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Marktbericht: update von 15:00 Uhr · 02.05.2018 15:00 Uhr

Trump droht China - Fed signalisiert weitere Zinsanhebung - DAX im Minus

Grafik: China vs. USA
Quelle: Bruce Rolff / Shutterstock.com
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Der weiter schwelende Streit über Sonderzölle zwischen den USA und China belastet den Aktienmarkt erneut. So rutschten die Kurse in China ab. Auch der DAX liegt im Minus. Die Fed könnte ihren Leitzins wohl bald weiter anheben.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:07min, 02. August 2018, 11:31 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 02.08.2018 -
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump droht China im Handelskonflikt mit einer weiteren Eskalation. Trump wies seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer an, eine Erhöhung der geplanten Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent zu prüfen. Die Maßnahme solle die chinesische Regierung zu einem Politikwechsel bewegen, um gerechtere Marktbedingungen zu schaffen, teilte Lighthizer gestern mit.
Die Zuspitzung des amerikanisch-chinesischen Konflikts hat bereits zu einem Kursrutsch an den chinesischen Börsen geführt. Der DAX notiert aktuell bei 12.533 Punkten mit 1,6 Prozent im Minus. Damit hat es das deutsche Börsenbarometer vorerst nicht geschafft, sich über der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie zu halten.
Unterdessen hat die US-Notenbank weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt. Zunächst bleiben die Zinsen jedoch unverändert, wie die Fed nach ihrer Zinssitzung gestern Abend in Washington mitteilte. Die Tür für eine Leitzinserhöhung im September wurde jedoch noch weiter geöffnet. Die Wirtschaft wachse mit einer "starken Rate", hieß es im Kommentar zur Entscheidung. Zuvor hatten die Währungshüter von einem "soliden" Tempo gesprochen. Ansonsten änderte die Fed ihre Beurteilung der wirtschaftlichen Lage wenig.

Hoher Verlust bei Tesla: Anleger vertrauen Elon Musk

Tiefrote Zahlen, dennoch scheinen die Aktionäre geradezu euphorisch zu sein:
Tesla-Chef Elon Musk hat es geschafft, die Wall Street einmal mehr mit großen Versprechen zu beeindrucken. Die schwierige Produktion des Hoffnungsträgers "Model 3" solle endlich richtig Fahrt aufnehmen und Gewinne abwerfen, verkündete der Elektroautobauer am Mittwoch. (Ortszeit). Tesla stehe kurz davor, "nachhaltig profitabel" zu werden, bekräftigte der schillernde Tech-Milliardär Musk.
Das kam am Aktienmarkt richtig gut an. Die Aktien stiegen nachbörslich zeitweise um mehr als neun Prozent. An der Börse Stuttgart notieren die Papiere aktuell bei 283,40 Euro mit 10,2 Prozent im Plus.
Erleichtert nahmen viele Anleger zur Kenntnis, dass Musk sich bei der obligatorischen Telefonkonferenz nach der Vorlage des Quartalsberichts von seiner höflichen Seite zeigte und sich für seinen als arrogant empfundenen Auftritt beim letzten Mal entschuldigte. Vor drei Monaten hatte der Star-Unternehmer Analysten abgekanzelt und Fragen als trocken, langweilig und "nicht cool" abgelehnt. Diesmal war Musk hingegen merklich um Harmonie bemüht und ließ seinen Charme spielen, wie es heißt.
Überzeugungsarbeit bei den Investoren war aber auch nötig. Denn noch ist das "Model 3" ein finanzieller Kraftakt, der Tesla im Frühjahr tiefer als erwartet in die roten Zahlen drückte.
Im zweiten Quartal schlug ein auf die Aktionäre entfallender Verlust von 718 Millionen Dollar (615 Mio. Euro) zu Buche. Im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei 336 Millionen Dollar gelegen.
Der Umsatz stieg hingegen überraschend stark um mehr als vierzig Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar. Tesla geht davon aus, bis Ende August eine wöchentliche Fertigungsrate von 6.000 Stück beim Model 3, seinem ersten günstigeren Auto für den Massenmarkt, zu erreichen. Danach soll das Tempo rasch weiter erhöht werden. "Wir streben an, die Produktion so schnell wir können auf 10.000 Stück pro Woche auszuweiten", hieß es im Brief an die Aktionäre. Ab einer Rate von 7.000 Stück meint Tesla-Chef Musk, dauerhaft profitabel wirtschaften zu können. Im dritten Quartal will Tesla insgesamt 50.000 bis 55.000 "Model 3" produzieren.
In den vergangenen Monaten sorgte das neue Auto, mit dem Tesla den Sprung aus der Luxusnische schaffen will, für enormen Druck. Die Fertigungsziele mussten mehrfach verschoben werden und konnten Ende Juni nur mit Biegen und Brechen endlich erreicht werden. Musk machte das Großprojekt zur Chefsache, schlug ein Nachtlager in Teslas Fabrik im kalifornischen Fremont auf und trug laut eigenen Angaben tagelang das gleiche Shirt. Um sein ehrgeiziges Ziel zu erfüllen, pro Woche wenigstens 5.000 "Model 3" vom Band rollen zu lassen, wurde kurzerhand eine ganze Montagelinie eingeflogen, die in einem Zelt aufgestellt wurde.
Im abgelaufenen Quartal produzierte Tesla insgesamt 53.339 Fahrzeuge, ausgeliefert wurden 40.768. Auf das "Model 3" entfielen davon nach Unternehmensangaben 18.449 Stück.
Tesla beendete das Vierteljahr mit 2,2 Milliarden Dollar an Barmitteln. Der Bilanz des Unternehmens kommen Hunderttausende Model-3-Vorbestellungen zugute, für die Anzahlungen geleistet werden mussten. Teslas Ausgaben übersteigen die Einnahmen zwar weiter deutlich, aber der Abfluss von liquiden Mitteln war nicht so stark wie von Experten befürchtet. Einige Analysten sehen Finanzbedarf, Musk hat dies bislang aber stets zurückgewiesen. Er hätte genug Geld.
Angesichts etlicher Mammut-Projekte, die sich der Tesla-Chef vorgenommen hat, wären Kapitalerhöhungen indes nicht verwunderlich. So will Musk etwa riesige Batterie- und Autofabriken in Asien und Europa hochziehen.
Für das erste ausländische Werk in China will Tesla fünf Milliarden Dollar in die Hand nehmen, wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf einen Insider berichtete. Musk sagte in der Telefonkonferenz lediglich, dass die Kosten weniger als halb so hoch sein dürften wie bei der ersten "Gigafactory" in Nevada.
Auch Politiker hierzulande sind neuerdings im Tesla-Fieber. Nachdem Musk Deutschland im Juni als "bevorzugte Wahl für Europa" bezeichnete, bringen sich Bundesländer als Tesla-Standorte ins Spiel. Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bekundeten bereits Interesse, jetzt zog auch Bayern nach.

Enttäuschende Zahlen von DAX-Unternehmen

Der Autobauer BMW ist im zweiten Quartal von höheren Kosten für neue Technik und Rohstoffe belastet worden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 6,3 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro. BMW verwies auf höhere Vorleistungen für Forschung und Entwicklung als im Vorjahr, aber auch auf höhere Rohstoffpreise. Auch das Vorsteuerergebnis, in das die Gewinne der chinesischen Produktions-Joint-Ventures einfließen, ging in etwa gleichem Maße zurück. Der Umsatz sank wegen der stärkeren Entwicklung des Euro um 2,9 Prozent auf 25 Milliarden Euro. Unter dem Strich fiel der Gewinn mit 2,08 Milliarden Euro um 6,1 Prozent schwächer aus. Die Jahresprognosen behielt das Management um Harald Krüger bei. Die Aktie liegt aktuell bei 80,26 Euro mit 1,5 Prozent im Minus.
Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat vor einer Schwäche im dritten Quartal wegen neuer Abgasprüfverfahren bei den Autobauern gewarnt. Im laufenden Vierteljahr lägen zum einen die Werksferien der Automobilhersteller, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer am Donnerstag in Hannover. "Zusätzlich wird das kommende Quartal durch den am 1. September in Kraft tretenden Prüfzyklus WLTP voraussichtlich negativ beeinflusst werden." Der DAX-Konzern erwarte derzeit aber ein starkes Schlussquartal und bestätige daher den Jahresausblick. Derweil konnte das Unternehmen beim Wachstum aus eigener Kraft im zweiten Quartal zulegen. Der Umsatz kletterte zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Insbesondere in der abzuspaltenden Antriebstechnik lief es besser. Nach dem ersten Halbjahr steht ohne Wechselkurseffekte und Zu- sowie Verkäufe ein Plus von 5,4 Prozent zu Buche, womit Conti nach einem schwächeren Jahresauftakt Fahrt aufgenommen hat. Am Jahresende sollen rund sieben Prozent organisches Wachstum stehen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag zwischen April und Juni bei 1,16 Milliarden Euro und damit knapp unter dem Vorjahreswert. Die Marge ging auf 10,2 Prozent zurück. Unter dem Strich legte der Gewinn aber um 10,3 Prozent auf 822 Millionen Euro zu. Die Aktie rutschte heute jedoch um 2,9 Prozent auf 184,36 Euro ab.
Der Elektrokonzern Siemens hat im dritten Quartal operativ mehr verdient. Das Ergebnis der industriellen Geschäfte stieg in den Monaten April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute in München mitteilte. Gedämpft wurde die Entwicklung von einem anhaltenden Gewinnrückgang im Kraftwerksgeschäft. Treiber bleibt hingegen die Digitalisierung. Unter dem Strich verdiente Siemens hingegen mit 1,2 Milliarden Euro 14 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Höhere Steuern sowie Kosten für den Personalabbau bei den Töchtern Siemens Gamesa und Siemens Healthineers waren unter anderem die Gründe dafür. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Der starke Euro bremste das Wachstum und belastete Auftragseingang und Umsatz. Der Umsatz sank daher um vier Prozent auf 20,5 Milliarden Euro, vergleichbar lag er auf Vorjahresniveau. Dagegen kann Siemens auf volle Auftragsbücher blicken: Die Auftragseingänge stiegen um 16 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro, was etwas mehr war, als Analysten geschätzt hatten. Dabei konnte die schwächelnde Kraftwerkssparte den Abwärtstrend stoppen und erstmals seit längerer Zeit wieder mehr Aufträge an Land ziehen. Die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr bekräftigte Siemens. So erwartet der Konzern bereinigt einen Gewinn je Aktie von 7,70 bis 8,00 Euro. Die Ergebnismarge im industriellen Geschäft soll weiter bei elf bis zwölf Prozent liegen, nach 11,1 Prozent im Vorjahr. Die Ergebnisprognosen sind dabei um Kosten für den geplanten Personalabbau bereinigt. Der Umsatz soll bereinigt um Währungseffekte und Zu- und Verkäufe leicht steigen.
Bereits am Vorabend hatte der Konzern seine neue Strategie vorgelegt, mit der Siemens das Wachstum mittelfristig beschleunigen will. Das Unternehmen will Sparten zusammenlegen und sich künftig auf drei operative Bereiche konzentrieren. Den einzelnen Geschäften soll deutlich mehr unternehmerische Freiheit unter der Marke Siemens gegeben werden. Zudem setzte der Konzern den neuen Bereichen ehrgeizige Margenziele. In den drei neuen Sparten Gas & Power, Smart Infrastructure sowie Digital Industries sollen die bisherigen Bereiche Gebäudetechnik, Energiemanagement, das Kraftwerksgeschäft, große Teile des Bereichs Prozessindustrie und Antriebe sowie die Digitale Fabrik aufgehen.
Die Aktie steht dennoch unter Druck. Der Kurs rutschte um 4,6 Prozent auf 114,28 Euro ab.
 
Erstellt am 02.08.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 02.08.2018, um 15:00 Uhr.
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