig. Auch das eher taubenhafte MPC-Mitglied Ben Broadbent ließ sich am Dienstag als letzter Redner vor der Redesperrfrist zu keiner Aussage mehr hinreißen. Das alles spricht dafür, dass die BoE nächste Woche zur Tat schreiten wird.
Dennoch besteht das Risiko, dass die BoE den Leitzins unverändert belässt. Es ist möglich, dass sie die klare Kommunikation mit dem Markt nach den letzten Pannen einfach aufgegeben hat. Außerdem haben die Inflations- und Lohndaten zuletzt enttäuscht. Erinnern wir uns außerdem an die letzte Zinssitzung der BoE: drei MPC-Mitglieder sprachen sich im Juni zugunsten einer Zinserhöhung aus, sechs dagegen. Es müssten sich also noch zwei weitere Falken finden, damit sich das Abstimmungsverhältnis von 3:6 auf 5:4 zugunsten einer Zinserhöhung verschiebt. Die Chance hierfür ist zugegebenermaßen gerade jetzt größer als nach dem Ausscheiden vom Falken Ian McCafferty Ende August, denn sein designierter Nachfolger scheint eher dem Taubenlager zugeneigt zu sein. Aber ob sich trotz der weniger überzeugenden jüngsten Fundamentaldaten und angesichts der Brexit-Risiken zwei weitere Falken finden werden, kann angezweifelt werden. Erhöht die BoE den Leitzins am kommenden Donnerstag nicht, wäre das aufgrund der Markterwartungen ein negatives Signal für das Pfund, das sich dann erstmal in den freien Fall begeben würde.
Erhalten von der Commerzbank am 26.07.2018 um 10:27 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 26.07.2018 um 10:35 Uhr.
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