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Marktbericht: update von 15:00 Uhr · 27.04.2018 15:00 Uhr

Trump-Juncker-Deal hat Stimmung verbessert: DAX baut Gewinne aus

Gute Stimmung
Quelle: wavebreakmedia / Shutterstock.com
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Nach der Erleichterung über die Verständigung zwischen den USA und der EU zum aktuellen Handelskonflikt kann der DAX seine Gewinne vom Donnerstag weiter ausbauen. Amazon kletterten nach Zahlen auf ein neues Rekordhoch. BASF enttäuschte.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:10min, 27. Juli 2018, 10:50 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 27.07.2018 -
Die Erleichterung über den Deal zwischen den USA und der EU im aktuellen Handelskonflikt war auch an den Aktienbörsen zu spüren. Nachdem der DAX gestern bereits deutlich zugelegt hatte, setzt er seine Aufwärtsbewegung auch heute fort.
So notiert das deutsche Börsenbarometer aktuell bei 12.882 Punkten mit 0,6 Prozent im Plus. Dies bedeutet auf Wochensicht immerhin schon ein Plus von rund drei Prozent.
Die optimistischere Stimmung an den Börsen Kontinentaleuropas war ausgelöst worden, nachdem US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwochabend in Washington beschlossen hatten, Gespräche über die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter aufzunehmen. Zudem sind wohl mögliche hohe Sonderzölle auf importierte Autos vorerst vom Tisch.
Nachdem es der deutsche Leitindex am Vortag sogar wieder über die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Handelstage schaffte, sieht auch die charttechnische Situation wieder etwas besser aus.
Abgesehen vom Handelsstreit sind die Investoren in diesen Tagen auf die laufende Berichtssaison ausgerichtet. Am Nachmittag, um 14:30 Uhr (MESZ), rückt zudem die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum der USA im zweiten Quartal in den Fokus. Gerechnet wird damit, dass die Konjunktur spürbar angezogen hat.

Einfuhrpreise ziehen in Deutschland deutlich an

Die Preise von importierten Gütern haben in Deutschland stärker als erwartet zugelegt.
Das Preisniveau lag im Juni 4,8 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Das ist die höchste Rate seit April 2017.
Analysten hatten im Schnitt mit 4,5 Prozent gerechnet. Im Mai hatte die Rate noch bei 3,2 Prozent gelegen.
Den Statistikern zufolge seien die Importpreise vor allem durch die gestiegenen Energiepreise nach oben getrieben worden. Energieeinfuhren haben sich demnach im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 37,6 Prozent verteuert. Beim Rohöl kletterten die Preise sogar um mehr als fünfzig Prozent.
Im Monatsvergleich stiegen die Einfuhrpreise insgesamt um 0,5 Prozent. Auch dies lag über den Markterwartungen.

BASF: Höhere Preise - mehr Wachstum - Anleger enttäuscht

Höhere Preise und Verkaufsmengen haben dem Chemiekonzern BASF im zweiten Quartal einen leichten Schub gegeben.
Gegenwind gab es erneut von der Währungsseite. Der starke Euro zehrte einen Teil der Umsatzzuwächse auf.
Am Markt enttäuschten die Zahlen. Die Aktie liegt aktuell bei 82,25 Euro mit 2,8 Prozent im Minus. Händlern zufolge seien fast alle Sparten in ihrer Geschäftsentwicklung hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer zurückgeblieben.
Der neue BASF-Chef Martin Brudermüller bestätigte zwar seine Ziele für das laufende Jahr, warnte aber: "Im Verlauf des ersten Halbjahres haben sich die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich erhöht." Dabei verwies er auf die Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie den USA und Europa. BASF beobachte dies und mögliche Auswirkungen auf das eigene Geschäft sehr sorgfältig.
In den Monaten April bis Juni erzielte der DAX-Konzern einen Umsatz von knapp 16,8 Milliarden Euro und damit drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie heute in Ludwigshafen mitgeteilt wurde. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um fünf Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Nach Steuern und Anteilen Dritter verdiente BASF knapp 1,5 Milliarden Euro. Das war fast genauso viel wie im Vorjahreszeitraum.
Dem Konzern bereitet momentan vor allem das Öl- und Gasgeschäft wieder Freude. Die kräftig gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie höhere Verkaufsmengen sorgten dafür, dass sich das operative Quartalsergebnis bei der Kasseler Tochter Wintershall im Jahresvergleich mehr als verdoppelte.
Zudem erwartet BASF für das Gesamtjahr nun im Schnitt einen höheren Ölpreis als zuvor. Die erneut verhängten US-Sanktionen gegen den Iran und die Kürzungen des OPEC-Kartells hatten den Ölpreis im zweiten Quartal auf neue Höhen getrieben. Im Schnitt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74 Dollar.
Der Sparte Functional Materials & Solutions bereiteten hingegen erneut gestiegene Rohstoffpreise Sorgen. Zu dem Geschäftsbereich gehören Katalysatoren, Bauchemikalien und Fahrzeuglacke.
Für einen leichten Ergebnisrückgang sorgte die Abschaltung von Anlagen im Geschäft mit Basischemikalien.
Im Agrochemiegeschäft verdiente BASF dank besserer Margen wieder etwas mehr. Diesen Bereich wollen die Ludwigshafener durch einen Milliarden-Deal kräftig ausbauen. BASF wird von dem Rivalen Bayer bestimmte Pflanzenschutzmittel, verschiedene Saatgut-Arten und das Digital-Farming-Geschäft übernehmen. Bei Digital Farming geht es etwa um das computergesteuerte Ausbringen von Saatgut- und Pflanzenschutzmitteln. Bayer muss diese im Zuge der Mega-Übernahme von Monsanto abgeben. BASF will die Übernahme der Bayer-Geschäftsteile im August abschließen. Noch fehlen aber die Genehmigungen wichtiger Kartellbehörden.
Auch sonst ist bei BASF viel in Bewegung. So plant Brudermüller nach Pekings jüngsten Reformen eine Milliardeninvestition in China. Anders als früher dürfen ausländische Unternehmen Großprojekte nun auch in Eigenregie bauen und betreiben. Die Ludwigshafener schätzen die Investitionssumme bis zum Abschluss des neuen Verbundstandorts um das Jahr 2030 auf bis zu zehn Milliarden US-Dollar (rund 8,5 Mrd Euro). Es wäre die größte Investition in der Firmengeschichte.
Zudem will BASF nach früheren Aussagen seine Öl- und Gastochter Wintershall mit der früheren RWE-Sparte Dea verschmelzen und später an die Börse bringen. BASF und der Dea-Eigner LetterOne führen schon seit längerem Gespräche.

Renault wird etwas profitabler

Der französische Autobauer Renault hat wie Heimatkonkurrent PSA im ersten Halbjahr profitabler wirtschaften können.
Der operative Gewinn kletterte im ersten Halbjahr um gut fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg trotz eines deutlichen Absatzwachstums aber nur um 1,4 Prozent auf dreißig Milliarden Euro, weil hier vor allem die Entwicklung des Euro-Kurses in der Umrechnung bremste. Die operative Marge lag bei 6,4 Prozent nach 6,2 Prozent vor einem Jahr. Renault-Chef Carlos Ghosn sprach von einem schwankungsanfälligen Umfeld.
Allerdings stand unter dem Strich mit zwei Milliarden Euro ein um fast ein Fünftel niedrigerer Gewinn, weil die Beteiligung an Nissan weniger abwarf als vor einem Jahr. Die Franzosen halten 43 Prozent der Anteile an dem japanischen Autobauer.
Renault bleibt bei der bisherigen Jahresprognose. Ohne Wechselkurseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe soll der Umsatz wachsen und die operative Marge weiter über sechs Prozent liegen. Rivale PSA (Peugeot, Citroen) hatte im ersten Halbjahr seine Marge deutlich nach oben getrieben, unter anderem weil Einsparungen und teurere SUVs den Gewinn aufpolsterten. Auch der im vergangenen Jahr zugekaufte deutsche Autobauer Opel trug mit einem unerwarteten Betriebsgewinn dazu bei.
Die Aktie legte heute um 2,2 Prozent auf 75,18 Euro zu.

Amazon überrascht mit Milliardengewinn: Aktien auf Rekordhoch

Amazon hat mit einem Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) im vergangenen Quartal überrascht. Dafür sorgte neben dem boomenden Internet-Handel weiter das starke Geschäft mit Cloud-Diensten.
Amazon legt damit auch das Image einer Firma ab, die keine oder nur relativ kleine Gewinne erwirtschaften könne. Im Vorjahresquartal hatte der weltgrößte Online-Händler 197 Millionen Dollar verdient.
Der überraschend hohe Gewinn sorgte für deutliche nachbörsliche Kursgewinne von mehr als drei Prozent auf den Bestwert von 1.866 US-Dollar. Zu diesem Kurs wäre Amazon mehr wert als die zehn größten DAX-Konzerne zusammengenommen. Am Donnerstag hatte die Amazon-Aktie im regulären Handel wegen der Schwäche aller Techwerte infolge enttäuschender Facebook-Zahlen noch knapp drei Prozent verloren.
Die Papiere von Amazon befinden sich seit Jahren im Aufwind. Alleine 2018 zog der Börsenwert des Unternehmens bisher um mehr als fünfzig Prozent auf zuletzt rund 880 Milliarden US-Dollar (755 Mrd Euro) an. Damit ist der Onlinehändler nach Apple das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt.
Mit dem Aufstieg Amazons wurde der Gründer und Unternehmenschef Jeff Bezos der reichste Mann der Welt. Sein Vermögen, dass sich vor allem aus Aktien des Unternehmens zusammensetzt, beträgt nach einer Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg rund 149 Milliarden Dollar.
Zugleich geriet Amazon wegen der Rolle des Gründers auch ins Visier von US-Präsident Donald Trump. Denn Bezos ist privat Eigentümer der "Washington Post", die über Trump oft kritisch berichtet. Der Präsident warf Amazon in Tweets unter anderem vor, nicht genug an die US-Post zu zahlen.
Der weltgrößte Onlinehändler Amazon profitiert weiter von einem boomenden Internethandel und florierenden Geschäften mit IT-Diensten. Umsatz und Gewinn zogen im zweiten Quartal erneut deutlich an. Gerade beim Gewinn konnte Amazon positiv überraschen.
Der Amazon-Quartalsumsatz zog zwischen April und Ende Juni um 39 Prozent auf 52,9 Milliarden Dollar (45,22 Mrd Euro) an. Damit fiel der Umsatzanstieg nicht mehr ganz so stark aus wie zu Jahresbeginn. Experten hatten zudem mit etwas höheren Erlösen gerechnet.
Zudem dürfte sich das Wachstum in den drei Monaten von Juli bis Ende September erneut etwas verlangsamen.
Für das dritte Quartal peilt Amazon-Chef Jeff Bezos einen Umsatz zwischen 54 und 57 Milliarden Dollar an - das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 23 bis 31 Prozent. Auch hier liegt Amazon unter der aktuellen Schätzung der Experten.
Im Cloud-Geschäft "Amazon Web Services" schoss der Umsatz im vergangenen Quartal zugleich um 49 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar hoch.
 
Erstellt am 27.07.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 27.07.2018, um 15:00 Uhr.
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