Nachrichten

Gastkommentar Commerzbank-Research · 24. März 2017

Risikofaktor: Brexit-Unsicherheit – was Anleger auf keinen Fall ausblenden dürfen!

zerbrochenes Ei
Quelle: Shutterstock
Seit dem positiven Austrittsvotum vom 23. Juni 2016 steht der Brexit fest. Doch ab heute tickt auch tatsächlich die Uhr. Anleger sollten die Brexit-Risiken wieder im Blick haben. Doch der Reihe nach:

Theresa May hat angekündigt, den Europäischen Rat, Gremium der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, am 29. März 2017 über die Austrittsabsicht Großbritanniens im Einklang mit Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union zu informieren. Nun haben die Europäische Union und Großbritannien genau zwei Jahre Zeit, um die Trennung zu vollziehen. Die Verhandlungen darf man sich dabei wohl ähnlich einer Ehescheidung vorstellen: Es geht um die Trennung von Gütern, die Verhandlung von Unterhaltsansprüchen sowie die Ausgestaltung der künftigen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich um den anderen 27 Mitgliedsstaaten. Die zu erwartenden Spannungsfelder zeichnen sich dabei bereits sehr deutlich ab: Während Theresa May wohl zunächst über ein mögliches Freihandelsabkommen sowie Zugang zum europäischen Binnenmarkt verhandeln will, wird der Fokus der EU auf Themen wie Pensionsverpflichtungen, zugesagte Beiträge sowie Haftung für gemeinsame Schulden liegen.

Anleger blenden Risiken aus

Privantanleger blenden diese Risiken derzeit aus. Ganz anders die Institutionellen Investoren, die bereits gezielt auf den TAG X schauen. Denn die britische Regierung hat mittlerweile bekannt gegeben, dass sie einen „harten“ Brexit, also einen Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion, anstrebt. Die Brexit-Unsicherheit wird also noch lange anhalten. Auch wenn die Verhandlungen mit der EU beginnen, wird die Unsicherheit darüber anhalten, wie die zukünftigen (Wirtschafts-)Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien aussehen werden. So erscheint der Zeitrahmen von zwei Jahren für eine Einigung sehr ambitioniert, insbesondere, da jedes einzelne EU-Land dem finalen Abkommen zustimmen muss. Klar ist, dass die wirtschaftliche Integration zwischen den beiden Ländern abnehmen wird. Es ist höchst ungewiss, ob Großbritannien dies direkt über eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Ländern wird abfangen können. Die Analysten der Commerzbank sehen deshalb kein nachhaltiges Erholungspotenzial für das Pfund. Vielmehr existieren Abwärtsrisiken, da die Verhandlungen mit der EU extrem langwierig und kompliziert werden.

Notenbank hält sich zurück

Vor diesem Hintergrund dürfte die Bank of England (BoE) an ihrer unterstützenden Geldpolitik festhalten – obwohl die Inflation aufgrund der GBP-Abwertung deutlich anziehen dürfte. Da die BoE angesichts der konjunkturellen Unsicherheit zögern wird, angemessene Gegenmaßnahmen zu ergreifen, überwiegt der GBPschwächende Effekt einer höheren Inflation und belastet tendenziell die GBP-Wechselkurse.